VonErkan Pehlivanschließen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reist zu Gesprächen in die Türkei. Ankara pflegt auch zu Russland gute Beziehungen und profitiert von beiden Seiten.
Ankara - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird am Abend in der Türkei mit seinem Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan zusammenkommen. „Im Rahmen des Besuchs werden der Verlauf des andauernden Krieges zwischen der Ukraine und Russland, die Entwicklungen im Getreidekorridor-Abkommen und die Suche nach einem dauerhaften Frieden in der Region eingehend erörtert werden“, teilte das Kommunikationsdirektorat des türkischen Präsidenten mit.
Ukrayna Cumhurbaşkanı Volodimir Zelenskiy, 8 Mart 2024 tarihinde ülkemize resmi bir ziyaret gerçekleştirecektir.
— T.C. İletişim Başkanlığı (@iletisim) March 7, 2024
Ziyaret kapsamında Ukrayna ile Rusya arasında devam eden savaşın seyri, Tahıl Koridoru Anlaşması’nın devam etmesine ilişkin temaslardaki son durum, bölgede kalıcı…
Das Präsidentenbüro in Kiew bestätigte ebenfalls den Besuch und die Gespräche für eine mögliche Friedenslösung. Als Schwerpunkte aus ukrainischer Sicht wurden der geplante Friedensgipfel in der Schweiz, die Sicherheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer und die Freilassung ukrainischer Kriegsgefangener genannt.
Ukraine und Türkei bauen Zusammenarbeit bei Militärtechnologie auf
Selenskyj besichtigt demnach auch eine Werft mit im Bau befindlichen Kriegsschiffen für die ukrainische Marine. In einer Werft in Istanbul sind zwei Korvetten im Bau. Darunter das neue Flagschiff „Hetman Iwan Masepa“, das noch in diesem Jahr fertiggestellt werden soll. Es seien weitere Treffen mit Vertretern der türkischen Rüstungsindustrie geplant.
Auch stehen verschiedene gemeinsam Rüstungsprojekte zur Diskussion. Die Türkei bezieht etwa Motoren für einige ihrer Drohne aus der Ukraine. Zudem braucht die Türkei auch für andere Rüstungsprojekte wie den geplanten Tarnkappenjet „Kaan“ Triebwerke. Den Jungfernflug musste der „Nationalkampfjet“ mit zwei Triebwerken einer F-16 absolvieren. Die Ukraine braucht hingegen dringend Artilleriegranaten, die inzwischen auch im Westen zunehmend zur Mangelware werden.
Russland nicht erfreut über türkisch-ukrainische Zusammenarbeit
In Russland ist man sicherlich nicht erfreut über die engen Verbindungen zwischen beiden Ländern. Die Türkei hat die Ukraine in der Vergangenheit mit Drohnen des Typ „Bayraktar TB2“ beliefert. Wird die Türkei jetzt auch moderne Drohnen wie etwa den „Akinci“ in die Ukraine liefern? Oder wird Kiew auch Raketen von dem türkischen Hersteller Roketsan bekommen? „All das sind Fragen, die aus russischer Sicht wichtig sind“, sagt der Moskauer Politikwissenschaftler Dr. Kerim Has im Gespräch mit fr.de von IPPEN.MEDIA.
Doch der Politikexperte glaubt nicht daran, dass die guten Beziehungen zwischen Kiew und Ankara zu einem Bruch mit Moskau führen wird. „Ja, die Türkei beliefert die Ukraine mit Waffen. Aber es sind nicht dieselben Waffen, wie etwa deutsche Taurus-Raketen, die dem russischen Militär schwere Schläge verpassen können“, so Has.
Abhängigkeit von Türkei zu groß
Zu groß ist die Abhängigkeit zur Türkei geworden, sagt der Experte für russisch-türkische Beziehungen. „Russland bezieht viele Technologien aus der Türkei. Die Geschäfte, die über die Türkei abgeschlossen werden, bringen zudem wichtige Devisen für Russland ein“. Doch auch die Türkei verdient an den Geschäften mit Russland kräftig mit. Viele Russen haben zudem in der Türkei Immobilien gekauft und damit ihr Vermögen in Sicherheit gebracht.
Die Türkei ist das einzige Nato-Land, das in Russlands Hinterhof Einfluss hat. So hat Aserbaidschan im September vor allem mit massiver Unterstützung der Türkei Bergkarabach (Armenisch: Artsakh) zurückerobert. Auch heute ist die Türkei einer der wichtigsten Partner von Aserbaidschan. Ebenso bezieht Kirgisistan Kriegsgerät aus der Türkei und hat sich Bayraktar-Drohnen angeschafft. Russland muss das stillschweigend hinnehmen, da es aufgrund westlicher Sanktionen von der Türkei abhängig ist. Auch andere Ex-Sowjetrepubliken zeigen Interesse an türkischen Waffen.
Nato-Staat Türkei aktiv in Ex-Sowjetrepubliken
Auch aus diplomatischer Sicht ist die Türkei im Ukraine-Krieg wichtig. Es ist das Nato-Land, dass zu beiden Staaten gute Beziehungen pflegt und dadurch auch einwirken kann. Bislang haben die guten Beziehungen von Ankara zu beiden Staaten noch keinen Frieden gebracht. In der Vergangenheit hatte sich Erdogan neben Selenskyj auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen. Nach den türkischen Kommunalwahlen am 31. März steht sogar ein Besuch von Putin in Ankara an. (erpe/dpa)
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