Kampf um Donbass

„Zermürbung“ gegen Putins „Pyrrhussieg“ – Neue Ukraine-Offensive im Frühling?

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Russland will abermals den Donbass im Osten der Ukraine „befreien“. Schwere Kämpfe toben.

Update vom Montag, 23. Januar, 11.45 Uhr: Im Donbass toben weiterhin Kämpfe um die Stadt Bachmut. Internationale Beobachtende sprechen von einem Abnutzungskampf, der schwere Verluste bei beiden Kriegsparteien zur Folge hat. Dass die ukrainische Armee Bachmut nicht dem russischen Militär überlasst, halten die Fachleute des Thinktanks „Institute for the Study of War“ (ISW) für eine „wahrscheinlich strategisch sinnvolle Maßnahme“ im Ukraine-Krieg. Die schnelle Einnahme Bachmuts durch Russland hätte einem Lagebericht zufolge wohl dazu geführt, dass die ukrainische Armee gezwungen gewesen wäre, „übereilte Verteidigungsstellungen in weniger günstigem Terrain aufzubauen“.

Ein Panzer der ukrainischen Armee fährt durch Bachmut.

Laut ISW-Angaben ist die ukrainische Armee bereits erprobt, was diese Strategie angeht. Eine „Zermürbungs“-Taktik habe sie unter anderem beim Kampf um die Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk erfolgreich angewandt. Zwar habe Russland beide Städte nach monatelangem Kampf schließlich eingenommen. Dies habe allerdings das Invasionstempo enorm entschleunigt, was Zeit für weitere Vorbereitungen geschaffen habe, so die Fachleute.

Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks

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Der Krieg begann Ende Februar mit Angriffen Russlands auf zahlreiche Städte der Ukraine. Die Truppen aus Moskau nahmen frühzeitig auch Kiew, die Haupstadt des Landes, unter Raketenbeschuss. Eine der russischen Raketen wurde als Teil einer Ausstellung vor dem Nationalmuseum für Militärgeschichte platziert. Kurator Pavlo Netesov wollte nach eigener Aussage mit der Ausstellung der zerstörten Ausrüstung die Bewohnerinnen und Bewohner Kiews an die Straßenkämpfe erinnern, die in anderen Städte der Ukraine tobten, von denen die Hauptstadt aber verschont blieb. © Sergei Supinsky/afp
Wolodymyr Selenskyi in Donezk
Eine dieser Städte war Donezk. Im Mai 2022 besuchte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die einstige Millionenmetropole und hörte sich dort den Bericht von Frontsoldaten an. In Donezk tobt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine bereits seit 2014. Seitdem herrscht dort ein von Moskau installiertes Regime, das sich selbst Volksrepublik Donezk nennt. Nach einigen vorübergehenden Waffenstillstandsabkommen ist die Stadt im Südosten nun wieder Ort erbitterterte Kämpfe. © Uncredited/dpa
Menschen suchen Deckung in Lyssytschansk
Es ist vor allem die Zivilbevölkerung, wie diese beiden Kinder und Seniorinnen in Lyssytschansk, die unter dem Ukraine-Krieg leiden. Die Großstadt liegt mitten im Donbass, die seit Kriegsausbruch am schwersten umkämpfte Region in der Ukraine. Die Bewohnerinnen und Bewohner, die nicht fliehen oder konnten, müssen nun regelmäßig Schutz vor Artilleriebeschuss suchen. © Aris Messinis/afp
Tschassiw Jar, Kleinstadt der Ukraine in der Nähe Lyssytschansk
Unweit von Lyssytschansk liegt die Kleinstadt Tschassiw Jar. Dort räumen Arbeiter die Trümmer eines Hauses von der Straße, das von einer russischen „Hurrikan“-Rakete getroffen wurde. Im Juli 2022 feierte Russland vor allem in der Donbass-Region militärische Erfolge. Zahlreiche Städte und Gemeinden wurden erobert. Die Truppen Wladimir Putins schienen die Ukraine im Sturm zu erobern. © Anatolii Stepanov/afp
brennendes Weizenfeld in der Region Saporischschja
Dieser Mann in Militäruniform ist in einem brennenden Weizenfeld in der Region Saporischschja, während russische Truppen Felder beschießen, um die örtlichen Landwirte an der Getreideernte zu hindern. Die Ukraine auszuhungern und die Ernte zu stehlen, war von Anfang an Teil der russischen Strategie © Uncredited/dpa
Das sechsmonatige Jubiläum im August war ein trauriger Abschnitt im russischen Angriffs-Krieg
Das sechsmonatige Jubiläum des UKraine-Kriegs im August war ein trauriger Abschnitt der russischen Invasion. Doch die ukrainischen Streitkräfte leisteten mit Herz und allen Mitteln weiter Widerstand und feierten ihre Nation, wie hier mit Drohne und ukrainischer Flagge über dem „Monument des Mutterlands“ in Kiew. © Dimitar Dilkoff/afp
Hier wurde im September in der Stadt Kupiansk in der Kharkiv Region eine Brücke bombadiert
Im September begannen die Truppen Wladimir Putins, die Infrastruktur der ukrainischen Städte unter Beschuss zu nehmen. In der Stadt Kupiansk in der Region Kharkiw bombardierte Moskau eine Brücke. An vielen anderen Städten versuchten die russischen Streitkräfte, die Energieversorgung zu stören. © Yasuyoshi Chiba/afp
Statt eines kurzen Angriffskriegs, den der russische Präsident Wladimir Putin geplant hatte, dauert der Krieg immer noch an.
Weil die Erfolge in der Ukraine ausblieben, benötigten die russischen Truppen immer mehr Rekruten für die Front. Präsident Wladimir Putin verkündete deshalb eine Teilmobilisierung im eigenen Land. Tausende junger Männer mussten sich wie dieser Mann in der Stadt Kineschma von ihren Müttern verabschieden und in den Ukraine-Krieg ziehen. © Vladimir Smirnov/imago
Hier sieht man Putin bei einer Ansprache auf einem großen Screen auf dem Roten Platz anlässlich der Annexion von vier Regionen der Ukraine, die von russischen Truppen im September besetzt waren
Im Osten der Ukraine schuf Wladimir Putin Ende September Tatsachen. Vier Regionen des Landes, die zuvor ihre Unabhängigkeit erklärt hatten, wurden annektiert. Anlässlich der Gebietsgewinne richtete sich Putin in einer TV-Ansprache an die Bevölkerung Russlands. Zumindest auf dem Roten Platz in Moskau wurde Putins Rede frenetisch bejubelt. © Alexander Nemenov/afp
Nach der Explosion eines Lastwagens in der Nähe von Kertsch am 8. Oktober 2022 steigt schwarzer Rauch aus einem Feuer auf der Brücke von Kertsch auf
Nach der Explosion eines Lastwagens in der Nähe von Kertsch am 8. Oktober 2022 steigt schwarzer Rauch aus einem Feuer auf der Brücke von Kertsch auf. Sie ist die einzige Landverbindung zwischen Russland und der annektierten Krim-Halbinsel. Russland versprach, die Täter zu finden, ohne die Ukraine sofort zu beschuldigen. © Uncredited/afp
Ukrainische Artilleristen feuern eine 152-mm-Schleppgeschütz-Haubitze (D20) auf eine Stellung an der Frontlinie in der Nähe der Stadt Bakhmut in der ostukrainischen Region Donezk Ende Oktober während des russischen Einmarsches in die Ukraine
Ebenfalls im Oktober gelingt es der Ukraine, an vielen Frontabschnitten vorzurücken. Das gelingt den Streitkräften vor allem dank der Unterstützung aus dem Westen, die immer mehr schweres Gerät in den Konflikt liefert. Hier feuern ukrainische Artilleristen eine 152-mm-Schleppgeschütz-Haubitze (D20) auf eine Stellung an der Frontlinie in der Nähe der Stadt Bakhmut in der ostukrainischen Region Donezk ab. © Dimitar Dilkoff/afp
Ein Einwohner von Cherson hebt seinen Daumen zur Unterstützung der Ukraine auf dem Hauptplatz der Stadt nach der Befreiung von den russischen Besatzern
Mitte November gelingt den ukrainischen Truppen ein großer Erfolg. Sie können die Hafenstadt Cherson im Südosten des Landes zurückerobern. Die Millionenmetropole besitzt neben hohem strategischem auch symbolischen Wert im Kampf gegen Russland. Ein Bewohner feiert die Befreieung mit erhobenem Daumen im Zentrum der Stadt. © Celestino Arce Lavin/dpa
An diesem Tag hielt die Welt den Atem an: Eine Luftaufnahme zeigt den Ort, an dem am 15. November 2022 zwei Männer im ostpolnischen Dorf Przewodow, nahe der Grenze zur kriegszerstörten Ukraine, durch einen Raketeneinschlag getötet wurden
An diesem Tag hielt die Welt den Atem an: Eine Luftaufnahme zeigt den Ort, an dem am 15. November 2022 zwei Männer im ostpolnischen Dorf Przewodow, nahe der Grenze zur kriegszerstörten Ukraine, durch einen Raketeneinschlag getötet wurden. Russland attackierte die Ukraine mit einem massiven Angriff auf die zivile Infrastruktur, wodurch Millionen von Haushalten ohne Strom blieben. Unmittelbar nach dem Vorfall gab es Befürchtungen, dass es sich um eine neue Eskalation des Konflikts handeln könnte, doch am 16. November 2022 gab Polen bekannt, dass das Geschoss wahrscheinlich von der ukrainischen Luftabwehr stammte. Diese Theorie wurde dann auch von Washington bestätigt. © Wojtek Radwanski/Damien Simonart/afp
ein Werk des britischen Straßenkünstlers Banksy auf einer mit Schnee bedeckten Panzerabwehrkonstruktion
Auch Banksy besuchte die Ukraine inmitten des Krieges. Ein am 17. November 2022 aufgenommenes Foto zeigt ein Werk des britischen Straßenkünstlers auf einer mit Schnee bedeckten Panzerabwehrkonstruktion auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass die Ukraine sich auf einen Winter des Krieges einstellen wird müssen. © Sergei Supinsky/afp
Dmitri Schewtschenko, Mitarbeiter von Rosenergoatom, inspiziert einen Tank mit destilliertem Wasser, um den Betrieb des vierten Blocks des Kernkraftwerks Saporischschja zu gewährleisten
Weitere harte Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur. Sogar Kernkraftwerke werden zum Ziel russischer Raketen. Dmitri Schewtschenko, Mitarbeiter von Rosenergoatom, inspiziert einen Tank mit destilliertem Wasser, um den Betrieb des vierten Blocks des Kernkraftwerks Saporischschja zu gewährleisten, der durch Beschuss im Zuge der russischen Militäroperation in der Ukraine in Enerhodar beschädigt wurde. © Alexey Kudenko/imago
Eine Frau spielt Gitarre in einer Kneipe während eines Stromausfalls in Lemberg am 2. Dezember 2022
Kleine Momente des Glücks im Wahnsinn des Krieges: Eine Frau spielt Gitarre in einer Kneipe während eines Stromausfalls in Lemberg am 2. Dezember 2022, als die Stadt nach den jüngsten massiven russischen Luftangriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur von einem geplanten Stromausfall betroffen ist. © Yuriy Dyachyshyn/afp
Hier trifft sie auf den Heiligen Mykola (Heiliger Nikolaus) am 19. Dezember 2022 in Cherson, inmitten der russischen Invasion in der Ukraine
Für einen Augenblick darf dieses Mädchen einfach Kind sein. Hier trifft sie auf den Heiligen Mykola (Heiliger Nikolaus) am 19. Dezember 2022 in Cherson, inmitten der russischen Invasion in der Ukraine © Dimitar Dilkoff/afp
Ukraine-Krieg - Jahrestag Kriegsbeginn- Kiew
Ukrainische Soldaten erinnern am 24. Februar 2023 an der Sophienkathedrale in Kiew an den Beginn des Ukraine-Kriegs ein Jahr zuvor. © Kay Nietfeld/dpa
Ukraine-Krieg - Orthodoxe Ostern in Saporischschja
Die kirchlichen Rituale werden in der Ukraine auch im April 2023 befolgt: Orthodoxe christliche Priester und Gläubige bei der Segnung der traditionellen Osterkörbe am Ostersonntag in der St. Nikolaus-Kirche in Saporischschja. © Andriy Andriyenko/dpa
Ukraine-Krieg - Ukrainische Gegenoffensive im Süden des Landes
Ukrainische Soldaten gestikulieren im September 2023 auf ihrem Bradley Fighting Vehicle (BFV) in der Frontstadt Orichiw. Aus ihrem amerikanischen Schützenpanzer berichten sie von schweren Gefechten. Seit Kriegsbeginn stand Orichiw unter ständigem Beschuss der russischen Armee. © Oliver Weiken/dpa
Ukraine-Krieg - Kupjansk
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (Mitte) wird am 30. November 2023 während eines Besuchs in einem Gefechtsstand an der Front in Kupjansk über die Kriegssituation informiert. © dpa
Lwiw
Auch im Dezember 2023 feiern die Menschen in der Ukraine Weihnachten. In Lwiw besuchen sie den Gottesdienst an Heiligabend und bereiten sich darauf vor, den ersten Weihnachtsfeiertag am 25. Dezember zu feiern.  © Yuriy Dyachyshyn/AFP
Ukraine-Krieg - Charkiw
Ein großer Haufen Trümmer mit Resten von russischen Raketen liegt in der Stadt Charkiw. In den frühen Morgenstunden des 15. Februar 2024 schlug eine russische Rakete in einem Wohngebiet von Chugugyv ein und tötete eine 67-jährige Frau. © Ximena Borrazas/dpa
Charkiw
Trotz Gesprächen über eine Waffenruhe dauert der Ukraine-Blick auch im Jahr 2025 weiter an. Charkiw steht mehrmals schwer unter russischem Beschuss. Das Kunstwerk „Kreuz des Friedens“ mit einem Kruzifix aus 20.000 Fragmenten russischer Artilleriegeschosse wurde vom amerikanisch-ukrainischen Künstler Sergey Melnikoff (besser bekannt als MFF) und dem ukrainischen Künstler Viktor Belchik geschaffen. © Sergey Bobok/AFP
Ukraine-Krieg - Sumy
Bei einem schweren russischen Luftschlag mit ballistischen Raketen gegen die Stadt Sumy kommen am Palmsonntag 2025 mehr als 30 Menschen ums Leben. Mehr als 100 Zivilpersonen werden verletzt. Unter den Toten sind auch Kinder. © Evgeniy Maloletka/dpa

Der Einschätzung des ISW widersprach hingegen ein ranghoher Vertreter der US-Regierung: Die ukrainische Armee solle sich lieber auf eine neue Offensive im Frühling vorbereiten, statt Bachmut mit hohen Verlusten zu verteidigen. Ähnliches prognostizierte das britische Verteidigungsministerium in einem Lagebericht: Russland sei im Donbass schlichtweg zahlenmäßig überlegen, die Einnahme von Bachmut sei deshalb nur eine Frage der Zeit.

Nächster „Pyrrhussieg“ für Putin? Ukrainisches Militär erleidet Verluste im Donbass

Update vom Freitag, 20. Januar, 14.45 Uhr: Der Bundesnachrichtendienst (BND) ist einem Bericht des Spiegels zufolge alarmiert über die Verluste der ukrainischen Armee in der ostukrainischen Stadt Bachmut. Die ukrainische Armee verliere im Kampf gegen die russischen Truppen in Bachmut täglich eine dreistellige Zahl von Soldaten, berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf ihm vorliegende Informationen. Die Einnahme von Bachmut durch die Russen hätte erhebliche Folgen, da sie Russland einen weiteren Vormarsch ermöglichen würde, warnte der BND. Die Informationen sind nicht auf unabhängige Weise prüfbar.

Update vom Donnerstag, 19. Januar, 13.44 Uhr: Nachdem die russische Armee die Bergbaustadt Soledar erobert hat, geht es nun offenbar um die Einkesselung der Stadt Bachmut. Doch dies gestaltet sich schwierig. Das ZDF berichtet, dass die ukrainischen Truppen durch einen geordneten Rückzug aus Soledar mittlerweile gut auf russische Bachmut-Angriffe vorbereitet sind.

Insbesondere die Straße M-03, die als wichtige Versorgungsroute gilt, könnte das Ziel der Luftwaffe werden. Dem Bericht nach ist diese jedoch durch das ukrainische Militär gesichert. Neben diesem Aspekt könnten die schweren Verluste aus der Schlacht um Soledar zum Problem für den Kreml werden. Mittlerweile mangelt es an gut ausgebildeter Infanterie, wie es im ZDF-Bericht weiter heißt.

Gleichzeitig kommt in Moskau offenbar Unruhe auf: Jewgeni Prigoschin, bekannt als Chef der Söldnergruppe „Wagner“, ist wohl verärgert über die Kommunikation des Kreml. Präsident Wladimir Putin lobte nach der Einnahme von Soledar im russischen Staatsfernsehen vor allem die eigenen Soldaten und ihren Heldenmut. Kein Wort verlor er hingegen über die „Wagner“-Söldner, die maßgeblich am russischen Erfolg im Donbass beteiligt waren.

Prigoschin reagierte auf die Kreml-Kommunikation mit eigener Propaganda. Aus einem Lagebericht des Thinktanks „Institute for the Study of War“ geht hervor, dass Prigoschin an alle an der Soledar-Eroberung beteiligten „Wagner“-Söldner Ehrenmedaillen verliehen hat. Dies verbreitete er unter anderem auf eigenen Telegram-Kanälen.

Russland erobert Soledar im Ukraine-Krieg – und erleidet schwere Verluste

Update vom Mittwoch, 18. Januar, 14.30 Uhr: Es mehren sich die Hinweise, dass die russische Armee tatsächlich die Stadt Soledar im Donbass besetzt hat. Nachdem es aus dem Kreml vermehrt geheißen hatte, das Gebiet stehe unter Russlands Kontrolle, erklärte das nun der Kommandeur einer ukrainischen Drohneneinheit auf Telegram.

„Ab 17.30 Uhr haben feindliche Angriffseinheiten die Industriezone in der Nähe der Mine Nummer 7 besetzt, die sich an der Verwaltungsgrenze der Stadt Soledar befindet und deren westlichen Stadtrand ist“, teilte er mit. Dennoch gebe es weiterhin schwere Kämpfe, führte er aus. Die Frontlinien hätten sich lediglich in Richtung der Stadtgrenze verschoben.

Russland im Ukraine-Krieg: Satellitenaufnahmen zeigen Zerstörung

Nach zahlreichen russischen Raketenangriffen gleicht Soledar einem Trümmerhaufen mit Kratern. Die Infrastruktur liegt brach, viele Wohnhäuser wurden zerstört. Das berichten zahlreiche internationale Hilfsorganisationen. Auch Satellitenaufnahmen des US-Unternehmens „Maxar Technologies“ bestätigen dies. Mehrere Fotos zeigen beispielsweise zerstörte Gebäude, darunter eine Schule.

Putin zwischen PR-Schlacht und „Pyrrhussieg“ – Russland hat ein neues Kriegsziel

Update vom Dienstag, 17. Januar, 13.45 Uhr: Um die Stadt Soledar im Osten der Ukraine gibt es weiterhin schwere Kämpfe. Nach wiederholten Mitteilungen der russischen Militärführung und der Söldnergruppe „Wagner“, wonach Soledar längst eingenommen sei, haben sich die vom Kreml installierten Behörden zur Lage geäußert. „Auf dem Territorium der Volksrepublik Donezk haben russische Truppen Soledar befreit“, hieß es in einem Beitrag auf Telegram. Dazu gibt es bislang kein Statement aus Kiew. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte lediglich am Montagabend in einer Ansprache, dass die russische Armee verstärkt die Region um die Städte Soledar und Bachmut belagere. „Wir werden sehen, was Russland hier vorbereitet“, so Selenskyj.

Der Kampf um Soledar entwickelt sich immer mehr vom militärischen Schauplatz zur PR-Schlacht. Fachleute des Thinktanks „Institute for the Study of War“ bezeichneten Russlands Vorgehen zuletzt als „zermürbend“ und „taktisch“. Die Einnahme der ostukrainischen Stadt verkomme zum „Pyrrhussieg“ (s. Erstmeldung). Kommandeur Waleri Gerassimov, erst kürzlich von Putin zum Befehlshaber der russischen Streitkräfte ernannt, verkündete am Freitag, dass man den Donbass bis spätestens März einnehmen wolle. Laut Angaben des ukrainischen Geheimdienstes ist zudem eine Sicherheitszone von Russland geplant, wie ein Sprecher der Ukrainska Pravda sagte. Weitere Details wurden nicht genannt.

Russland im Ukraine-Krieg: Truppen greifen Soledar an

Erstmeldung vom Freitag, 13. Januar, 11.00 Uhr: Donezk/Moskau – Russland greift derzeit verstärkt den Donbass im Osten der Ukraine an. Insbesondere die Stadt Soledar (Oblast Donezk) rückt in den Fokus, sie liegt nahe der umkämpften Stadt Bachmut. Soledar gilt als strategisch wichtiger Zugang für das russische Militär, um ukrainische Truppen in Bachmut einzukesseln, wie es in einer Analyse des Thinktanks „Institute for the Study of War“ (ISW) heißt.

Der Kampf um Soledar, und schlussendlich um Bachmut, hat jedoch längst keinen militärtaktischen Hintergrund mehr. Sowohl Soledar als auch Bachmut liegen in Trümmern, zahlreiche Raketenangriffe haben die Städte vielerorts unbewohnbar gemacht. Darunter hat auch die Infrastruktur stark gelitten. Vielmehr geht es dabei um Symbolpolitik. Russland möchte offenbar einen Sieg, nach zahlreichen Niederlagen, erringen. Wladimir Putins Ziel, den Donbass komplett einzunehmen, scheiterte bereits mehrfach. Jewgeni Prigoschin, Chef der Söldnertruppe „Wagner“ und bekannt als „Putins Koch“, bestätigte jüngst, dass es in der Region Bachmut vor allem um die Abnutzung ukrainischer Kräfte gehe.

Russland und Ukraine kämpfen um Soledar: Erwartet Putin einen „Pyrrhussieg“?

Einer weiteren Einschätzung der ISW-Fachleute zufolge ist es den russischen Truppen wohl gelungen, Soledar im Ukraine-Krieg einzunehmen. „Die russischen Streitkräfte haben Soledar wahrscheinlich erobert, nachdem sie erhebliche Ressourcen für einen äußerst zermürbenden taktischen Sieg eingesetzt hatten“, heißt es in der Analyse. Grundlage der Einschätzung sind gelokalisierte Aufnahmen des Instituts. Wie von den Expertinnen und Experten angesprochen, häufen sich auch in dieser Region die schweren Verluste des russischen Militärs. Laut ISW-Angaben handle es sich um einen „Pyrrhussieg“. Ein „Pyrrhussieg“ ist ein Sieg, mit welchem hohe Opferzahlen einhergehen.

Die Einschätzung des ISW bestätigten bislang weder die Regierung in Kiew noch die Regierung in Moskau. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sicherte den ukrainischen Truppen hingegen am Donnerstagabend (12. Januar) neue Unterstützung zu, es handle sich um eine „schwierige“ Lage.

Im Vergleich dazu hieß es von russischer Seite, dass man enorme Fortschritte im Oblast Donezk mache. Igor Konaschenkow, Sprecher des Verteidigungsministeriums, erklärte laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur TASS, dass die russischen Truppen Soledar von Norden und Süden her abgeriegelt hätten und innerhalb der Stadt Kämpfe stattfänden.

Kämpfe in Soledar im Ukraine-Krieg: Wagner-Chef behauptet Einnahme – Ukraine dementiert

Dies bestätigte am Freitagmorgen auch das ukrainische Verteidigungsministerium. „Es war eine heißt Nacht in Soledar. Die Kämpfe gingen weiter“, teilte die stellvertretende Verteidigungsministerin, Ganna Maljar, mit. Dem widersprach wiederum „Wagner“-Chef Prigoschin: Er behauptete Soledar sei längst eingenommen. Keine dieser Aussagen lässt sich tatsächlich auf unabhängige Weise verifizieren, sie stammen mehrheitlich von Kriegsparteien im Ukraine-Konflikt. (tu)

Rubriklistenbild: © Nicolas Cleuet / Le Pictorium / Imago Images

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