„Diplomatischer Gau“

Paschas, Stadtbild und jetzt Brasilien: Kanzler Merz „wie ein Elefant im Porzellanladen“

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Friedrich Merz erntet erneut Kritik: diesmal für seine Äußerung zu Brasilien und Belém. Kommunikationsberater Johannes Hillje spricht von fehlender „kommunikativer Sensibilität“.

Berlin – Es ist nicht da erste Mal, dass Friedrich Merz mit Aussagen für heftige Kritik sorgt. Mit einer Äußerung über seine Reise in das brasilianische Belém löste der Kanzler Empörung aus – auch in Brasilien. Die Rede ist von „Arroganz“, einer „Entgleisung“ und „Respektlosigkeit“. Auch der Kommunikationsberater Johannes Hillje blickt kritisch auf die Äußerungen des Kanzlers: „Das ist ein diplomatischer Gau“, erklärt er gegenüber der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA.

Bundeskanzler Friedrich Merz erntet Kritik für seine Äußerung über Belém. (Symbolbild)

Merz hatte nach seinem Besuch bei der Klimakonferenz in Belém auf einem Handelskongress in Berlin erklärt, dass keiner der mitgereisten Journalisten länger in der Stadt hätte bleiben wollen: „Die waren alle froh, dass wir vor allen Dingen von diesem Ort, an dem wir da waren, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind.“ Man lebe in Deutschland „in einem der schönsten Länder der Welt“.

Merz-Äußerung über Belém: „Wie ein Elefant im Porzellanladen“

Mit Blick auf die Äußerungen des Kanzlers erklärt Politikberater Johannes Hillje: „Ein Bundeskanzler sollte nicht derart herabwürdigend über andere Länder sprechen.“ Und: „Wer eine deutsche Führungsrolle in der Welt anstrebt, darf sich nicht wie ein Elefant im Porzellanladen verhalten.“ Es habe sich bei Merz‘ Aussage nicht um eine spontane Äußerung in einer freien Rede gehandelt, sondern die Wiederholung eines Vergleichs aus Hintergrundgespräch mit Journalisten: „Offenbar hielt Merz seine despektierliche Einlassung über Belém aus dem vertraulichen Pressegespräch für so gelungen, dass er sie einige Tage später in einer großen öffentlichen Rede wiederholte.“

Bei zahlreichen Beobachtern wecken Aussage und Kritik Erinnerungen an eine noch recht junge Debatte: über Merz‘ „Probleme im Stadtbild“. „Erst passt dem Kanzler das Stadtbild nicht, nun ist es das Weltbild“, kommentiert etwa Franziska Brantner in einem Beitrag auf der Plattform X. Bezogen auf die umstrittene Äußerung von Bundeskanzler Friedrich Merz fragt die Grünen-Chefin – wohl mit einem Augenzwinkern: „Jetzt sind wir alle gefragt: Wie schaffen wir endlich einen Ort, der dieses Kanzlers würdig ist?“

Paschas, Stadtbild, Brasilien: „Merz fehlt die kommunikative Sensibilität“

Worauf die Co-Parteichefin der Grünen anspielt: Vor wenigen Wochen entbrannte eine Debatte, nachdem Merz im Zusammenhang mit Migration von Problemen im Stadtbild in Deutschland gesprochen hatte. Und auch bevor er Kanzler wurde, hatte Merz mit Äußerungen immer wieder Kritik auf sich gezogen: Stichwort Paschas, Zahnarzttermine, Sozialtourismus.

Dem Kanzler fehle „kommunikative Sensibilität“, erklärt Johannes Hillje gegenüber unserer Redaktion. Die Äußerungen über die brasilianische Stadt zeuge „von mangelndem Taktgefühl“ – eine bewusste Provokation sei dies nicht. Was wohl eine positive Äußerung über Deutschland hätte sein sollen, „landete dann bei einer Abwertung Brasiliens“, so der Politikberater.

Klingbeil verteidigt Merz nach Belém-Aussage – Nouripour warnt vor Schaden für Deutschland

Entschuldigen will sich Merz nicht und auch die Beziehung zu Brasilien hält der Kanzler nicht für belastet, zitiert ihn die Deutsche Presse-Agentur. Und auch Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) nimmt Merz in Schutz. „Ich bin immer dafür, dass Politiker auch mal frei reden dürfen“, sagte der Finanzminister bei einer Reise in China.

Bundestags-Vizepräsident Omid Nouripour hält dagegen: Wenn man Deutschland in der Welt vertrete, gehe es nicht darum, mal frei reden zu dürfen. Der Grünen-Politiker warnte – wie auch andere Kritikerinnen und Kritiker: „Wenn der Kanzler das nicht beherzigt, schadet er Deutschland und den nationalen Interessen.“

Scholz, Merz und das Image Deutschlands: „Ein Außenkanzler sollte diplomatische Grundtugenden beherzigen“

Und genau das hatte Merz doch wiederholt seinem Vorgänger zum Vorwurf gemacht. „Sie blamieren Deutschland“, sagte der CDU-Chef nach Olaf Scholz‘ Rede zur Vertrauensfrage im Dezember. Es sei „zum Fremdschämen“, wie der Kanzler – damals noch Olaf Scholz (SPD) – sich in der Europäischen Union bewege. Merz wollte es besser machen.

In den Augen seiner Kritiker schade der CDU-Chef nun jedoch selbst dem Image Deutschlands. Auch Johannes Hillfe erklärt mit Blick auf die Wirkung der Äußerung des Kanzlers: „Ein Außenkanzler sollte diplomatische Grundtugenden beherzigen.“ Jedoch müsse man Merz zugutehalten: Die sei sein „erster außenpolitischer Patzer“ gewesen. (Quelle: Eigene Recherche, dpa) (pav)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Chris Emil Janssen

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