VonNadja Orthschließen
Putin erzählt neue Details über sein Treffen mit Prigoschin kurz nach dessen Aufstand. Er habe die Wagner-Gruppe gegen ihren Anführer ausgespielt.
Moskau – Nur wenige Tage nach des militärischen Aufstands von Prigoschin hat Putin sich mit dem Wagner-Chef und einigen seiner Kommandeure am 29. Juni persönlich getroffen – und offenbar versucht, einen Keil zwischen die Gruppe und ihren Anführer zu treiben. Gegenüber einer russischen Zeitung erzählte Putin nun, wie er Prigoschin vor den Augen aller vorgeführt habe.
An dem Treffen nahm nicht nur der russische Präsident Wladimir Putin und Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin teil, sondern auch 35 seiner Kommandeure. Bislang war lediglich bekannt, dass sich Putin unter anderem Erklärungen der Wagner-Kommandeure angehört haben und ihnen neue Zukunftsmöglichkeiten im Ukraine-Krieg angeboten haben soll.
Putin trifft Prigoschin und Wagner-Söldner: Präsident will Streit in der Gruppe auslösen
Nun berichtete die russische Zeitung Kommersant über Details des Gesprächs. Demnach habe Putin Prigoschin dabei vor die Gruppe der Kommandeure platziert, sodass der Wagner-Chef im selben Raum ist, aber keinen seiner Leute sehen kann. Wie Putin einem Journalisten der Zeitung erzählte, habe er den Söldnern daraufhin ein Angebot gemacht.
Putin gab den Wagner-Kommandeuren nach eigener Aussage die Möglichkeit, zwar nicht mehr unter der generellen Führung Prigoschins zu kämpfen, aber ihren direkten Befehlshaber zu behalten und unter seiner Führung zurück in den Ukraine-Krieg zu ziehen. So hätten sie bereits die letzten 18 Monate unter dem Mann mit dem Rufnamen „Sedoy“ gekämpft, was übersetzt so etwas wie „Graues Haar“ bedeute.
„Viele haben genickt“: Putin spricht über Treffen mit Wagner-Söldnern und Prigoschin
„Für Sie würde sich nichts ändern. Sie würden von derselben Person geführt werden, die schon immer ihr eigentlicher Befehlshaber war“, habe Putin der Gruppe laut Kommersant gesagt. „Und dann?“, soll der russische Reporter nachgefragt haben. „Viele Leute nickten [zustimmend], als ich das sagte“, so Putin. Prigoschin habe daraufhin deutlich verärgert reagiert. Er konnte seine eigenen Leute nicht sehen, habe aber sehr selbstbewusst und laut gesagt: „Nein, die Jungs sind mit dieser Entscheidung nicht einverstanden.“
Ob es sich bei Putins Erzählung von dem Treffen um die Wahrheit oder Propaganda handelt, kann nicht unabhängig bestätigt werden. Die Information ist daher mit Vorsicht zu betrachten. Laut dem Portal Eurotopics, ein Informationsdienst der Bundeszentrale für politische Bildung, handelt es sich bei der russischen Zeitung Kommersant um eine der ersten unabhängigen und kritischen Zeitung in Russland. Seit der Übernahme der Holdinggesellschaft durch einen russischen Oligarchen 2008 hätte zwar der Ruf der Zeitung gelitten, sie „gilt immer noch als eine der wenigen Qualitätszeitungen in Russland“, heißt es weiter. (nz)
Rubriklistenbild: © Sergey Guneyev/Sputnik/AFP

