VonSandra Katheschließen
Die US-Luftwaffe hat die Verlegung mehrerer F-22-Jets in den Nahen Osten angekündigt, um „Unterstützung und Leistungsfähigkeit“ in der Region zu demonstrieren.
Damaskus/Washington, D.C. – Infolge von zunehmend „aggressivem und unprofessionellem Verhalten“ russischer Luftstreitkräfte hat das US-Militär F-22-Jets in den Nahen Osten entsendet. Das teilte der zentrale US-Luftwaffenstreitkräfteverband AFCENT mit und gab an, mit der Verlegung der Truppen Unterstützung für die Koalitionsstaaten der USA im Nahen Osten demonstrieren zu wollen, mit dem Ziel, damit „Frieden und Stabilität“ in der Region zu fördern. Darüber berichtete auch das aus Militärnachrichten spezialisierte US-Medium The Drive.
Dessen Berichten zufolge sind die „Raptor“-Jets auf öffentlich zugänglichem Bildmaterial bereits Anfang der Woche im Umfeld der Muwaffaq Salti Air Base in Jordanien beobachtet worden. Das blieb von US-Behörden bislang unkommentiert, erscheint aber Militärfachleuten plausibel. Dem Bericht nach gelte die Air Base seit längerem als einer der Haupt-Stützpunkte des US-Militärs im Nahen Osten.
Verlegung von Kampfjets in den Nahen Osten: US-Luftwaffen-Vertreter nennt Gründe
In einer Stellungnahme im Rahmen eines Technologie-Forums des auf Sicherheitsthemen spezialisierten Online-Mediums Defense One hatte sich auch AFCENT-Chef Generalleutnant Alexus Grynkewich zu Wort gemeldet und mehrere mögliche Begründungen für das Verhalten der russischen Piloten geliefert. Ihm zufolge hingen die gesteigerten Aktivitäten Russlands über Syrien auch mit der russisch-iranischen Zusammenarbeit im Rahmen des Ukraine-Kriegs zusammen.
Seiner Einschätzung nach ließen die russischen Aktivitäten, die auch iranische Interessen im Nahen Osten verträten, darauf schließen, dass Russland, das im Zuge des Ukraine-Kriegs zunehmend iranische Kampfdrohnen erwirbt, sich der iranischen Regierung gegenüber „verpflichtet“ fühle. Geheimdiensten zufolge gäbe es etwa Erkenntnisse, dass Russland und Iran gemeinsam an einer Erweiterung von Produktionskapazitäten arbeiten.
Zunehmend Spannungen im Nahen Osten: US-Militär nennt Beispiel für Zwischenfälle
„Diese Dynamik resultiert meiner Einschätzung nach in einer Art Vereinbarung zwischen Russland und Iran, die beide Interessen daran haben, unsere Leute aus Syrien zu verdrängen“, zitiert The Drive AFCENT-Chef Grynkewich. „Dafür arbeiten beide Staaten auch mit dem syrischen Regime zusammen“. Die US-Streitkräfte unterstützen im Kontext Syrien vor allem Koalitionsaktivitäten, die sich gegen die Terror-Vereinigung IS richten.
Als Beispiel für das in Dutzenden Fällen angeprangerte „aggressive und unprofessionelle Verhalten“ russischer Piloten führte Grynkewich etwa einen Vorfall an, der sich bereits im März 2023 ereignet hatte. Dabei sei ein russischer Su-27-Jet über dem Schwarzen Meer mit einer Drohne vom Typ Mq-9-Reaper kollidiert, was die Drohne zum Absturz gebracht hätte. Zuvor wären die russischen Piloten der US-Drohne mehrfach gefährlich nahe gekommen und hätten über ihr Benzin abgelassen. Nachdem die russische Militärführung den Vorfall entschieden bestritten hatte, so berichten es die USA, hätte der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu die beteiligten Piloten wenig später mit Orden ausgezeichnet.
Nach Grynkewichs Einschätzung bergen Vorfälle wie dieser auch weltweit Gefahren: „Wenn man hergeht und russischen Kampfpiloten Orden dafür gibt, dass sie eine Drohne mit Gas übergießen und sie dann durch eine Kollision überm Schwarzen Meer zum Absturz bringen, bedingt man damit auch, dass russische Piloten an anderen Einsatzorten auf ähnliche Ideen kommen. Etwa in Syrien“. Die Stationierung weiterer Jets sei eine Möglichkeit, solchen Entwicklungen entgegenzuwirken. (saka)
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