Zäher Wahlkampf-Stream

Mit Leberkäs gegen das ZDF: „Des kommt scho‘ weg“ - Söder bestätigt Existenz von CSU-Noagalzuzlern

  • schließen

Markus Söder mag Instagram - die „heute show“ vielleicht nicht so. Einen bemühten Wahlkampf-Schlagabtausch will der CSU-Chef mit Leberkäs gewinnen.

München - Bodenständigkeit ist ein Schlüsselwert im Wahlkampf vor der Bayern-Wahl - man frage die Twitter-Streithähne Hubert Aiwanger und Martin Hagen: Die Zugehörigkeit zur Champagner-Fraktion hatten die Chefs von Freien Wählern und Bayern-FDP zuletzt betont weit von sich gewiesen.

Relevant ist das Thema Volksnähe zweifelsohne auch für CSU-Frontmann Markus Söder. In einem „Instagram-Live“ mit dem „heute show“-Comedian Fabian Köster am Mittwoch (9. August) ordnete sich der Ministerpräsident nicht nur demonstrativ in die Leberkäs- und Burger-Etage ein - sondern flickte dem ZDF-Promi wiederholt mit Sticheleien der Marke „elitärer Quatsch“ ans Zeug. Für Erheiterung konnte vor allem eins sorgen: Eine Enthüllung Söders zum Umgang der CSU mit Bierresten.

Söder gegen die „heute show“ - mit Leberkäs gegen das ZDF: Zäher Wahlkampf-Termin auf Instagram

Klar war jedenfalls von Beginn weg: Söder war beim Wahlkampf-Termin mit dem öffentlich-rechtlichen Spaßmacher darauf gebürstet, konservative Lockerheit zu demonstrieren. Der CSU-Chef zog etwa vor laufender Webcam eine Leberkässemmel aus dem Off und biss herzhaft zu - allen PR-Weisheiten, das Essen im Bewegtbild zu unterlassen, zum Trotz. „Schon mal Leberkäs gegessen?“, lautete die provokante Frage gen Köster: Beim ZDF esse man doch sicher eher Avocado-Bowls zum Smoothie.

Zu erahnen war ohnehin, dass sich Söder im Gespräch mit Köster auf feindlichem Territorium wähnte. „Mit dem Geld schmeißt ihr beim ZDF doch um euch“, frotzelte er etwa. Bei einer Nachfrage zu Kanzler-Ambitionen Friedrich Merz‘ wollte der Franke lieber nichts gehört haben und führte eine Tonstörung ins Feld.

Der „heute show“-Mann wiederum wollte Söder mit gut abgehangenen Sticheleien triezen: Essens-Fotos seien doch das Gehaltvollste, was Söder so poste, erklärte er. Der Ministerpräsident lächelte es ironisch weg. Ob gewollt oder im Eifer des Gefechts räumte Söder zugleich ein: Eine „Schlachtplatte“ sei ebenfalls gehaltvoller als das, was er - so Kösters Anwurf - im Wahlkampf „mit Armin Laschet gemacht“ hatte. Sowas komme überraschenderweise sehr gut in den sozialen Medien an, versicherte Söder übrigens. Gemeint war die Schlachtplatte, nicht der schon fast legendäre unionsinterne Kanzlerstreit 2021.

Söder lotst ZDF-Promi in die „Elitär“-Falle - und weidet sich an Fast-Food-Litanei

Beim Thema Essen blieb Söder aber gern. Der Landesvater deklinierte genüsslich die Fastfood-Palette durch - während sich Köster noch fragte, ob Werbung denn im politischen Bereich überhaupt erlaubt sei: Einen „McRib“ habe er mal gepostet, erzählte Söder. Und versicherte: „Burger King ist okay.“ Gleiches gelte für „Kentucky... na, jetzt muss ich auf aufpassen, dass ich‘s richtig ausspreche“. Am Ende lockte der frisch selbsternannte „Meme-King“ Söder den Satiriker schließlich doch noch aufs Glatteis.

Genippt hat er schon: Markus Söder 2022 auf der Truderinger Festwoche in München.

Immer wieder hatte Köster versucht, Söder auf das Thema Werbung für Süßigkeiten zu lotsen. Punktwürdige Treffer waren dabei zu verzeichnen. „Knabbern“ sei „besser als Kiffen“, hatte Söder klargestellt. Der Feststellung, dass er selbst lieber zu Cola light als zur zuckerhaltigen Variante greife, konnte der oberste Kritiker von Werbe-Einschränkungen dann doch nicht klar widersprechen. Allerdings lief Köster mit dem Hinweis, gerade Kinder weniger privilegierter Eltern verdienten gute Ernährung, dann in einen Konter ganz nach dem Geschmack des bodenständigen Wahlkämpfers: „Das ist jetzt ein bisschen elitär“, konstatierte Söder kühl - weniger gut betuchten Eltern zu unterstellen, sie ernährten ihre Kinder nicht gut, spreche doch eher für Dünkel, so der Subtext.

Söder lüftet Bierzelt-Rätsel: Noagalzuzler finden sich immer

Mehrfach deutete Söder indes an, bei der CSU verkomme kein Lebensmittel: „Des kommt scho weg!“, beschied der erklärte Fast-Antialkoholiker auf die Frage, was denn mit angenippten Söder-Massen bei Bierzeltterminen passiere: Da finde sich schon wer, versicherte er. Womit die Existenz von ministerpräsidentiellen Noagalzuzlern - zu hochdeutsch: Restetrinkern - im Umfeld der CSU offiziell bestätigt wäre.

Gen Ende des Streams frotzelte Söder dann auch noch, seine Social-Media-Experten rauften sich hinter der Kamera gerade nicht nur die Haare, sondern knabberten auch noch „meinen Leberkäs“ an. Die Recycling-Kreisläufe in der CSU-Zentrale scheinen also intakt - wo bei ein kleiner Stress-Hunger nach bemühtem Schlagabtausch fürs Instagram-Publikum wohl auch niemandem zu verübeln gewesen wäre. Die aktuellen Umfragen zur Bayern-Wahl sollten auch Söder den Appetit jedenfalls nicht verderben. (fn)

Rubriklistenbild: © Imago/Smith

Kommentare