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AfD könnte laut Studie in Sozialen Netzwerken noch erfolgreicher sein

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Die demokratischen Parteien seien auf die Social-Media-Arbeit der AfD nicht ausreichend vorbereitet, warnen die Forscherinnen und Forscher.
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Rechte Inhalte haben in sozialen Medien noch Potential – zu diesem Schluss kommt eine von der Otto-Brenner-Stiftung veröffentlichte Studie. Die AfD sei „weit weniger Social-Media-Partei als häufig kolportiert.“

Nach den Wahlerfolgen der rechten AfD in drei ostdeutschen Bundesländern im September erfreute sich eine Erklärung großer Beliebtheit: Die Partei habe die jungen Wählerinnen und Wähler durch ihre Propaganda auf Tiktok und in anderen sozialen Netzwerken für sich gewonnen. Dem widersprechen vier Autoren der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) „Gegen Hass im Netz“ in einer Studie, die jetzt von der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung veröffentlicht wurde.

„Die AfD ist hier weit weniger Social-Media-Partei als häufig kolportiert“, sagt der Konfliktforscher Maik Fielitz, der die Forschungsstelle der BAG leitet, mit Blick auf die untersuchten Länder Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Das klingt nur auf den ersten Blick beruhigend. Denn es bedeutet, dass die Social-Media-Arbeit der AfD noch erfolgreicher sein könnte, wenn sie professioneller aufgestellt wäre und besser in ihre Wahlkämpfe eingebunden würde. Die demokratischen Parteien seien darauf nicht ausreichend vorbereitet, warnt Fielitz.

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Studie zu Social-Media-Arbeit: Tiktok-Algorithmus benachteiligt moderate Parteien

Zuvor war eine Studie der Universität Potsdam bereits zu dem Ergebnis gekommen, dass die AfD auf Tiktok eine „dominante Präsenz“ erreicht habe. Sie sei in dem sozialen Netzwerk „doppelt so erfolgreich wie alle anderen Parteien zusammen“.

Für diese Untersuchung hatten die Fachleute aus Potsdam Nutzerprofile angelegt, überwiegend von 18-Jährigen, die ohne politische Präferenz auftraten. Sie bekamen von Tiktok Videos eingespielt, von denen 2000 eine politische Ausrichtung hatten. Davon konnten anhand von parteispezifischen Hashtags mehr als 70 Prozent der AfD-Position zugeordnet werden und je acht Prozent den Positionen von BSW und CDU. Alle anderen Parteien spielten keine nennenswerte Rolle. „Der Content, der vom Algorithmus der Plattform ausgespielt wird, benachteiligt damit andere Parteien, die zum moderaten Spektrum zählen, massiv“, kommentierte Roland Verwiebe von der Potsdamer Universität.

Parteien in den Sozialen Medien: AfD auf Tiktok „massiv vertreten“

Auch die Forscher der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) „Gegen Hass im Netz“ räumen ein, dass die AfD auf der Kurzvideo-Plattform Tiktok „massiv vertreten“ sei. Die Autoren Maik Fielitz, Harald Sick, Michael Schmidt und Christian Donner bezweifeln aber, dass die Wahlen im Netz entschieden worden seien.

„Viele AfD-Accounts sprechen eher ältere Generationen an, als dass sie Inhalte produzieren, die für eine junge Zielgruppe relevant wären.“ Etliche offizielle AfD-Accounts seien zudem amateurhaft gestaltet. Sie böten „verwackelte Bilder und schlecht aufgenommene Selfie-Videos“ und erzielten damit „nicht unbedingt hohe Reichweiten“, erläutert Forscher Fielitz der Frankfurter Rundschau.

AfD in den Sozialen Medien: Aufmerksamkeit durch KI-Inhalte

Erfolge erziele die AfD eher durch eine „Schattenarmee“ in der rechtsextremen Szene, die ihre teilweise hohe Reichweite nutze, um AfD-nahe Inhalte zu posten. Zudem gelinge es ihr, in anderen Medien Aufmerksamkeit für rassistische und andere provokative Inhalte zu erzeugen.

Aufsehen erregten die Rechten etwa mit Videos, die mit Hilfe künstlicher Intelligenz hergestellt worden waren – etwa eines, das für Abschiebungen warb, untermalt mit einem Partyhit.

Diese Botschaft sei vor allem dadurch verbreitet worden, dass andere Medien sich über das zynische Video empört hätten. Die digitalen Manöver der AfD zeigten sich dann als erfolgreich, wenn Medien ihnen überproportionale Aufmerksamkeit schenkten, warnt so auch Jupp Legrand, der Geschäftsführer der Otto-Brenner-Stiftung. (Pitt von Bebenburg)

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