Aggro-Stimmung bei Grünen-Auftritt: Schulze geschockt – Söder hat Erklärung
VonStephanie Munk
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Dauerpfiffe und aggressive Töne: Bei einem Wahlkampf-Auftritt der Grünen in Chieming wollten manche nur stören. Grüne und CSU sehen die Schuld jeweils beim anderen.
Chieming – Massiv angegangen wurden offenbar bei einem Auftritt im oberbayerischen Chieming die beiden Grünen-Politiker Cem Özdemir und Katharina Schulze. Laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunk war die Stimmung extrem aufgeheizt, es gab es Dauerpfiffe im Publikum und einige Zuschauer, die offenbar bewusst stören wollten.
Aus Sicherheitsgründen hätten ein Dutzend Polizisten schließlich sogar eine Polizeikette zwischen der Bühne und den Zuschauern bilden müssen. Zu Strafanzeigen sei es aber nicht gekommen.
Grünen-Politikerin Schulze nach Wahlkampf-Rede fassungslos – Grenze sei überschritten
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag, Katharina Schulze, war danach geschockt: „So eine Stimmung und vor allem auch so einen massiven Polizeischutz habe ich noch nie erlebt“, sagte sie tags darauf dem BR. Bei dem Wahlkampf-Auftritt sei für sie eine Grenze überschritten worden, politischer Meinungsaustausch sei nicht mehr möglich gewesen. Im Vergleich zum Wahlkampf vor vier Jahren sei der Ton „eindeutig rauer“ geworden. Die nächste Landtagswahl in Bayern findet am 8. Oktober 2023 statt.
Wahlkampf-Auftritt der Grünen: Auch CSU-Bürgermeister verwundert über Stimmung
2500 Menschen waren zum Auftritt von Özdemir und Schulze gekommen – überraschend viele. Auch Stefan Reichelt, CSU-Bürgermeister in Chieming, hatte den Eindruck, dass einige im Zelt nicht daran interessiert waren, was die Grünen-Politiker sagten, sondern die durch lautstarkes Schimpfen und Trillern einfach nur stören wollten.
„Die meisten Störer kannte ich nicht. Die waren mir gestern auch neu, das sind keine Gemeindebürger“, so der Bürgermeister der Gemeinde mit rund 4500 Einwohner am Ostufer des Chiemsees. Offenbar kursierte auf WhatsApp und in soziale Netzwerken im Vorfeld ein Aufruf, man solle zur Grünen-Kundgebung kommen und protestieren.
Schulze fordert Mäßigung von CSU und Freien Wählern
Wie kann es zu einer solch aufgeheizten Stimmung kommen? Schulze sieht eine Teilschuld bei der CSU und den Freien Wählern, die die Grünen in jüngster Zeit teils heftig attackieren, was manche Menschen wohl als Aufforderung sehen würden, es ihnen gleichzutun. „Liebe CSU, liebe Freie Wähler, hört auf, Öl ins Feuer zu gießen!“, fordert Schulze.
Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder dagegen sieht die Ampel-Koalition selbst in der Verantwortung: die Koalition aus SPD, Grüne und FDP habe reihenweise Beschlüsse gefasst, die die Menschen verunsichern, sagte er auf BR-Nachfrage zum besagtem Wahlkampf-Abend in Chieming, bei dem Söder aber nicht vor Ort war.
Katharina Schulze, Grünen-Fraktionschefin in Bayern, beklagt den rauen Ton im Wahlkampf. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht die Schuld bei der Ampel-Regierung. (Archivfoto)
Aiwanger sieht Heizungsgesetz als Ursache für aggressive Stimmung
Ähnlich äußerte sich Freie-Wähler-Chef und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. „Die Menschen fürchten um ihre Häuser, fürchten um die Möglichkeit, heizen zu dürfen, wie sie heizen wollen. Das hat viel Ärger verursacht und hat den Grünen auch viel Ärger eingebracht“, sagte er dem BR.
Aiwanger hatte vor einigen Wochen für Wirbel gesorgt, als er auf einer Demo in Erding gegen die Bundesregierung gewettert hatte und dabei forderte, die Menschen müssten sich „die Demokratie zurückholen“. Auch nach diesem Auftritt hatten sich die Grünen entsetzt über den schrillen Ton gezeigt.
Özdemir wollte Störer im Festzelt besänftigen – ohne Erfolg
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir bleib angesichts der Buh-Rufe und Dauerpfiffe auf dem Podium offenbar ruhig und versuchte, die Störer zu besänftigen. Doch trotz seines Angebots, nach seiner Rede noch vor Ort zu bleiben und mit den unzufriedenen Zuschauern zu diskutieren, riss der Lärm im Zelt offenbar nicht ab.
Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit
Özdemir war noch auf einem weiteren Termin in Bayern: Einer Almbegehung im oberbayerischen Brannenburg bei Rosenheim, auch Söder und Aiwanger waren dabei. Der Grünen-Politiker sagte dabei, er werde dem Abschuss von Problemwölfen nicht im Wege stehen. Söder packte die Gelegenheit auf dem Wahlkampf-Termin beim Schopf und holte zum Rundumschlag gegen Bio-Gebote aus – mit den markigen Worten: „Lieber bin ich ein Bulle in Bayern als ein Rundvieh im Norden“. (smu)