Syrien ist eine Republik am Mittelmeer, die über Jahrtausende hinweg von zahlreichen Herrschern und Dynastien regiert wurde. Im Land, das sich gerade einmal 125 Kilometer von der beliebten Urlaubs-Insel Zypern entfernt befindet, tobt seit 2011 ein blutiger Bürgerkrieg.
- Syrien gehörte bis ins 20. Jahrhundert hinein noch zum Osmanischen Reich.
- Seit 2011 wird das Land von einem blutigen Bürgerkrieg heimgesucht.
- Präsident ist Machthaber Baschar al-Assad.
Damaskus – Mit einer Fläche von etwa 185.000 Quadratkilometern ist Syrien etwa halb so groß wie Deutschland. Die Republik blickt gerade im 20. Jahrhundert auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2011 haben Millionen Flüchtlinge das Land verlassen. Während Machthaber Baschar al-Assad einen stark diktatorischen Kurs fährt, wollen zahlreiche islamistische Rebellen – darunter auch die Terrororganisation Islamischer Staat – ihre Unabhängigkeit erkämpfen und eigene Staaten errichten.
Syrien: Land wechselnder Herrscher
Im Gebiet des heutigen Syriens gab es schon vor 10.000 Jahren erste Siedlungen. Das Land hat zahlreiche Herrscher und Dynastien erlebt. Die Ägypter, Hethiter, Assyrer, Aramäer, Phönizier und das Persische Reich haben maßgeblich die Entwicklung des Landes und die Gründung zahlreicher Stadtstaaten im Gebiet von Euphrat und Tigris geprägt. Nachdem Alexander der Große das Gebiet erobert hatte, fiel es an die Seleukiden. Unter römischer Herrschaft erhielt es schließlich den Namen Provincia Syria. Später unterlag das Land dem Einzugsgebiet der byzantinischen Herrschaft.
Im 7. Jahrhundert breitete sich von der Arabischen Halbinsel der Islam aus. Dabei wurde Damaskus zu einem wichtigen Zentrum für die neue Religion. Im Mittelalter gingen in der Zeit der Kreuzzüge die Franken und Normann recht grausam gegen die Bevölkerung vor. Ab 1250 breiteten sich die Mameluken – Militärsklaven aus muslimischen Herrschaftsgebieten – im Gebiet des heutigen Syrien aus. Ab 1516 wurde Syrien unter der Herrschaft der Osmanen zu einer osmanischen Provinz. Das Land gehörte noch bis 1918 dem Osmanischen Reich an.
Syrien: Der Weg in die Unabhängigkeit
Während des Ersten Weltkrieges wurde das Osmanische Reich zerschlagen und die Provinzen neu aufgeteilt. Obwohl es im Land viele Strömungen gab, eine eigene arabische Nation zu errichten, wurden im geheimen Sykes-Picot-Abkommen von 1916 die osmanischen Provinzen an Großbritannien und Frankreich aufgeteilt. Als Anführer der arabisch-britischen Verbündeten übernahm Faisal schließlich die Regierung in Damaskus. Während die Araber beim Allgemeinen Syrischen Nationalkongress (1919) in der „Damaskus Erklärung“ ihr Recht auf Unabhängigkeit forderten, gab auch Faisal I. ein Jahr später eine Unabhängigkeitserklärung unter Ausrufung seines Königreichs aus.
Dies stieß bei den Franzosen auf Widerstand. Sie bekämpften die arabische Armee und machten Syrien zum französischen Mandatsgebiet. 1925 folgte ein Aufstand der Drusen, der von den Franzosen niedergeschlagen wurde. Da Großbritannien allerdings verstärkt Druck auf Frankreich ausübte, wurden in den Folgejahrzehnten immer mehr Gebiete zu einem syrischen Staat zusammengestellt. Doch erst am 17. April 1946 erhielt Syrien seine Unabhängigkeit. Obwohl die Wirtschaft des Landes einen Aufschwung zu verzeichnen hatte, blieb bis in die 1960er Jahre hinein die politische Lage instabil. Ein Konfliktherd gab es vor allem mit dem neu entstandenen Staat Israel und der Klärung von Grenzgebieten.
Syrien: Assad-Regime und Bürgerkrieg
Nach einem Militärputsch wurde der ehemalige Verteidigungsminister Hafiz al-Assad 1971 zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Er schloss alle Parteien zu einer Einheitsfront zusammen, die vorwiegend von der Baath-Partei beherrscht wurde. In der neuen Verfassung von 1972 wurde Syrien zu einem volksdemokratisch-sozialistischen Staat erklärt. Assads Versuch, Religion aus staatlichen Angelegenheiten rauszuhalten, misslang. Der Präsident gehörte einer schiitischen Minderheit an (den Alawiten). Die Mehrheit der Bevölkerung ist allerdings sunnitisch ausgerichtet, wodurch erwirkt wurde, dass der Präsident laut Verfassung Muslim sein muss. In den 1990er Jahren bemühte sich Assad um Friedensverhandlungen mit Israel, die jedoch immer wieder scheiterten.
Als Hafiz al-Assad im Juli 2000 verstarb, übernahm sein Sohn Baschar al-Assad sein Amt. Die durch den Regierungswechsel geschürte Hoffnung auf Reformen wurde jedoch bald enttäuscht. Assad war zu einem Kurswechsel nicht bereit, sodass sich der „Arabische Frühling“ auch im Frühjahr 2011 in Syrien bemerkbar machte. Die Proteste wurden von der Regierung jedoch mit Gewalt niedergeschlagen. Assad ging auch hart gegen die Opposition vor, bevorzugte Alawiten und benachteiligt andere religiöse Gruppen. Der Kampf um Freiheit und Menschenwürde endete in einem blutigen Bürgerkrieg. In diesen mischte sich zusätzlich noch die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ ein, die ein eigenes Kalifat errichten wollten.
Es setzte eine riesige Flüchtlingswelle ein. Weit über fünf Millionen Syrer sind in die Nachbarländer und nach Europa geflohen. Die Lage hat sich nach wie vor nicht entschärft. Inzwischen hat der IS mehr als die Hälfte des syrischen Staatsgebiets unter Kontrolle, wobei die dicht besiedelten Regionen unter der Aufsicht syrischer Regierungstruppen stehen. Andere Teile des Landes werden von weiteren Rebellengruppen wie der Freien Syrischen Armee, den kurdischen Milizen oder der al-Nusra-Front beherrscht.
Syrien: Das politische System
Syrien ist laut der Verfassung von 2012 eine semipräsidentielle Republik mit einem Mehrparteiensystem. De Facto befindet sich das Land aber in einer totalitären Diktatur, zumal durch die beherrschende Baath-Partei ein Einparteiensystem vorliegt. Der Präsident ist Staatsoberhaupt, verfügt über die Exekutivgewalt und ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er wird laut Verfassung vom Parlament ernannt und auf sieben Jahre direkt vom Volk gewählt. Außerdem ist er mit umfassenden Vollmachten und Vetorechten ausgestattet. Er muss zudem muslimischen Glaubens sein. Damit Baschar al-Assad das Präsidentenamt seines Vaters beerben konnte, wurde das Mindestalter für eine Präsidentschaft von 40 auf 34 Jahre herabgesetzt.
Die Legislative des Landes liegt beim Volksrat. Dieser besteht aus 250 Abgeordneten und wird alle vier Jahre gewählt. Hauptquelle für die Gesetzgebung ist die Fiqh. Die Scharia wird nur für Moslems angewendet. Für katholische Christen ist der Codex Iuris Canonici von Bedeutung.
Syrien: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: Damaskus
- Amtssprache: Arabisch
- Fläche: 185.180 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 17,5 Millionen (Stand 2020)
- Währung: Syrische Lira (SYP)
- Verwaltungsgliederung: 14 Gouvernements
- Religion: Islam (74 % sunnitische Muslime), Christen (10 %), Drusen (2 %)
Syrien: Sprachen und Bevölkerung
Amtssprache in Syrien ist Hocharabisch, das auch von der Bevölkerungsmehrheit gesprochen wird. Daneben existiert noch das syrische Arabisch als eigener Dialekt. Abseits der Öffentlichkeit und Bildung sind auch noch Sprachen der Minderheiten im Gebrauch. Dazu zählen das Syrisch der Aramäer und Assyrer, das Westarmenisch, kurdische Dialekte, Turkomanisch sowie ein Dialekt der neuwestaramäischen Sprache.
Syrien gilt als eines der am dichtesten besiedelten Länder im Nahen Osten. Die einzelnen ethnischen Bevölkerungsgruppen definieren sich in erster Linie über ihre Muttersprache und Religionszugehörigkeit. Mit 90 Prozent bilden die Araber den größten Bevölkerungsanteil, die in der Mehrheit auch Sunniten sind. Zur zweitgrößten Volksgruppe zählen die Kurden, die gemeinsam mit den Armeniern etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Zu den assimilierten Minderheiten zählen die Turkmenen sowie die sunnitischen Tscherkessen. Hinzu kommen noch Aramäer und Assyrer und Russen. Seit dem Irakkrieg gibt es auch viele palästinensische Flüchtlinge.
Syrien: Geografie und Städte
Syrien liegt in Vorderasien und ist auch Teil des Maschrek. Das Land grenzt im Süden an Israel und Jordanien, im Osten an den Irak, im Norden an die Türkei und im Westen an den Libanon sowie das Mittelmeer, wo es eine 193 Kilometer lange Küste besitzt. Hinter dem 30 Kilometer breiten Küstenstreifen steigt im Landesinneren das Alawitengebirge an. In der Mitte und im Süden des Landes bestimmen vorwiegend Wüstensteppen das Landschaftsbild. Der längste Fluss des Landes ist der Euphrat, der auch in hydrologischer Sicht für die Landesmitte von Bedeutung ist.
Die größten Städte Syriens im Überblick
- 1 Aleppo: 1.626.218 Einwohner, Gouvernement Aleppo
- 2 Damaskus: 1.580.909 Einwohner, Gouvernement Stadt Damaskus
- 3 Homs: 798.781 Einwohner, Gouvernement Homs
- 4 Hama: 477.812 Einwohner, Gouvernement Hama
- 5 Latakia: 347.026 Einwohner, Gouvernement Latakia
- 6 Deir ez-Zor: 252.588 Einwohner, Gouvernement Deir ez-Zor
- 7 ar-Raqqa: 182.394 Einwohner, Gouvernement ar-Raqqa
- 8 al-Bab: 137.565 Einwohner, Gouvernement Aleppo
- 9 Idlib: 135.619 Einwohner, Gouvernement Idlib
- 10 Duma: 114.761 Einwohner, Gouvernement Umgebung Damaskus
Syrien: Wissenswertes zum Land
Vor dem Bürgerkrieg war Syrien in wirtschaftlicher Hinsicht eines der stärksten Länder im Mittelmeerraum. Sowohl die Landwirtschaft, als auch die Förderung und die Ausfuhr von Erdöl sowie die Produktion von Textilien und Nahrungsmitteln waren von großer Bedeutung. Aber auch der Ausbau der Bauwirtschaft, des Bankenwesens und der Tourismusbranche hatte sich gut entwickelt. Inzwischen liegt die Wirtschaft am Boden. In den wichtigen Städten wie Damaskus oder Aleppo wurden durch den Krieg enorme Schäden angerichtet. Neben zahlreichen Wohnhäusern ist auch ein beträchtlicher Teil der Infrastruktur zerstört worden. Das Land ist dringend auf Hilfen von außen angewiesen.