Angriff auf die Grünen

„Braten statt Getreideschimmel-Käfer“: Söder wettert gegen „grüne Pfeifen“ und Insekten im Essen

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Wetterte gegen die Grünen und das Werbeverbot bei Süßigkeiten: Ministerpräsident Markus Söder (CSU).
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Ein Werbeverbot für Süßigkeiten oder Wurst? Markus Söder (CSU) kritisiert die Pläne der Grünen – und unterstellt ihnen eine Vorliebe für Insekten im Essen.

München – Jetzt gibt es Zoff ums Essen: Ein geplantes Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel ist in Bayern auf harsche Kritik gestoßen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) warf der Ampel-Koalition vor, sich zu stark in die Lebenswelten der Deutschen einzumischen. „Die Grünen leben in einer Fantasie- und Verbotswelt“, wetterte er in einem Interview mit der Bild am Sonntag. Doch die meisten Menschen seien genervt von den ständigen Vorgaben und hätten keine Lust, nach der „grünen Pfeife zu tanzen“.

Hintergrund ist ein Plan von Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne), ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel zu verhängen. Um Kinder vor dem falschen Konsum zu schützen, soll künftig die Werbung für bestimmte Produkte zwischen 6 und 23 Uhr verboten werden. Laut Medienberichten umfasst die Liste dabei Süßigkeiten, wie etwa Schokolade, Müsliriegel, Kekse und Kuchen. Auch Energydrinks und Speiseeis sollen wohl prinzipiell davon betroffen sein. Bei anderen Produkten wie Milch oder Säften mit hohem Zuckergehalt soll die Werbung zumindest eingeschränkt werden.

Werbeverbot für Süßigkeiten: Söder wettert gegen Grüne und den Plan von Özdemir – Lieber Braten statt Insekten

Das Süßigkeiten-Werbeverbot hat Özedmir bislang ohne Rücksprache mit anderen Ressorts ins Kabinett eingebracht. Doch bei der CSU stoßen die Vorgaben nur noch auf Unverständnis. „Die Grünen diskutieren dann noch, ob man nicht lieber Insekten wie die Hausgrille oder den Getreideschimmel-Käfer essen soll“, schimpfte Söder und fügte hinzu: „Mir ist ein Schweinsbraten jedenfalls zehnmal lieber als ein Insektenburger.“ Natürlich esse er auch gerne Salat oder Gemüse. „Aber die zunehmenden Einschränkungen und Verbote bezüglich Fleisch, Wurst oder Süßigkeiten sind völlig überzogen und gehen an unserer Lebenskultur vorbei“, so Söder weiter.

Insekten im Essen: Söder nutzt das Werbeverbot zum Schutz der Kinder als Steilvorlage für den Wahlkampf

Insekten im Essen? Davon ist in dem Özdemir-Plan jedoch überhaupt nicht die Rede. Dennoch nutzte Söder die Initiative nun als Steilvorlage – und eröffnete damit den Wahlkampf. Am 8. Oktober muss sich der Regierungschef bei der Bayern-Wahl 2023 der Wiederwahl stellen. Derzeit regiert er in München mit den Freien Wählern. Doch im Kampf um Stimmen und Prozente arbeitet sich Söder seit Wochen an der Ampel-Koalition in Berlin ab – und vor allem an den Grünen.

Insekten im Essen – eine Alternative?

Insekten im Essen – das geht. Die Krabbeltiere punkten laut Ernährungsexperten mit viel Protein und einer umweltfreundlicheren Produktion als Fleisch. Weltweit dienen Insekten laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bereits angeblich zwei Milliarden Menschen als Nahrungsquelle. In Deutschland sind essbare Insekten jedoch eher noch unüblich und häufig mit Ekel verbunden. 2000 Arten sind grundsätzlich essbar, dazu zählen Heuschrecken, Käfer, Grillen, aber auch Wespen. Eine Übersicht bietet die Verbraucherzentrale, die jedoch in Deutschland nur 32 Insekten-Produkte ausfindig machen konnte.

So warf Söder auch jetzt wieder eine falsche Akzentsetzung vor. „Die Deutschen sorgen sich weniger um Political Correctness und um eine Genderpflicht, sondern um Inflation, Heizkosten und Strompreise“, so der CSU-Politiker, der bereits seit einiger Zeit mit Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) im Clinch liegt. Während die CSU angesichts der Energiekrise auf den Weiterbetrieb von Atomkraft pocht, wirft die Ampel-Koalition Bayern vor, den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu verschleppen.

Schwarz-Grün in Bayern? Söder hält eine Koalition nach der Wahl 2023 für ausgeschlossen – fehlt „Bayern-Gen“

Vor diesem Hintergrund schloss Söder eine Koalition mit den Grünen auf Landesebene auch aus. Auf die Frage, ob ein schwarz-grünes Projekt wie in Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein auch im Süden machbar sei, sagte Söder: „Nein. Den Grünen fehlt das Bayern-Gen. Sie klatschen begeistert für die Berliner Ampel, aber kümmern sich nicht um bayerische Interessen.“ Für eine Zusammenarbeit gebe es schlichtweg zu große Unterschiede. (jkf)

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