Ukraine-Krieg

Russlands letzter Verbündeter: Chinas Beziehung zu Putin wird immer wichtiger

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Nicht erst seit dem Ukraine-Krieg verbindet Russland und China eine Freundschaft. Inmitten von Sanktionen sucht Wladimir Putin den Kontakt nach Fernost.

Moskau/Peking – Sie sind Brüder im Geiste: Russland und China eint vielmehr, als es auf den ersten Blick scheint. Die beiden Staaten, die zu den größten der Welt gehören, sind nicht nur Nachbarn und langjährige Wirtschaftspartner, die auch bei der Entwicklung von militärischer Ausrüstung einen engen Austausch pflegen. Vielmehr verbindet China und Russland auch ein gemeinsames Feindbild und die Gegnerschaft zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Während der ersten Kriegswochen schien die Freundschaft zwischen Peking und Moskau wegen der Situation in der Ukraine etwas getrübt, doch inzwischen betonen beide Staaten noch stärker als früher ihre „strategische Partnerschaft“.

Russland und China: Freundschaft der Länder hält trotz Ukraine-Krieg – Putin sucht Kontakt zu China

Nach knapp fünf Wochen kann Wladimir Putins Krieg in der Ukraine als missglückt angesehen werden. Während die Kämpfe weiter toben und Millionen Menschen fliehen, ist es dem russischen Militär nicht gelungen, schnell die ukrainische Regierung zu stürzen – Wolodymyr Selenskyj ist weiter im Amt. Der Druck auf den Kreml wächst indes: Sanktionen kapseln Russland von der internationalen Gemeinschaft ab und die Wirtschaft leidet. In dieser prekären Situation sucht Wladmir Putin, der auch als Kalter Krieger gilt, den Kontakt zu seinen Verbündeten und findet in China einen Partner, der die Schuld des Ukraine-Kriegs im Westen sucht und zu Moskau hält.

Die Außenminister Chinas und Russlands im September 2021 im tadschikischen Duschanbe: Wang Yi und Sergej Lawrow trafen am Mittwoch in China zusammen. (Archivbild)

Russlands Außenminister Sergej Lawrow in China – Gespräche mit Chinas Außenminisiter über Afghanistan

Inmitten der angespannten Lage wegen des Kriegs in der Ukraine ist bislang kein kritisches Wort aus Peking über das russische Vorgehen zu hören. Vielmehr sind China und Russland bemüht, nun näher zusammen zu rücken und ihre Freundschaft zu bestärken. Davon zeugt zumindest ein Treffen zwischen Sergej Lawrow, Russlands Außenminister und enger Vertrauter Putins, mit seinem Amtskollegen Wang Yi in China. Erstmals seit Beginn der Kämpfe in der Ukraine kam es zu einem Treffen der Außenminister – offiziell, um über die Entwicklungen in Afghanistan zu sprechen.

Ukraine aktuell: Trotz Ukraine-Krieg intensivieren China und Russland Freundschaft

Während sich immer mehr Nationen von Russland aufgrund der aktuellen Lage in der Ukraine abwenden, scheint die chinesische Regierung trotz des Ukraine-Kriegs einen anderen Weg zu gehen: Bei seinem Besuch in China hob nicht nur Lawrow die Qualität der Beziehung der Nationen hervor, auch die Regierung in Peking war bemüht, deutlich zu machen, dass die Freundschaft zu Russland künftig intensiviert werden soll. Bereits kurz nach Kriegsbeginn hatte Chinas Präsident Xi Jinping die neutrale Haltung seines Landes im Ukraine-Konflikt deutlich gemacht und damit womöglich für leichte Irritation gesorgt: Peking und Moskau gelten schon länger als strategische Partner, denen eine enge Freundschaft nachgesagt wird.

Die Gemeinsamkeiten zwischen den Ländern ist groß: Beide Präsidenten, Wladimir Putin und Xi Jinping, gelten in ihren Ländern als starke Autokraten, die jeglicher Opposition den Nährboden nehmen. Als es allerdings durch den Westen zu Sanktionen gegen Russland wegen des Kriegs in der Ukraine kam, schien es zunächst so, als würde China Russlands Bitten nach Unterstützung nicht vollumfänglich nachkommen. Moskau musste sich in anderen Ländern um Ersatzteile für seine Luftwaffe bemühen.

Krieg in der Ukraine: Lawrow und Wang Yi über „strategische Partnerschaft“

Nun, knapp fünf Wochen nach Beginn des Kriegs in der Ukraine, ist von dieser vermeintlichen Zurückhaltung Chinas wenig geblieben. In einer gemeinsamen Erklärung zum Abschluss ihrer Gespräche vereinbarten Lawrow und Wang Yi den Ausbau der „strategischen Partnerschaft“ ihrer Länder in einer „schwierigen internationalen Situation“. Das teilte das russische Außenministerium mit. Dieses Zusammenwachsen von Russland und China bedeutet auch, dass beide Länder sich künftig außenpolitisch enger abstimmen und in internationalen Angelegenheiten mit einer gemeinsamen Position auftreten wollen.

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„Wir werden uns gemeinsam mit ihnen und anderen Gleichgesinnten auf eine multipolare, gerechte und demokratische Weltordnung zubewegen“, soll Lawrow laut der russischen Nachrichtenagentur Tass gesagt haben. Zudem habe er betont, dass sein Land keineswegs durch die westlichen Sanktionen isoliert sei, da andere Länder wie die Türkei oder Indien die Maßnahmen nicht mittragen würden. Auch seitens der Regierung in China gibt es politische Rückendeckung für Russlands Invasion der Ukraine. Peking stellt vielmehr die USA und die Nato als Hauptverursacher der Krise dar.

Gespräche über Afghanistan in Tunxi: Russland und China nehmen an Beratungen teil

Während es bei den Gesprächen im chinesischen Tunxi vorrangig um die Wiedereroberung Afghanistans durch die Taliban gehen soll, könnte sich das Forum auch zu einer Plattform entwickeln, die Lawrow nutzen kann, um mit anderen Ländern in einen Austausch zu kommen. An den Gesprächen nehmen neben Russland und China auch Vertreter aus Pakistan, dem Iran, Turkmenistan, Tadschikistan und Usbekistan sowie Mitglieder der Taliban teil. Von US-Seite wird der US-Sondergesandte für Afghanistan, Tom West, erwartet.

Zwar ist bislang nicht klar, ob es zu einem direkten Austausch zwischen der russischen und der amerikanischen Seite über den Ukraine-Krieg, in dem Deutschland ein Raketenschutzschild anschaffen will, kommen wird, auszuschließen ist dies allerdings nicht. Sicher ist: Chinas Haltung zum Krieg in der Ukraine wird sich zu einem Balanceakt entwickeln. Einerseits hält die Regierung von Xi Jinping zur Freundschaft mit Russland, gleichzeitig erkennt sie auch die Souveränität der Ukraine an. Die Sorge Pekings, dass China wegen seines Verhältnisses zu Moskau und Wladimir Putin ebenfalls Konsequenzen durch den Westen erfahren könnte, könnte weiter existent sein.

Krieg in der Ukraine: China vermeidet eindeutige Positionierung zur Lage in Europa

Eine eindeutige Positionierung zum Krieg in der Ukraine ist bislang nicht erfolgt, allerdings wächst der Druck auf China immer mehr, dies zeitnah zu tun. Womöglich ist es schon diese Woche so weit: Am Freitag treffen sich Vertreter der EU mit Chinas Premierminister Li Keqiang und Xi Jinping. Thematisch soll es dann unter anderem um den Ukraine-Krieg gehen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Itar-Tass/Imago

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