Alexej Nawalny hat vor der entscheidenden Runde der französischen Präsidentschaftswahl die Franzosen dazu aufgerufen, Amtsinhaber Emmanuel Macron zu wählen.
Pokrow in Russland - Dessen Kontrahentin, die Rechtspopulistin Marine Le Pen, unterhalte Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin, erklärte der inhaftierte russische Oppositionelle auf Twitter am Mittwoch.
Er sei "schockiert", dass Le Pens Partei, die damals noch Front National hieß, 2014 einen Kredit in Höhe von neun Millionen Euro von "Putins berüchtigter Geldwäsche-Einrichtung", der Ersten Tschechisch-Russischen Bank, erhalten habe, erklärte Nawalny. Er zweifle nicht daran, dass dieses Geschäft "auch eine undurchsichtige politische Komponente" gehabt habe. "Das ist Korruption. Und es ist ein Verkauf von politischem Einfluss an Putin", fügte der 45-Jährige hinzu.
Le Pens Nähe zum russischen Präsidenten Putin und die Finanzierung ihrer Partei durch russische Geldgeber sind Hauptangriffspunkte ihrer Kritiker. Ihre Partei begründete die Kredite bei russisch-tschechischen Geldgebern damit, dass sie in Europa keine andere Bank gefunden habe.
Die Rechtspopulistin war in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl als Zweitplatzierte hinter Amtsinhaber Macron in die Stichwahl um das Präsidentenamt gezogen. Die entscheidende Runde findet am kommenden Sonntag statt.
Der seit Anfang des vergangenen Jahres inhaftierte Nawalny gilt als prominentester Kritiker des Kremls in Russland. Auf ihn war 2020 in Russland ein Giftanschlag verübt worden, für den er den Kreml verantwortlich macht. Dieser weist den Vorwurf zurück. bur/noe/ju
Frankreichs Le Pen-Familie ist zum dritten Mal in der Stichwahl vertreten
Bei den französischen Präsidentschaftswahlen gibt es seit bald einem halben Jahrhundert eine Konstante, die heißt Le Pen. Zum achten Mal seit 1974 kandidiert ein Mitglied der Le Pen-Familie für die Wahl des Staatsoberhaupts. Und es ist bereits das dritte Mal, dass ein oder eine Le Pen in die Stichwahl kommt. Nie war der Abstand zum jeweils anderen Kandidaten geringer als dieses Jahr. Ein Überblick:
Der Überraschungserfolg von Jean-Marie Le Pen 2002
Beinahe wäre der rechtsextreme Parteigründer des Front National gar nicht bei der Präsidentschaftswahl 2002 angetreten. Jean-Marie Le Pen hatte Schwierigkeiten, die 500 Unterschriften von Bürgermeistern und Abgeordneten zusammenzubekommen. Der sozialistische Premierminister Lionel Jospin, der gegen Amtsinhaber Jacques Chirac angetreten war, rechnete sich schon die Chancen auf den Wahlsieg aus - und scheiterte dann in der ersten Runde.
Die Zersplitterung der Linken, die mehrere Kandidaten ins Rennen schickte, galt als einer der Gründe dafür. Le Pen bekam etwa 200.000 Stimmen mehr als Jospin und zog völlig überraschend in die Stichwahl ein. Ein politisches Erdbeben erschütterte Frankreich. Der Ruf nach einem "republikanischen Staudamm" wurde von den Wählern weitgehend befolgt: Chirac gewann haushoch mit 82 Prozent der Stimmen.
Marine Le Pen schafft es 2017 im zweiten Anlauf in die Stichwahl
Schon bei ihrer ersten Präsidentschaftskandidatur 2012 kam die Rechtspopulistin Marine Le Pen auf 17,9 Prozent, ein besseres Ergebnis als ihr Vater 2002. Nach dem politischen Vatermord in Form des Parteiausschlusses gelang der Tochter 2017 der Einzug in die Stichwahl.
Sie rückte symbolisch von der rechtsextremen Vergangenheit des Front National ab und profitierte zudem von dem Absturz des rechtskonservativen François Fillon, der über mehrere Affären stolperte. So qualifizierte sich Le Pen mit 21 Prozent für die Stichwahl, in der sie auf den 39 Jahre alten Blitzaufsteiger Emmanuel Macron traf.
Im TV-Duell der beiden ließ Macron sie mehrfach auflaufen, was ihrem Ansehen auch bei ihren Anhängern schadete. Der "republikanische Staudamm" wurde erneut beschworen und brachte Macron immerhin noch 66 Prozent der Stimmen ein.
2022 ist für Marine Le Pen die Revanche gegen Macron
In diesem Jahr hatten sich auch der rechtsextreme Politik-Neuling Eric Zemmour und der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon Hoffnungen auf die zweite Runde gemacht. Doch am Ende überholte sie Le Pen, die im Wahlkampf auf Bürgernähe und die finanziellen Sorgen der Franzosen gesetzt hatte.
Klassische Rechtsaußen-Themen wie Einwanderung und innere Sicherheit hatte sie weitgehend Zemmour überlassen - auf dessen Wählerstimmen sie nun in der Stichwahl zählen kann. Sie profitierte davon, dass Macron sich erst spät zum Kandidaten erklärt und zu sehr auf seine Rolle als Staatsmann gesetzt hatte.
Im Unterschied zu 2017 gab Le Pen sich im Wahlkampf weniger aggressiv. Ihr Programm enthält jedoch weiterhin zahlreiche fremden- und europafeindliche Vorhaben. In den Umfragen kommt Macron auf etwa 56 Prozent der Stimmen, rund zehn Punkte weniger als vor fünf Jahren. kol/ju