„Jetzt ist Schluss!“

Junge Frau über Rassismus in der eigenen Familie – „es ist unglaublich schmerzhaft“

  • schließen

Wie fühlt es sich an, an Weihnachten als einzige Schwarze Person in der Familie das N-Wort zu hören? Eine Betroffene berichtet.

Triggerwarnung: Rassismus

Nicht für jede:n verliefen die Feiertage harmonisch. Bei einigen gab es an Weihnachten Streit (hier erfährst du, was danach wichtig ist).

Bei der 23-jährigen Sängerin Farina Adisa aus Hamburg ist die Situation eskaliert. Sie musste Weihnachten zeitweise alleine im Nebenzimmer verbringen. Im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland erzählt sie, wie sich Rassismus in der eigenen Familie anfühlt.

Wie fühlt es sich an, an Weihnachten Rassismus zu erleben? Eine junge Frau spricht mit BuzzFeed darüber.

Hier sammeln wir 21 rassistische und sexistische TV-Momente, die zeigen, dass früher nicht alles besser war

Rassistisches N-Wort: „Ich wusste nicht, wie mir geschieht“

Als Farina Adisa mit ihrer Familie am zweiten Weihnachtsfeiertag im größeren Kreis beisammensaß, begannen irgendwann die absurden politischen Diskussionen, die viele kennen, eigentlich aber eher auf AfD-Veranstaltungen vermutet als beim Familienessen. Zum Beispiel die Frage, ob man LGBTQIA-Personen als „Schwuchtel“ bezeichnen darf.

Eine Person habe die Position vertreten, dass man ja wohl alles sagen dürfe, was man wolle. Um das zu untermauern, habe die Person gesagt: „Wenn ich N**** sagen will, dann sage ich das.“ Nach diesen Worten sei es kurz still gewesen. „Ich saß da und wusste nicht, wie mir geschieht“, sagt die Hamburgerin im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland. Sie ist adoptiert und die einzige Schwarze Person in ihrer Familie.

Alle außer ihrer Schwester und ihrem Vater (die ihr beistanden) ignorierten, dass soeben das rassistische N-Wort gefallen war. Ein Familienmitglied versuchte, mit einem anderen Thema abzulenken, nahm die Person gar in Schutz. „So reagiert auch die Gesellschaft auf Rassismus: Wir schauen weg, reden schön und entschuldigen. Dieses Verharmlosen muss aufhören“, findet Farina Adisa.

Auch dieser AfD-Politiker sagte das N-Wort und kam damit ohne Konsequenzen davon

Rassismus beim Familienfest – „hat mich so schockiert“

Die Person wisse ganz genau, dass das N-Wort falsch sei. Nur verbieten lassen, wolle sie es sich nicht. „Das ist so ein White Privilege“, sagt die junge Frau. „Das hat mich so schockiert. Wie kann man Kinder, die obviously Schwarz sind, in solche Familien lassen? Ich habe das mein Leben lang unterdrückt, aber jetzt ist Schluss!“

„Das Jugendamt hat eine Verantwortung gegenüber den adoptieren Kindern“, sagt Farina Adisa im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland. „Viele Adoptiveltern halten sich nicht für rassistisch, aber haben zu wenig Wissen in Bezug auf rassistischen Sprachgebrauch oder den Umgang mit rassistischen Vorfällen. Bildung kann sensibilisieren und Aufmerksamkeit für problematische Sprache und Verhalten schaffen. Diese Themen müssen Teil des Adoptionsprozesses sein.“

Sie selbst habe den Rassismus in ihrer Familie an Weihnachten nicht ausgehalten und den Raum verlassen. „Der Moment, in dem das N-Wort am Weihnachtsabend fällt und du lieber in einem Nebenzimmer alleine Weihnachten weiter feierst“, schreibt die 23-Jährige am 26. Dezember 2023 auf Threads (siehe unten) als sie wütend nebenan sitzt. „Ich brauchte ein Ventil, um diese Wut herauszulassen.“

Rassismus beim Familienfest: Farina Adisa reagiert mit mehreren Threads.

Abonnier‘ unsere Kanäle: Das Beste von BuzzFeed Deutschland gibt es jetzt auch auf WhatsApp und Telegram.

„Mixed families manchmal einfach kompliziert“

Für ihren Thread bekommt die Sängerin viel Zuspruch. Auch Comedian Aurel Mertz, der selbst Rassismus erlebt, zeigt Verständnis: „Mixed families manchmal einfach kompliziert. Halt durch“, kommentiert er. Sie habe gemerkt, wie gut es tue, auch mal verletzlich zu sein, sagt Farina Adisa. „Rassismus ist ein Riesenteil meines Lebens. Der Vorfall an Weihnachten hat mir gezeigt, wie viel ich immer verdrängt habe.“

Dass die Situation beim Familienfest so eskaliert sei, liege auch daran, dass Rassismus von weißen Menschen rationalisiert werde (woran du erkennst, dass du eine „weiße Feministin“ bist). „Ruhig zu diskutieren ist in solchen Momenten nicht möglich, weil es unglaublich schmerzhaft ist. Es hilft schon, wenn sich das Gegenüber auch auf die emotionale Ebene begibt“, sagt Farina Adisa. „Dieses Schönreden fühlt sich an, als würde man dir mit dem Messer in den Rücken stechen.“

Mit der Person, die das N-Wort offen sagte, hat sie keinen Kontakt mehr. Ihre Schwester und ihr Vater ebenfalls nicht. „Das finde ich stark“, sagt die Sängerin. „Vielleicht war es nötig für meine Familie, damit das Thema endlich mal in den Köpfen bleibt.“

Mehr zum Thema: Wirbel um fragwürdige Literatur: Ist dein Buchladen dabei?

Rubriklistenbild: © Farina Adisa

Kommentare