„Sie brauchen da gar nicht zu lachen“

„Regierungsfraktion im Wartestand“: Grüne Schulze erntet im Landtag schallendes Gelächter

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Katharina Schulze (Grüne) sieht ihre Partei mittelfristig in der Regierungsverantwortung. Die CSU von Ministerpräsident Söder quittierte die Aussagen mit Spott.

München – Der bayerische Landtag hat am Dienstag Markus Söder (CSU) erneut zum Ministerpräsidenten des Freistaats gewählt. Der CSU-Chef erhielt mit 120 von 198 abgegebene Stimmen eine deutliche Mehrheit. In der vorangegangenen Aussprache der Fraktionen im Landtag ging es bereits heiß her.

Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, erhielt für eine Spitze gegen die bayerische AfD minutenlangen Applaus. Die Fraktionsvorsitzenden der bayerischen Grünen, Katharina Schulze, musste hingegen nach einem Kommentar in Richtung Regierungskoalition Spott und Häme einstecken.

Bayerische Grüne als „Regierungsfraktion im Wartestand“ – Schulze erntet Spott

Mit Blick auf die Rolle der Grünen in der Opposition erklärte Schulze in ihrer Rede: „Wir Grüne sind Impulsgeber und Kontrollinstanz.“ Anschließend fügte die 38-Jährige hinzu. „Und weil wir unsere Arbeit ernst nehmen, sind wir Regierungsfraktion im Wartestand.“ Nach dieser Ankündigung erntet Schulze jedoch schallendes Gelächter aus den Reihen des Parlaments – vor allem aus den Fraktionen von CSU und Freien Wählern. Etwas irritiert fügte die Grünen-Politikerin nach dem Abebben des Gelächters hinzu: „Sie brauchen da gar nicht zu lachen, ich meine das Ernst.“

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag, Katharina Schulze, kassierte für eine Rede am Dienstag Spott von den Regierungsfraktionen.

Bereits im Wahlkampf vor der Bayern-Wahl hatten die Grünen immer wieder ihre Bereitschaft signalisiert, ein Regierungsbündnis mit der CSU eingehen zu wollen. CSU-Chef Söder hatte den Vorschlägen jedoch eine kategorische Absage erteilt. Man werde unter keinen Umständen mit den Grünen koalieren und strebe eine Fortführung der sogenannten „bürgerlichen Koalition“ mit den Freien Wählern an, bekräftigte Söder immer wieder im Wahlkampf. Ein erneutes Gesprächsangebot von Schulze am Wahlabend blockte der neue und alte Ministerpräsident ebenfalls ab. Die Grünen scheinen sich jedoch weitere Hoffnungen zu machen, in fünf Jahren an der Seite der CSU in die Regierung einziehen zu können.

Grüne liebäugeln auf Koalition mit Söders CSU – Holetschek blockt nach Vorstoß ab

Ein unwahrscheinliches Szenario – zumindest, wenn es nach CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek geht. Der frühere Gesundheitsminister erwiderte in seinem Redebeitrag mit Blick auf Schulzes Aussage: „Ich glaube, dass der Wartestand noch sehr lange dauern wird“. Die Politik der Ampel-Koalition in Berlin trage laut Holetschek dazu bei, dass deutschlandweit das Vertrauen in die Politik sinke. Deswegen sei ein Bündnis mit den Grünen in Bayern für die CSU aktuell nicht denkbar.

Bayerns Ministerpräsidenten seit 1945

Bundeskanzler Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) und Fritz Schäffer (r, CSU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn.
28. Mai 1945 – 28. September 1945: Fritz Schäffer (r, CSU) mit Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn. © dpa
28. September 1945 – 21. Dezember 1946: Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA.
28. September 1945 – 21. Dezember 1946 (erste Amtszeit): Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA. © IMAGO/Rolf Poss
21. Dezember 1946 –
 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde.
21. Dezember 1946 – 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde. © IMAGO
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück.
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück. © IMAGO
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen.
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen. © IMAGO
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU).
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU). © IMAGO
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU).
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel, der aus Altersgründen zurücktrat, und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU). © IMAGO
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl.
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl. © Heinz Gebhardt/IMAGO
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück.
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück. © IMAGO
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück.
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück. © IMAGO/Astrid Schmidhuber
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste.
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste. © IMAGO
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand.
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand. © Sammy Minkoff/IMAGO
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch.
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch. © Charles Yunck/IMAGO
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender.
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender. © IMAGO

Nach der Sitzung des Landtags bekräftigte Schulze ihre Forderungen erneut gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Man sei definitiv „Regierungsfraktion im Wartestand“. Mit Blick auf die ablehnende Reaktion des Parlaments sagte Schulze: „In fünf Jahren wird wieder neu gewählt. Es gibt große Herausforderungen in Bayern, für die wir Grüne Lösungen haben.“ Dazu zählen fehlende Lehrkräfte, zu wenig Kita-Plätze und der aktuell noch zu langsame Ausbau der erneuerbaren Energien. 

Schulze offen für Zusammenarbeit mit CSU und Freien Wählern – „Aufgaben sind gewaltig“

Bis in fünf Jahren ein neues Parlament gewählt wird, müssen sich Schulze und ihre Partei jedoch erst einmal mit der Rolle als Oppositionspartei zufriedengeben. Dabei bot die Fraktion bereits in dieser Legislaturperiode eine inhaltliche Zusammenarbeit mit der Regierung an – auch mit Blick auf die drohende Gefahr von Rechtsaußen. „Jetzt ist der Punkt gekommen, wo wir Demokratinnen und Demokraten uns unterhaken müssen“, forderte Schulze in ihrer Rede. „Die Aufgaben sind gewaltig.“ (fd)

Rubriklistenbild: © KERSTIN JOENSSON/AFP

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