Neue Angriffe auf Sewastopol

Ukraine macht Druck im Ferien-Paradies: Putins Schwarzmeer-Flotte versucht unterzutauchen

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Der jüngste Verlust der Schwarzmeer-Flotte: das Patrouillenschiff „Sergej Kotow“ (vorne). Russland wird nach und nach ihrer einstigen Stärke auf der Krim beraubt. (Archivbild).
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Russland pflegt auf der Krim eine alte militärische Tugend: Tarnen, Täuschen und Verschwinden. Die Schwarzmeer-Flotte setzt sich immer weiter ab.

Sewastopol – Als „seltsam“ erscheint aktuell das Verhalten von Wladimir Putins Marine im Schwarzen Meer – seine Kommandeure spielen Verstecken. Die Ukraine rückt ihnen offenbar immer dichter auf den Pelz. Schiff für Schiff geht verloren, und die russische Schwarzmeer-Flotte greift zu drastischen Mitteln; und nebenbei in die Mottenkiste der passiven Kriegführung. Die Schwarzmeer-Flotte versucht ihren Häschern zu entgehen oder zumindest unterzutauchen. Die Ukraine macht weiter Druck auf der Krim; und das mit Erfolg, wie jetzt der britische Geheimdienst bestätigt hat.

„Zwei Landungsschiffe der Ropucha-Klasse, Panzer und ein Geheimdienstschiff der Juri-Iwanow-Klasse-Klasse erlitten Kollateralschäden durch Angriffe der Ukraine auf ein Kommunikationszentrum der Russen in Sewastopol, dem Stützpunkt der russischen Schwarzmeer-Flotte, wie die Briten auf X (vormals Twitter) veröffentlichten. Der britische Geheimdienst wies darauf hin, dass durch Angriffe dieser Art russische Schiffe von höherem taktischen Wert dadurch gezwungen werden, andere Hafen-Infrastrukturen zu nutzen. Die russische Schwarzmeer-Flotte muss wieder einmal zusehen, dass sie Land gewinnt.

Sewastopol gleitet Russland als Stützpunkt auf der Krim langsam aber sicher aus der Hand

Die Berichte darüber häufen sich – zum Teil mit sonderbarem Inhalt. Bereits Ende vergangenen Jahres war massiv öffentlich geworden, dass Russland Sewastopol als Stützpunkt auf der Krim langsam aber sicher aus der Hand gleitet. Beispielsweise schreibt die Neue Zürcher Zeitung: „Russland hat in jüngster Zeit zahlreiche Kriegsschiffe von Sewastopol in weiter östlich gelegene Häfen am Schwarzen Meer verlegt. Das geht aus Satellitenbildern von Anfang Oktober hervor, die ein amerikanischer Marineexperte ausgewertet hat. Das Flaggschiff der russischen Schwarzmeer-Flotte, die ,Admiral Makarow‘, eine weitere Fregatte desselben Typs, alle drei einsatzfähigen U-Boote der Kilo-Klasse, sechs Landungsschiffe und eine Reihe kleinerer Schiffe befinden sich nun im Hafen Noworossisk an der russischen Schwarzmeerküste. Weitere Kriegsschiffe wurden nach Feodosija im Osten der Halbinsel Krim verlegt.

Allein das wäre noch kein Stirnrunzeln wert, aber Putins Admiräle lassen schon seit geraumer Zeit auch zu Pinsel und Farbe greifen und kopieren einen Trick, mit dem auch das deutsche Schlachtschiff Bismarck in den ersten Jahren des Zweiten Weltkrieg ihrem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen versucht hatte: Die russische Marine verfolgt damit, für ihre Verhältnisse, einen radikal neuen Ansatz, um ihre wertvollsten Kriegsschiffe vor ukrainischen Angriffen zu schützen. Auf der Fregatte Admiral Essen wurde ein trügerisches Tarnschema angewendet. Dadurch wird versucht, ukrainische Drohnenpiloten in die Irre zu führen – über den Erfolg darf gemutmaßt werden. Immerhin spricht das Magazin Naval News davon, die russische Marine versuche sich an die neuen Realitäten des Krieges anzupassen.

„Trotz der Versuche Russlands, seine Verluste zu begrenzen, zeigt die Ukraine weiterhin Erfolg dabei, die Fähigkeit der Schwarzmeer-Flotte zu schwächen und ihre Macht in diese Region hineinzutragen.“

Erklärung des britischen Geheimdienstes via Ukrainska Prawda

Die Fregatten der Admiral-Grigorowitsch-Klasse des Projekts 11356P sind bisher eine tragende Säule der russischen Angriffe auf die Ukraine gewesen – sie können jeweils acht Kalibr-Landangriffs-Marschflugkörper tragen und wirken damit auf erhebliche Entfernungen. Diese entsprechen im Allgemeinen dem amerikanischen Tomahawk und werden häufig auf Ziele tief in der Ukraine abgefeuert. Fregatten wie die Admiral Essen gelten als die leistungsstärksten Kriegsschiffe der russischen Schwarzmeer-Flotte und fungieren als Flaggschiffe, seit der Kreuzer Moskwa schon relativ früh nach Ausbruch des Ukraine-Krieges versenkt wurde. Die Schiffe sind daher ein lohnenswertes Ziel für ukrainische Angriffe mit unbemannten Waffen, die sich bisher als überaus schlagkräftig erwiesen haben.

Die russische Marine versucht nun, ihre Schiffe auf See besser zu tarnen, indem sie ihre Konturen auflöst – beispielsweise dadurch, dass sie Bug und Heck „ausgraut“, um eine kleinere Schiffsklasse vorzutäuschen – mit der Bismarck wurde das auch versucht, wie Naval News schreibt: „Dies vereinte Elemente sowohl einer trügerischen als auch einer störenden Tarnung. Der hier relevante trügerische Teil war ein falscher Bug und ein falsches Heck, die in dunkler Farbe bemalt waren. Es gab sogar eine gefälschte Bugwelle und ein Kielwasser, die der offensichtlichen Verkürzung des Rumpfes entsprachen. Dies war ein Versuch, Beobachter über die Größe und damit über die Identität des Schiffes zu verwirren. Auf Satellitenbildern aus Noworossisk wurde die Admiral Essen dann enttarnt, die grauen Flächen waren keine Spiegelung des Lichts, sondern ein ungewohntes Farbschema. Russland ist in der Defensive angekommen.

Russland nimmt Bedrohungen ernster – Schiffe drehen am Bosporus wieder ab

Die Deutschen nutzten im Zweiten Weltkrieg gern die Methode der falschen Perspektive in ihren Mustern. Teile des Rumpfs und der Aufbauten wurden in allem von Hellgrau bis Beinah-Schwarz gestrichen und Wellen wurden auf Bug und Heck aufgemalt. Die Farben an den Schiffsenden kontrastierten mit dem Rest des Rumpfs und sollten die feindliche Perspektive auf die Schiffsdimensionen durcheinanderbringen. Die angedeuteten Wellen auf dem Stahl sollten ein klares Bild über die Geschwindigkeit des Schiffes erschweren.

Russische Schiffe scheinen im Schwarzen Meer also vorsichtiger zu agieren, nachdem eine Reihe ukrainischer Drohnenangriffe Putins Marine in der Region dezimiert haben, berichtet auch Newsweek: Bei einem kürzlichen „interessanten Vorfall“, wie Newsweek schreibt, schien sich eine Gruppe russischer Schiffe dem Bosporus zu nähern, bevor sie unerwartet umkehrten, anstatt zur von Russland kontrollierten Krim überzusetzen, so ein Sprecher der ukrainischen Marine, wie Newsweek berichtet. Russland hatte zwei Schiffe geschickt, um andere Einheiten, möglicherweise Frachtschiffe, zu eskortieren.

Ukraine hat offenbar die Gestaltungsmacht im Schwarzen Meer gewonnen

So eine Eskorte käme selten vor, vielleicht einmal im Monat, sagte Dmytro Pletenchuk, ein Sprecher der ukrainischen Marine laut der ukrainischen Nachrichtenagentur Unian im ukrainischen Fernsehen. „Aber irgendwann haben sie einfach umgedreht und sind zurückgefahren.“ Weil das Motiv für die Kehrwende im Dunkeln blieb, spekulierte Pletentschuk, dass die Schiffskommandanten möglicherweise über eine „Bedrohung“ informiert worden seien. Pletentschuk sah darin eine Wertschätzung der kontinuierlichen Nadelstiche gegen die Schwarzmeer-Flotte. „Diese Schiffe wurden gezwungen, sich entlang der türkischen Grenze zu bewegen und versteckten sich praktisch in türkischen Hoheitsgewässern. Sie nahmen also nicht den kürzesten Weg, den sie normalerweise nehmen würden, sondern flohen zu ihren Verstecken“, fügte der Sprecher hinzu.

„Trotz der Versuche Russlands, seine Verluste zu begrenzen, zeigt die Ukraine weiterhin Erfolg dabei, die Fähigkeit der Schwarzmeer-Flotte zu schwächen und ihre Macht in diese Region hineinzutragen“, erklärte der britische Geheimdienst nach Angaben der Ukrainska Prawda. Allerdings trüge der Schein der russischen Defensive im Schwarzen Meer ein wenig. Russland könne die Ukraine immer noch von den östlichen Teilen des Schwarzen Meeres aus angreifen; aber die Entwicklung verdeutliche, dass die Ansätze der Verteidigung der Russen, um den unkonventionellen Ansatz der Ukraine in der Seekriegsführung abzumildern, nicht wie beabsichtigt funktioniere, konstatiert das britische Verteidigungsministerium weiter. Der Ukraine-Krieg nähert sich auf der Krim einer Wende.

Die Krim scheint die Komfortzone russischer Marine-Offiziere geworden zu sein

Nach Recherchen des ZDF hatte die kleinste der vier russischen Flotten bereits mit dem Untergang der Moskwa ihren Schrecken zu verlieren begonnen: Das Schiff operierte ohne Begleitschutz, fuhr ohne Hauptradar, und einige Luken standen sperrangelweit offen, obwohl die ein Übergreifen von Feuer im Schiff hätten verhindern sollen. Offenbar blieb aber auch danach der marode Zustand von Material und Personal bestehen – mit den entsprechenden Folgen, als der Krieg Russlands gegen die Ukraine seine aktuellen katastrophalen Ausmaße annahm. Trotz der ursprünglichen Pläne, eine Landungsoperation in Odessa durchzuführen, war die Flotte wohl außerstande, den Kampf der russischen Bodentruppen im Februar und März 2022 effizient zu unterstützen, da ukrainische Schiffsabwehrraketen befürchtet wurden, wie ZDF schreibt. Auch die Findigkeit ukrainischer Ingenieure bezüglich des Baus von schwimmenden Drohnen hatte die russische Admiralität offenbar unterschätzt.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Die Gründe liegen wohl in zwei gegenläufigen Bewegungen, die sich gegenseitig ergänzen und der Ukraine nützen. Berichten zufolge zieht die Ukraine den Takt der Zerstörung der verbleibenden etwa 40 russischen Kriegsschiffe im Schwarzen Meer immer mehr an. Hinzu kommt: Das ZDF will erkennen, dass ein gewisser Schlendrian das Personal der Schwarzmeer-Flotte durchzieht – weil im Gegensatz zu den Häfen der anderen drei russischen Flotten, beispielsweise der Nordflotte mit ihrem U-Boot-Hafen nahe Murmansk, die Krim eine Komfortzone darstellt.

„Dies zog sowohl Offiziere an, die über die notwendigen Verbindungen verfügten, um hier eingesetzt zu werden, als auch ältere, oft zu alte Kommandanten, die ihren Dienst an einem günstigen Ort beenden wollten. Alles in allem ist die Schwarzmeer-Flotte im Gegensatz zur rauen und anspruchsvollen Nordflotte immer mehr zu einer Art Urlaubsort für Uniformierte innerhalb der russischen Marine geworden.“

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