VonFriederike Hilzschließen
Nach der Geburt als Familie zusammenfinden, das wünschen sich viele Eltern. Arbeitgeber:innen machen ihnen einen Strich durch die Rechnung.
Eine Befragung von über 1000 deutschen Unternehmen zeigt, dass Paaren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer noch schwergemacht wird. Bezahlter Sonderurlaub, um Partner:in und Kind nach der Geburt zu unterstützen? Das gibt es in viel zu vielen Unternehmen gar nicht. Dabei ist das Wochenbett oft keine einfache Zeit, wie hier Mütter erzählen.
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend plant deshalb die Einführung einer sogenannten Familienstartzeit. Diese würde es Partner:innen ermöglichen, sich die ersten zehn Arbeitstage nach der Geburt des Kindes freistellen zu lassen – bei vollem Lohnausgleich. Im Auftrag des Bundesministeriums führte das Institut für Demoskopie Allensbach eine Unternehmensbefragung zur Familienstartzeit durch.
BuzzFeed News Deutschland hat die Ergebnisse für dich zusammengefasst:
Väter und Partner:innen können Mütter nach der Geburt selten unterstützen
Eine Geburt ist wahnsinnig anstrengend und manchmal auch ein traumatisches Erlebnis, wie die Erfahrungen einiger Mütter zeigen. Dennoch können Partner:innen Mutter und Baby danach oft nicht ausreichend unterstützen. Die Befragung von mehr als 1000 deutschen Unternehmen zeigt, dass fast die Hälfte keinen Sonderurlaub anbietet (44 Prozent). Selbst wenn die Möglichkeit besteht, sind es meistens nur ein oder zwei Tage, die sich Eltern freistellen lassen können – nicht gerade viel Zeit für eine neue Familie. Lediglich vier Prozent aller befragten Firmen bieten mehr als zwei Tage Sonderurlaub an.
Das Problem: Bisher ist diese Leistung freiwillig, das heißt, Arbeitgeber:innen sind, anders als beim Thema Mutterschutz, nicht gesetzlich dazu verpflichtet, Partner:innen bezahlten Sonderurlaub zu ermöglichen. Besonders auffällig ist, dass eine Freistellung vor allem in kleineren Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten eher selten angeboten wird.
Wie andere Länder Elternzeit und Mutterschutz regeln, erfährst du hier.
Ist die geplante Familienstartzeit die Lösung?
„Natürlich ermöglichen wir alles, damit unsere Mitarbeiter Familie und Beruf unter einen Hut bekommen“, erklärt ein Unternehmen in der Befragung. Ähnliches schreiben sich auch andere befragte Firmen auf die Fahne. Doch reichen diese Bemühungen aus?
Immer noch belastet das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ Frauen mehr als Männer, das zeigt eine repräsentative Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung aus dem Jahr 2023. Laut der Studie würden die Lebensbereiche Freizeit, Job und Familie bei Frauen „stärker miteinander konkurrieren“. Auch Eltern bleibt häufig wenig Freizeit. Die vom Bundesfamilienministerium geplante Familienstartzeit würde neben anderen Angeboten wie Kita-Zuschüsse, flexiblen Arbeitszeiten und Home-Office zumindest eine weitere, kleine Entlastung bringen.
Rubriklistenbild: © Pond5 Images/IMAGO


