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Russland-Wahl: Steinmeier mit diplomatischem Affront – Baerbock-Amt geht noch einen Schritt weiter

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Wladimir Putin steht als haushoher Sieger der Russland-Wahl fest. Der Kreml feiert den russischen Präsidenten. Die Ergebnisse im Newsticker.

HINWEIS DER REDAKTION: Dieser Ticker ist beendet. Die weiteren Entwicklungen und Reaktionen auf die Verkündung eines Wahlsiegs Wladimir Putins finden Sie in unserem neuen News-Ticker zur Russland-Wahl.

Update vom 18. März, 8.35 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will nach Angaben seiner Sprecherin keine Glückwünsche an Wladimir Putin übermitteln. Es werde kein Schreiben an Putin geben, sagte Cerstin Gammelin dem Tagesspiegel. Heute denke er an die Menschen in Russland, die dort für Freiheit und Demokratie kämpften und in ständiger Gefahr vor Putins Regime lebten. Man vergesse diese Mutigen nicht, steht in einer Erklärung des Bundespräsidenten, die auf der Plattform X verbreitet wurde.

Wladimir Putin sicherte sich bei der Russland-Wahl seine fünfte Amtszeit.

Das Auswärtige Amt in Berlin schrieb auf der Plattform X, es habe sich um Pseudowahlen gehandelt. Sie seien weder frei noch fair, das Ergebnis überrasche niemanden. „Putin herrscht autoritär, er setzt auf Zensur, Repression und Gewalt.“ Die „Wahlen“ in den besetzten Gebieten der Ukraine seien „null und nichtig“ und ein „weiterer Bruch des Völkerrechts“.

Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern

Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird.
Am 24. Februar 2022 befahl Wladimir Putin den Angriff russischer Truppen auf die Ukraine. Setdem ist er nicht nur Präsident Russlands, sondern Kriegsherr – auch wenn in Russland der Ukraine-Krieg nach offizieller Lesart nur eine militärische „Spezialoperation“ genannt wird. © Mikhail Klimentyev/Imago
Wladmir Putin mit Flottenchef Kurojedow
Von 1975 bis 1982 war der am 7. Oktober 1952 geborene Putin KGB-Offizier, von 1984 bis 1985 besuchte er die KGB-Hochschule in Moskau. Ab 1985 war er in der DDR tätig, hauptsächlich in Dresden. Danach ging es wieder zurück nach St. Petersburg. Vom 25. Juli 1998 bis August 1999 war Putin Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB. In dieser Eigenschaft traf er sich im November 1998 mit Flottenchef Wladmir Kurojedow (rechts). © Stringer/dpa
So sah Wladimir Putin im Alter von 40 Jahren aus, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm.
Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt Wladimir Putin im Jahr 1992 im Alter von 40 Jahren, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm. Zwei Jahre später wurde er von einem der Vizebürgermeister zum ersten Vizebürgermeister der Stadt ernannt. Sein politischer Aufstieg nahm Formen an. © Russian Look/IMAGO
Dieses Foto zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Jahr 1994 in seinem Büro. Damals war er 42 Jahre alt und Vizebürgermeister von St. Petersburg.
In seinem ersten Jahr als erster Vizebürgermeister der Stadt St. Petersburg im Jahr 1994 wurde Wladimir Putin in seinem Büro fotografiert. Damals war er 42 Jahre alt. Von körperlichen Beschwerden aus dieser Zeit ist nichts bekannt. Putin war zudem bereits seit seiner Jugend sportlich und ging unter anderem dem Kampfsport Judo nach, in dem er sich einen Schwarzen Gurt verdiente. © Russian Look/IMAGO
Drei Jahre später enstand dieses Foto von Wladimir Putin zusammen mit Anatoly Sobchak, ehemaliger Bürgermeister von St. Petersburg.
Dieses Foto entstand drei Jahre später, 1997, und zeigt Wladimir Putin – damals 45 Jahre alt – zusammen mit Anatoly Sobchak, dem ehemaligen Bürgermeister von St. Petersburg. © Russian Look/IMAGO
Wladimir Putin mit Boris Jelzin im Kreml.
Im Jahr 1999 übernahm Putin zum ersten Mal das Amt des Ministerpräsidenten – mit Option auf die Nachfolge von Präsident Boris Jelzin (links). Als Jelzin am 31. Dezember 1999 sein Amt niederlegte, übernahm Putin kommissarisch auch die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Im Mai 2000 wurde Putin dann regulär zum Präsidenten Russlands gewählt. © dpa
Im Jahr 2000 wurde Putin zum ersten Mal Präsident der Russichen Föderation. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin.
Im Jahr 2000 wurde Wladimir Putin erstmals zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Berlin. Die Beiden sollte im weiteren Verlauf eine innige Freundschaft verbinden, die auch über Schröders politische Karriere hinaus Bestand hatte. © Thomas Imo/IMAGO
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen.
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen. © Mikhail Metzel/Imago
Am 7. Mai 2000 legte Putin seinen Amtseid ab.
Am 7. Mai 2000 legte Putin unter den Augen von Boris Jelzin seinen Amtseid ab. Mit einer Ausnahme einer Zeit als Regierungschef von 2008 bis 2012 hat Putin seither das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation inne.  © Imago
Wladimir Putin und Bill Clinton bei der Unterzeichnung eines Vertrages in New York.
Im September 2000 führte Putin der Weg in die USA. Bill Clinton (rechts) war der erste US-Präsident, mit dem er es in den kommenden Jahren zu tun bekam. in seiner Mit dem damals noch amtierenden US-Präsidenten B © Imago
Mit einer Umarmung begrüßen sich Gerhard Schröder und Wladmir Putin im Foyer des Taschenbergpalais in Dresden.
Als Russlands Präsident reiste Putin im September 2001 zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Deutschland. Im Foyer des Taschenbergpalais in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden begrüßte ihn auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (links). Die beiden verstanden sich offensichtlich schon damals ausnehmend gut. Die Freundschaft hat auch heute noch Bestand. © Jan-Peter Kasper/dpa
Der schwarze Labrador von Wladimir Putin läuft beim Treffen seines Herrchens mit Angela Merkel durchs Zimmer.
Putin spielt gerne psychologische Spielchen – so auch 2007 mit Kanzlerin Angela Merkel. Bei ihrem Treffen in Sotschi am Schwarzen Meer ließ Putin während einer gemeinsamen Pressekonferenz eine Labradorhündin ohne Leine herumlaufen. Merkel, einst in ihrer Jugend von einem Hund gebissen worden, fühlte sich sichtlich unwohl.  © Dmitry Astakhov/dpa
George Bush und Wladimir Putin spazieren auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei.
George W. Bush (rechts) war der zweite US-Präsident, mit dem es Putin zu tun bekam. Im April 2008 trafen sich beiden Staatschefs auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei. © Imago
Wladimir Putin neuer russischer Regierungschef.
Am 7. Mai 2008 löste Dmitri Medwedew nach zwei Amtszeiten Putin im Amt des russischen Präsidenten ab. Einen Tag danach wählte die Duma Putin auf Vorschlag des neuen Präsidenten zum neuen Regierungschef. Putin blieb auch in dieser Position der starke Mann. © dpa
Im Jahr 2009 ließ sich Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend zur Demonstration von Macht fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt.
Im Jahr 2009 ließ sich Wladimir Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt. Mit solchen Fotos pflegte Putin sein Macho-Image. Er wollte er laut Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ Wirkung in der russischen Bevölkerung erzielen und auch international demonstrieren, dass er ein starker Gegner ist. © epa Alexey Druzhinyn
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben.
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben. Das gilt für Reiten wie offenbar auch fürs Angeln. © Aleksey Nikolskyi/Imago
Putin und Obama stoßen miteinander an.
Am 7. Mai 2012 wurde Putin erneut zum Präsidenten gewählt. Sein Verhältnis zu US-Präsident Barack Obama war von Distanz geprägt. Das war auch im September 2015 bei einer Veranstaltung der Vereinten Nationen in New York der Fall.  © Amanda Voisard/dpa
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause.
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause. © Alexei Nikolsky/Imago
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam.
Als Donald Trump die US-Wahl 2016 gegen Hillary Clinton gewann, hatte Russland wohl seine Hände mit im Spiel. Putin hatte sicher seinen Grund. Mit Donald Trump kam er jedenfalls gut zurecht. Im November 2017 begrüßten sie sich Familienfoto im Rahmen des Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Da Nang (Vietnam) herzlich.  © Mikhail Klimentyev/dpa
Der chinesische Präsident Xi Jinping (r) und der russische Präsident Wladimir Putin (l) geben sich am 04.07.2017 im Kreml in Moskau (Russland) bei einem Gespräch die Hände
Unter Putin sind sich Russland und China zuletzt immer nähergekommen. Ein wichtiger Termin war der 4. Juli 2017, als der chinesische Präsident Xi Jiping im Kreml in Moskau zu Besuch war. Damals wurden mehrere Verträge und Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin und Olaf Scholz am Tisch im Kreml.
So pflegt Putin inzwischen seine Gäste zu empfangen – vor allem die aus dem Westen. Am 15. Februar 2022 reiste Kanzler Olaf Scholz nach Moskau. Damals hatte der Ukraine-Krieg noch nicht begonnen. Putin ließ sich von Scholz aber nicht beeindrucken. © Kremlin Pool/Imago
Wladimir Putin im Kreml.
Putin forcierte in seiner dritten Amtszeit die kriegerischen Auseinandersetzungen. Seit dem 21. März 2014 betrachtet Russland die Krim als Teil des eigenen Staatsgebiets, seit September 2015 unterstützt die russische Luftwaffe im Militäreinsatz in Syrien den syrischen Präsidenten Assad im dortigen Bürgerkrieg.  © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin (links) und Joe Biden schütteln sich bei ihrem Treffen in der „Villa la Grange“ die Hand.
Anlässlich der Genfer Gipfelkonferenz traf sich Putin am 16. Juni 2021 mit US-Präsident Joe Biden zu einem Gespräch. Schon damals waren die russischen Truppenaufmärsche an der Grenze zur Ukraine ein Thema. © Denis Balibouse/dpa
Wladimir Putin lacht
Genutzt hat das Gipfelgespräch wenig. Am 24. Februar 2022 begann mit dem Einmarsch der russischen Truppen ins Nachbarland der Ukraine-Krieg. Putin wusste es wohl schon in Genf.  © Denis Balibouse/dpa
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen.
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen. © Alexei Nikolsky/Imago

Wahl in Russland: Proteste sorgen für Ärger bei Putin – „Mit denen befassen, die Stimmzettel zerstört haben“

Update vom 18. März, 7.35 Uhr: Nach seinem Sieg bei der Wahl in Russland hat sich Wladimir Putin bei seinen Landsleuten für „die Unterstützung und das Vertrauen“ bedankt. Tatsächlich durfte er sich über ein Rekordergebnis freuen: Putin kommt auf mehr als 88 Prozent der Stimmen und steht damit vor einer weiteren sechsjährigen Amtszeit. Allerdings ist es auch immer wieder zu Protesten gekommen. Putin stellte klar, dass sich die Behörden mit denjenigen „befassen“ würden, „die ihre Stimmzettel zerstört haben“.

Ergebnis der Wahlen in Russland: Putin erhält mehr als 88 Prozent der Stimmen

Update vom 18. März, 6.40 Uhr: Nach einer von Manipulationsvorwürfen begleiteten Präsidentenwahl hat Russlands Wahlkommission Kremlchef Wladimir Putin ein Rekordergebnis von etwa 88 Prozent der Stimmen zugesprochen. Damit legte der 71 Jahre alte Putin um mehr als zehn Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl von 2018 (76,7 Prozent) zu. Es gilt als das beste ihm je zuerkannte Ergebnis, mit dem er seine fünfte Amtszeit antritt. Die Beteiligung wurde mit über 74 Prozent angegeben – ebenfalls ein Rekord.

KandidatStimmenErgebnis (in Prozent)
Wladimir Putin75.932.11188,50
Nikolai Charitonow3.737.1234,36
Wladislaw Dawankow3.340.9213,89
Leonid Sluzki2.791.507\t3,25

(Quelle: Wahlbehörde in Russland. 99,75 Prozent der Stimmen ausgezählt)

Siegesrede von Putin nach Russland-Wahl

Update, 22.55 Uhr: In seiner Siegesrede nach der Russland-Wahl hat Wladimir Putin auch indirekt auf die stillen Proteste im Land reagiert. Er nannte den Tod von Kremlkritiker Alexej Nawalny einen „traurigen Vorfall“. Wie mehrere Nachrichtenagenturen übereinstimmend berichteten, nahm der russische Präsident dabei auch Stellung zu den Gerüchten um einen möglichen Gefangenenaustausch. Er habe wenige Tage vor dem Nawalny-Tod von der Idee erfahren – und ihr zugestimmt, sagte Putin den Berichten zufolge. Seiner Meinung nach hätte der Kremlkritiker nie mehr nach Russland zurückkehren sollen. Der Oppositionelle war wenige Wochen vor der Wahl unter bislang ungeklärter Todesursache in einem russischen Straflager gestorben. Am Sonntag kam es im Land an vielen Orten zu Protestaktionen seiner Anhänger.

Update, 22.03 Uhr: Nach der Wahl in Russland hat Wladimir Putin eine „Siegesrede“ gehalten. Nach der Schließung der Wahllokale sagte der Präsident laut Sky News, dass sich nun sein Triumph bei der Präsidentschaftswahl bestätigen würde. Sein Sieg werde es Russland ermöglichen, die Gesellschaft zu konsolidieren und „stärker und effektiver“ zu werden. „Niemand wird Russland jemals unterdrücken, wenn wir konsolidiert sind“, sagte Putin nach der Russland-Wahl und dankte den Bürgern für ihre „Unterstützung und ihr Vertrauen“. 

Update, 20.59 Uhr: 36,3 Prozent der Wahllokale in Russland sind ausgezählt und Wladimir Putin ist laut diesen ersten Teilergebnissen der staatlichen Wahlkommission klarer Sieger der Präsidentschaftswahl in Russland. 87,47 Prozent der Wähler hätten für Putin gestimmt, erklärte Wahlkommissions-Chefin Ella Pamfilowa am Sonntagabend. „Russland hat seine Wahl getroffen“, sagte Pamfilowa. Die Wahlbeteiligung betrug demnach 74,22 Prozent.

Update, 20.41 Uhr: Laut Wahlbeamten hat Wladimir Putin 99,28 Prozent der in der Republik Tschetschenien abgegebenen Stimmen erhalten.

Nawalny-Team kritisiert Ergebnis der Wahl in Russland

Update, 20.04 Uhr: Das Team des in russischer Haft gestorbenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny hat die Teilergebnisse der Präsidentschaftswahl in Russland infrage gestellt, wonach Kreml-Chef Wladimir Putin knapp 88 Prozent der Stimmen erhalten hat. „Die für Putin erfundenen Prozentzahlen haben eindeutig nichts mit der Wirklichkeit zu tun“, erklärte Leonid Wolkow am Sonntag im Onlinedienst Telegram. Wolkow war einer der engsten Vertrauten und unter anderem früherer Stabschef von Nawalny.

Update, 19.50 Uhr: Nach Bekanntgabe erster Teilergebnisse der Präsidentenwahl in Russland hat Polen die Abstimmung als „nicht legal“ kritisiert. „Russlands Präsidentschaftswahl ist nicht legal, frei und fair“, erklärte das Außenministerium in Warschau am Sonntagabend. Die Wahl sei „unter scharfen Repressionen“ und in besetzten Teilen der Ukraine unter Missachtung internationalen Rechts abgehalten worden.

Selenskyj reagiert auf Wahlen in Russland

Update, 19.35 Uhr: Wolodymyr Selenskyj, der Präsident der Ukraine, hat die Legitimität der Präsidentschaftswahlen in Russland und den wiederholten Sieg von Wladimir Putin, dem Chef des Kremls, infrage gestellt. Er erklärte in seiner täglichen Videoansprache am Sonntag: „jede Legitimität“ sei diesen Wahlen abzusprechen. „Diese Wahlfälschung hat keine Legitimität und kann keine haben“, betonte Selenskyj.

Er fügte hinzu, dass es die Pflicht jedes Menschen auf der Welt sei, der das Leben und den Anstand schätzt, dafür zu sorgen, dass „diese Figur (Putin) auf der Anklagebank in Den Haag landen“ muss. Selenskyj warf Putin vor, erneut eine Wahl inszeniert zu haben. Er betonte, dass es für jeden auf der Welt offensichtlich sei, dass „diese Figur, wie schon so oft in der Geschichte, einfach nur machtbesessen ist und alles tut, um lebenslang zu regieren“. Er schloss seine Ansprache mit der Aussage, dass Putin bereit sei, jedes Verbrechen zu begehen, um seine persönliche Macht zu erhalten. „Es gibt kein Übel, das er nicht begehen würde, um seine persönliche Macht zu verlängern.“

Update, 19.22 Uhr: Die vorläufigen Wahlergebnisse für die Konkurrenten von Putin sind nun ebenfalls veröffentlicht worden. Wladislaw Dawankow erzielt laut dem Meinungsforschungsinstitut FOM 3,76 Prozent der Stimmen, während Nikolai Charitonow 3,86 Prozent und Leonid Sluzki 2,97 Prozent erhalten. Diese Ergebnisse liegen deutlich unter den zuvor gemachten Prognosen.

Wahl in Russland beendet: Putin liegt vorne – wohl historisches Ergebnis

Update, 19.00 Uhr: Die Wahllokale sind geschlossen und die ersten Ergebnisse wurden soeben bekannt gegeben. Wenig überraschend fährt Präsident Wladimir Putin einen Erdrutschsieg ein. Dem staatlichen Meinungsforschungsinstitut VTsiom zufolge liegt Präsident Wladimir Putin mit 87 Prozent der Stimmen an der Spitze. Nach Angaben des FOM-Meinungsforschers liegt seine Marge bei 87,8 Prozent.

Es galt bereits vorab als gesichert, dass sich Putin bei der seit Freitag laufenden Präsidentschaftswahl eine weitere sechsjährige Amtszeit sichert. Gegen ihn traten drei unbedeutende Kandidaten an. Alle bekannteren Kritiker des Kreml-Chefs sind entweder tot, inhaftiert oder im Exil. 

Nawalnaja wählt bei Wahl in Russland: Stimme für Kremlkritiker Alexej Nawalny

Update, 18.44 Uhr: Die Witwe des Kremlkritikers Alexej Nawalny, Julia Nawalnaja, hat bei der russischen Präsidentschaftswahl nach eigenen Angaben den Namen ihres gestorbenen Mannes auf den Stimmzettel geschrieben. Das sagte sie am Sonntag in Berlin, nachdem sie dort in der russischen Botschaft an der Wahl teilgenommen hatte. Nawalnaja hatte sich überraschend in die Warteschlange vor der Botschaft eingereiht und dann am frühen Abend das Gelände betreten. Kurz darauf verließ sie es wieder.

Nawalnaja gibt möglicherweise Stimme zur Russland-Wahl ab

Update, 18.43 Uhr: In Berlin haben der russische Botschafter Sergej Netschajew und seine Gattin kurz vor Verkündung des Ergebnisses ihre Wahlstimmen abgegeben. Die Farbauswahl des Schals der Ehefrau sorgte für Erstaunen, da er in den Farben der ukrainischen Flagge, Blau und Gelb, gehalten war. Das russische Außenministerium stellte später klar, dass der Schal bunt gewesen sei und die Farben Schwarz, Gelb, Weiß und Blau aufwies.

Update, 18.19 Uhr: Eine Stunde vor der Veröffentlichung des Wahlergebnisses wurde Julia Nawalnaja, Witwe von Alexej Nawalny, beim Betreten der russischen Botschaft in Berlin gesichtet. Überraschenderweise gesellte sie sich am Sonntagnachmittag zu den Wählern, die vor Ort ihre Stimme für die russische Präsidentschaftswahl abgeben wollten. Wie eine Journalistin der Deutschen Presse-Agentur feststellte, betrat sie am frühen Abend das Gelände der Botschaft. Vor ihrer Stimmabgabe machte Nawalnaja keine Angaben zu ihren Beweggründen. Es besteht die Möglichkeit, dass sie selbst an der Wahl in Russland teilnehmen wollte.

Update, 17.57 Uhr: Es gab einen weiteren Vorfall bei den russischen Wahlen: Ein versuchter Anschlag scheiterte nur wenige Stunden vor der Verkündung des Wahlergebnisses. Laut der Nachrichtenagentur dpa versuchte eine Frau, in einem Wahllokal in Perm einen Feuerwerkskörper zu entzünden. Dabei verletzte sie sich jedoch selbst, da der Sprengsatz, den sie in einer Toilette zündete, ihre Hand abriss. Seit dem Beginn der dreitägigen Wahlen in Russland gibt es immer wieder Proteste. Viele Oppositionelle beschuldigen den Kreml der massiven Wahlmanipulation.

Proteste am letzten Tag der Wahl in Russland: Hunderte Menschen vor Generalkonsulat in Bonn

Update, 16.55 Uhr: Am Sonntag versammelten sich hunderte Menschen vor dem russischen Generalkonsulat in Bonn, um gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu demonstrieren. Ein Polizeisprecher aus Bonn berichtete, dass sich vor dem Gebäude eine Warteschlange von über 1000 Menschen gebildet hatte, die ihre Stimme für die russische Präsidentschaftswahl abgeben wollten. Etwa 250 Menschen protestierten vor dem Konsulat gegen Putin, während etwa 25 Menschen für ihn demonstrierten.

Der Polizeisprecher bestätigte, dass die Demonstrationen insgesamt friedlich verliefen. Es wurden nur vereinzelt Anzeigen wegen Beleidigung verfasst. Aufgrund des großen Andrangs von Wählern musste der Platz zeitweise gesperrt werden. Für ein hinter dem Konsulat gelegenes Krankenhaus musste eine Rettungsgasse freigehalten werden.

Wahl in Russland: Am letzten Tag gibt es Verhaftungen bei Protestaktion gegen Wladimir Putin

Update, 15.48 Uhr: Die Wahlen in Russland, die von Vorwürfen der Manipulation überschattet wurden, haben zu einer harten Reaktion auf Proteste geführt – mit ersten Festnahmen. Laut der Organisation Ovd-Info sollen mindestens 75 Personen im Zuge von Aktionen gegen Putin von der Polizei inhaftiert worden sein. Die meisten dieser Festnahmen fanden in Kasan statt, jedoch wurden Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften in insgesamt 17 russischen Städten gemeldet. Das Unterstützerteam des verstorbenen Kremlkritikers Alexej Nawalny hatte zu Protestaktionen am Sonntagmittag aufgerufen.

Update, 13.19 Uhr: Der von der Präsidentenwahl ausgeschlossene Oppositionspolitiker Boris Nadeschdin hat sich an der friedlichen Protestaktion „Mittag gegen Putin“ in der russischen Hauptstadt beteiligt. Im Moskauer Institut für Physik und Technik, wo ein Wahllokal ist, wurde er mit großem Applaus von Studierenden empfangen, wie ein von ihm am Sonntag bei Telegram veröffentlichtes Video zeigt. „Ich denke, ihr werdet noch die Chance haben, für mich zu stimmen“, sagte er den Versammelten. Er kündigte die Veröffentlichung eigener Nachwahlbefragungen nach Schließung der Wahllokale an.

Neben Nadeschdin beteiligte sich auch Julia Nawalnaja an den Protesten gegen Putin. Am letzten Tag der Russland-Wahl erschien die Witwe des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny in Berlin und nahm am „Mittag gegen Putin“ teil.

Putin-Wahl in Russland: Hunderte Menschen beteiligen sich an Protestaktion „Mittag gegen Putin“

Update, 10.35 Uhr: Das Team um den kürzlich verstorbenen Kreml-Kritiker Alexej Nawalny meldet neue Proteste gegen Putins Wahl in Russland. Unter anderem in den Städten Wladiwostok, Nowosibirsk, Omsk, Irkutsk und Jekaterinburg sollen sich hunderte Menschen an der Aktion „Mittag gegen Putin“ beteiligt haben. Bei dem Protest waren die Gegner Wladimir Putins aufgefordert worden, alle gemeinsam um 12 Uhr in den Wahllokalen des Landes zu erscheinen und so den Ablauf der Präsidentschaftswahlen zu stören. Nawalnys Team verbreitete Bilder von den Protesten über einen YouTube-Kanal. Die Authentizität der Bilder kann nicht unabhängig überprüft werden.

Entscheidung bei Russland-Wahl: Ergebnis für Putin entscheidend

Erstmeldung vom 17. März 2024: Moskau – Auch der letzte Tag der Wahlen in Russland ist überschattet vom Ukraine-Krieg und den Konflikten innerhalb des Landes. Laut Angaben aus Kiew hat ein von dort koordinierter Drohnenangriff ein Wahllokal in der von Russland besetzten Region Saporischschja in Brand gesetzt. Das berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters. Der Angriff sei mit zwei Drohnen erfolgt. Kurz darauf bestätigte der von Russland eingesetzte Gouverneur Wladimir Rogow die Vorkomnisse im Kurznachrichtendienst Telegram. Verletzte habe des demnach keine gegeben.

Seit Freitag laufen die Präsidentschaftswahlen in Russland. Amtsinhaber Wladimir Putin gilt als sicherer Sieger in einer Wahl, bei der echte Oppositionskandidaten nicht zugelassen sind. Wenn das Ergebnis der Russland-Wahl offiziell verkündet wird, Putin in seine fünfte Amtszeit als russischer Präsident gehen und das Land damit länger regieren als jeder andere Präsident zuvor.

Letzter Tag der Russland-Wahl von Angriffen aus der Ukraine überschattet

Doch die Wahlen in Russland, die sich über elf Zeitzonen erstrecken und bei denen 112 Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen sind, laufen bislang nicht wie von Wladimir Putin geplant ab. Seit Beginn der Wahl am Freitag gibt es vereinzelte Berichte über Farb- und Brandanschläge auf Wahllokale. Die Grenzregionen im Süden des Landes stehen zudem weiter unter Beschuss ukrainischer Truppen. Russlands Flugabwehr fing nach eigenen Angaben mehrere ukrainische Raketen und Drohnen ab. Über dem Grenzgebiet Brjansk soll zudem eine umfunktionierte Flugabwehrrakete S-200 abgefangen worden sein. Auch aus Region Kaluga wurden am Wahltag Russlands Angriffe aus der Ukraine gemeldet. Die Region liegt nur etwa 200 Kilometer von der Hauptstadt Russland entfernt.

Putins Ergebnisse bei den bisherigen Russland-Wahlen mit ihm als Kandidat

JahrErgebnis
200052,9 %
200471,3 %
201264,4 %
201876,7 %

Doch das ist nicht alles. Auch die Angriffe russischer Paramilitärs in den Grenzgebieten Belgorod und Kursk setzen sich am letzten Tag der Russland-Wahl fort. Das bestätigte nun auch erstmals der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dimitri Peskow. Putin werde ständig über die Angriffe informiert, so der Kreml-Sprecher. Bei den Attacken waren in Gebietshauptstadt Belgorod am Samstag zwei Menschen durch Raketenbeschuss getötet worden.

Trotz allem dürfte Wladimir Putins Sieg bei der Russland-Wahl längst feststehen. Am Samstag hatten staatliche Nachrichtenagenturen Bilder des Präsidenten veröffentlicht, wie er angeblich seine Stimme über ein eigens eingerichtetes Online-Wahlsystem abgegeben haben soll. Die Möglichkeit, seine Stimme elektronisch einzureichen, war eine der vielen Maßnahmen, die Putin vor der Russland-Wahl eingeführt hatte und die ihm eine Rekordbeteiligung beim Urnengang garantieren sollte.

Die Wahlbeteiligung bei Russland-Wahlen im Überblick

JahrErgebnis
200068,6 %
200464,3 %
200869,7 %
201265,3 %
201867,5 %

Auch wenn das der Sieg Putins bei der Russland-Wahl längst feststeht, wird in dem riesigen Land noch bis 19 Uhr deutscher Zeit gewählt. Mit Schließung der letzten Wahllokale werden Prognosen veröffentlicht. Das endgültige Ergebnis der Russland-Wahl wird aller laut der Wahlkommission spätestens am 28. März verkündet. (dil mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © NATALIA KOLESNIKOVA/AFP

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