Russlands Militärapparat

Nach Shoigu-Beben: Putin baut Russlands Militär weiter um und feuert nächsten General

  • schließen

Wladimir Putin hat einen weiteren General abgesetzt. Ihm wird Korruption vorgeworfen – genau wie zahlreichen anderen Militärs in den letzten Monaten.

Moskau - In Russland wurde erneut ein ranghoher General entlassen. Im Rahmen einer breit angelegten Razzia war er zuvor wegen Bestechungsvorwürfen verhaftet worden. Der Vorgang gilt als Teil der Bemühungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin, den Ukraine-Krieg wirtschaftlich in den Griff zu bekommen. Auch der ehemalige Verteidigungsminister Sergei Schoigu, sowie weitere Generäle bekamen die Auswirkungen dieser Maßnahmen zu spüren.

Putin baut Militärapparat im Krieg um und entlässt weiteren General

Wie russische Staatsmedien berichten, wurde Generalleutnant Vadim Schamarin jetzt offiziell von seinem Posten enthoben. Bereits im Mai war er verhaftet worden, weil ihm zur Last gelegt wurde, „eine besonders hohe Bestechungssumme“ von einem Telekommunikationsunternehmen angenommen zu haben. Laut den russischen Sicherheitsbehörden soll er zwischen April 2016 und Oktober 2023 Bestechungsgelder angenommen zu haben, um einen Anstieg der Aufträge des betreffenden Unternehmens sicherzustellen. Sein Anwalt, Igor Dyukin, erklärte damals gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti, die Behörden hätten das Auto seines Mandanten beschlagnahmt und seine Gehaltskarte eingefroren. Auch seine Wohnung wurde durchsucht.

Langjähriger Vertrauter Putins ersetzt – Zahlreiche ranghohe Militärs hinter Gittern

Neben Schamarin wurden in den letzten Monaten eine ganze Reihe hochrangiger Mitarbeiter des russischen Verteidigungsministeriums festgenommen. Im April wurde der ehemalige stellvertretende Verteidigungsminister Timur Iwanow wegen des Verdachts der Bestechung verhaftet. Mitte Mai wurde Generalleutnant Juri Kusnezow, der Leiter der Personalabteilung des russischen Verteidigungsministeriums, inhaftiert. Noch im selben Monat kam Generalmajor Iwan Popow, der ehemalige Befehlshaber der 58. russischen Armee, wegen Betrugsverdachts hinter Gitter.

Generalleutnant Vadim Schamarin nach seiner Verhaftung.

Ebenfalls im Mai hatte Putin seinen langjährigen Verteidigungsminister Schoigu entlassen. Trotz, teils deutlicher, Kritik aus dem Militär hatte der russische Präsident zu Beginn des Ukraine-Kriegs an ihm festgehalten. Auch der gescheiterte Aufstand der Wagner-Gruppe unter Führung von Jewgeni Prigoschin im Juni 2023 änderte daran nichts. Doch kurz nach Beginn der fünften Amtszeit Putins ersetze dieser seinen langjährigen Vertrauten durch Andrei Beloussow, einen Wirtschaftswissenschaftler mit wenig militärischer Erfahrung.

Putin setzt im Ukraine-Krieg auf starke Wirtschaft – Korruption in der Armee soll bekämpft werden

Laut dem Politikwissenschaftler Stefan Meister von der Gesellschaft für Auswärtige Politik, zeigt dieses Vorgehen, dass Putin verstanden hat, wie wichtig der wirtschaftliche Aspekt der Kriegsführung ist. „Offenkundig“ solle so die russische Kriegswirtschaft noch stärker gemacht werden, so Meister damals gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Werde der Ukraine-Krieg länger dauern, wonach es aussehe, sei die ausreichende Produktion von Waffen und Munition „eine der größten Herausforderungen für Russland“.

Wahrscheinlich sei aber auch, dass man bezwecke, „die Korruption in der Armee stärker zu bekämpfen, indem die unter Schoigu entstandenen Kartelle aufgebrochen werden“, so der Politikwissenschaftler weiter. In der Vorbereitung auf einen längeren Krieg sei es für Putin also „absolut“ sinnvoll, „auf einen Technokraten und Wirtschaftsexperten zu setzen“. (tpn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Mikhail Klimentyev

Kommentare