Laptop oder Lederhose?

Kurioser Klischee-Zoff unter Parteichefs: Aiwanger bietet „Champagner“ - FDP wittert die Falle

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Martin Hagen (li.) und Hubert Aiwanger sind auf Twitter aneinandergeraten - letztlich ging‘s ums Bier.
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Es geht um Politik. Aber immer wieder auch um Bier - oder gleich Stadt und Land: Der bayerische Wahlkampf treibt erste schillernde Blüten.

München - Die Bayern-Wahl rückt näher - und damit die Hochzeit der Wahlplakate. Die vom abermaligen Landtags-Aus bedrohte FDP setzt dabei 2023 auch auf Sticheleien gegen die Konkurrenz. Und hat damit eine eher feucht-gereizte und unterschwellig tief in gefühlten gesellschaftlichen Konflikten verankerte Hakelei in den sozialen Netzwerken unter Partei-Großkopferten heraufbeschworen.

Denn das Ziel des liberalen Plakatspotts, Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger, schwenkte vom Thema KI eilends um auf die betont bodenständige Gretchenfrage: Wie hältst du‘s mit dem Nationalgetränk?

Bayern-Wahl bodenständig: Champagner oder Bier? FDP-Chef Hagen weicht Aiwangers Stichelei aus

Stein des Anstoßes war das Foto eines FDP-Plakatmotivs. „Mehr AI. Weniger wanger.“, schreiben die Liberalen darauf. Wobei „AI“ für „Artificial Intelligence“ steht, „wanger“ für den Seitenhieb auf Markus Söders Vizeministerpräsidenten - und womöglich, so viel Interpretationsspielraum bestünde, indirekt auf die Sozialisation der Freie-Wähler-Chefs, die eher auf dem heimischen Hof in der Oberpfalz denn in den Großraumbüros der IT-Branche vor sich gegangen ist. So viel lässt sich bei aller Wasserstoff-Offensivität des obersten Freien Wählers guten Gewissens sagen.

Auch Aiwangers Replik ließ reichlich Subtext vermuten. „Danke für die tolle Wahlkampfhilfe“, twitterte das Parteiaushängeschild. „Ich will aber nicht unverschämt sein und euch auf den Kosten sitzen lassen“, fügte er hinzu. „Biete euch deshalb Getränk eurer Wahl bis 100 Euro auf meine Rechnung an. Standesgemäß für Euch Champagner?“

Aiwanger und Hagen im Twitter-Clinch: „Ganz viel Liebe in diesem Raum“

Dass trotz „Gruß und Kuss!“ von „#Aiwanger“ mehr das Klischee vom Besserverdiener-Liberalen als eine Einladung auf ein Feierabend-Getränk im Raum stand, erfasste auch FDP-Landeschef Martin Hagen, dessen Name das Plakatmotiv ziert. Der wollte sich den metaphorischen Lackschuh allerdings nicht anziehen.

Hagen, der in einem Wahlabend-Interview mit dem BR in Corona-Zeiten schon mal im Homeoffice vor der Hausbar zu sehen war, wählte anders. Mutmaßlich bewusst. „Hm... Sagen wir lieber ein paar Tragerl Bier“, erwiderte er unter Aiwangers Posting. Und setzte zum inhaltlichen, wenn auch recht pauschalen Tiefschlag an - immerhin mit Zwinker-Emoji: „Dann hättest Du der bayerischen Wirtschaft am Ende Deiner Amtszeit ja doch mal was Gutes getan.“ Auch aus der CSU gab es schon Seitenhiebe dieser Art.

Jahrzehnte nach der „Laptop und Lederhose“-Kampagne der CSU taugen vermeintliche Stadt-Land-Gegensätze also immer noch zum Wahlkampf-Thema in Bayern. Involviert war womöglich aber auch Persönliches. So deutete es jedenfalls ein Leser: „Ich fühle ganz viel Liebe in diesem Raum“, hieß es im Twitter-Thread unter anderem. (fn)

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