Ärger für die Koalition?

Showdown bei Richterwahl: So könnte die Abstimmung für Merz zur Katastrophe werden

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Heute findet im Bundestag die Abstimmung über drei Richter für das Bundesverfassungsgericht statt. Die Koalition braucht einen Erfolg.

Berlin – Nach der völlig misslungenen Wahl der Bundesverfassungsrichter im Juli, unternimmt die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) nun erneut einen Versuch. Zusammen mit Stimmen der Grünen und der Linken sollen drei Richterinnen und Richter bestimmt werden – ohne, dass man auf Mehrheiten mit der AfD angewiesen ist.

Schaffen Union und SPD die Richterwahl?

Doch genau da liegt das Problem: Denn Union und SPD können sich der Stimmen der Linken nicht sicher sein. Dabei wären sie unbedingt darauf angewiesen, um die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament zu erreichen. „Also ich kann mir heute Nachmittag alles vorstellen“, sagte Linken-Chefin Ines Schwerdtner dem Deutschlandfunk mit Blick auf die Abstimmung. Die Union setze ihr zufolge scheinbar auf das „Prinzip Hoffnung“, weshalb sie nicht verstehen könne, dass CDU-Fraktionschef Jens Spahn optimistisch gestimmt sei.

Abstimmung im Bundestag – So könnte die Richterwahl scheitern

Fraktionschefin Heidi Reichinnek hatte zuvor erklärt, den Abgeordneten der Linken die Entscheidung überlassen zu wollen, ob sie für den von der CDU nominierten Kandidaten für das Bundesverfassungsgericht stimmen werden. Die beiden von den Sozialdemokraten benannten Juristinnen werde man aber unterstützen.

Alles in allem könnte es damit zu drei Szenarien bei der Richterwahl im Bundestag kommen. Das erste und wahrscheinlich am meisten erhoffte ist, dass Union und SPD mit Stimmen der Linken und Grünen die nötigen Mehrheiten erreichen. Dann würden die neuen Verfassungsrichterinnen und Verfassungsrichter von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ernannt.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Die zweite Möglichkeit wäre, dass die Wahl eines Kandidaten scheitert. Am wahrscheinlichsten dafür gilt der von der Union nominierte Günter Spinner. Weil die Union der Linken die Gespräche über den Juristen verweigert hat, könnte es hier zu Problemen kommen. Die CDU hat mit ihrem Parteitagsbeschluss die inhaltliche Zusammenarbeit mit der Linken abgelehnt. Ex-Fraktionschef und Linken-Urgestein Dietmar Bartsch hatte aber im Deutschlandfunk aber einen konstruktiven Umgang seiner Partei mit der Richterwahl in Aussicht gestellt. „Sie können, glaube ich, sicher sein, dass an der Linken die Wahl der Verfassungsrichterinnen und des Verfassungsrichters nicht scheitern wird“, sagte er.

Im dritten Fall würden mehrere Kandidaten bei der Abstimmung scheitern. Für die Koalition wäre das die größte, wenn auch unwahrscheinlichste Katastrophe. Ein Scheitern eines oder mehrerer Kandidaten würde die Regierung stark belasten. Als letzten Ausweg könnte die Koalition die Wahl der Richterinnen und Richter an den Bundesrat übergeben. Das geht auf einen Gesetzentwurf zurück, auf den sich SPD, Grüne, FDP und Union sich schon vor dem Ende der Ampel-Koalition geeinigt hatten, um das Bundesverfassungsgericht resistenter gegen Beeinflussung und Blockade durch Gegner der Verfassung zu machen.

Abstimmung über Verfassungsrichter im Bundestag – Spahn zeigt sich zuversichtlich

Am vergangenen Sonntag (21. September) gab sich Spahn in der ARD-Sendung „Caren Miosga“ aber zuversichtlich. „Ja, es wird klappen“, so der CDU-Politiker. Die von der SPD an Stelle der umstrittenen letzten Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf nominierte Richterin Sigrid Emmenegger sei eine „sehr gute“ Kandidatin. Um Brosius-Gersdorf entwickelte sich vor der Wahl im Juli eine heftige Debatte – im Zuge einer von rechts gestarteten Kampagne gegen ihre Person.

Grünen-Fraktionschef Andreas Audritsch warnte Spahn gegenüber RTL und ntv davor, die Wahl auf die leichte Schulter zu nehmen. „Ich hoffe, dass Jens Spahn seiner Verantwortung gerecht wird und dafür sorgt, dass es eine Mehrheit im Bundestag gibt“, sagte Audritsch den Sendern. Dass Spahn weiter das Gespräch mit den Linken ablehne, sei nicht zu verstehen. Schließlich gehe es darum, „stabil die Richterinnen und Richter für unser höchstes Gericht zu wählen“.

Entscheidung im Bundestag – Mit Richterwahl droht die Koalitionskrise

Dass die Richterwahl erfolgreich durchgeführt wird, könnte von entscheidender Bedeutung für die Stabilität der Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD sein. Denn nach der misslungenen Wahl von Brosius-Gersdorf begann es innerhalb der schwarz-roten Regierung zu kriseln. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch richtete sich damals mit mahnenden Worten an den Koalitionspartner. „Das darf sich nicht wiederholen“, sagte er. „Das hinterlässt Spuren.“

Merz selbst sprach sich aus für eine bessere Kommunikation von der Union gegenüber der SPD. Wie der Tagesspiegel berichtete, habe der Kanzler die eigene Partei ermahnt, übermäßige Kritik an Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) nicht zu äußern. Der neue Streitpunkt ist der geplante Haushalt für 2026. In der Fraktionssitzung soll er sich dann aber selbst eine Bemerkung gegen seinen Minister nicht verkniffen haben können. Denn die Kritik solle zurückgefahren werden, weil Klingbeil „sehr sensibel“ sei, wie Anwesende berichtet hätten. (Quellen: dpa, Deutschlandfunk, ARD, RTL, ntv, AFP, Tagesspiegel) (nhi)

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