Spionage aus Russland? Vermehrte Drohnensichtungen über Bundeswehr-Standorten alarmieren Ampel
VonMarcus Giebel
schließen
Der Politik drängt sich der Verdacht auf, dass Russland über Drohnen Bundeswehr-Standorte ausspioniert. Der Fokus liegt wohl auf Moskaus Kriegsgegner.
Berlin – Ein neues Phänomen sind sie nicht mehr. Aber die Drohnensichtungen über Truppenübungsplätzen der Bundeswehr nehmen offenbar zu. Im Wochentakt bekommen die militärischen Sicherheitsbereiche, also auch die Kasernen, Besuch der Flugobjekte, berichtet die Bild.
Drohnensichtungen bei der Bundeswehr: Verdacht fällt auf Russland
Für Politiker aller Ampel-Parteien ist das ein Alarmsignal. Denn – auch wenn es dafür keine Beweise gibt – geht die Befürchtung um, Russland würde die Drohnen in diese besonders geschützten Gebiete schicken. Mit dem Ziel, die Bundeswehr und damit Deutschland auszuspionieren.
Auffällig ist demnach, dass vor allem Standorte betroffen sind, an denen die Bundeswehr Ukrainer ausbildet, damit diese sich im Ukraine-Krieg den russischen Invasoren erwehren können. Moskau würde natürlich nur zu gerne wissen, wie der überfallene Nachbar mit den westlichen Militärgeräten umzugehen weiß.
Spioniert Russland die Bundeswehr aus? „Teilweise dringen mehrere Drohnen zeitlich in Luftraum ein“
Die Tagesschau hatte in diesem Zusammenhang im vergangenen Sommer von Ermittlungen der Truppe wegen ungeklärter Drohnenflüge über dem Truppenübungsplatz in Altengrabow in Sachsen-Anhalt berichtet. Ein Sprecher des Territorialen Kommandos der Bundeswehr habe dem MDR Sachsen-Anhalt mitgeteilt, es habe bis dahin im Jahr 2023 eine hohe zweistellige Zahl von Drohnen-Meldungen über Liegenschaften der Truppe gegeben.
Konkreter wird Marcus Faber gegenüber der Bild: „Über dem Truppenübungsplatz Klietz, wo die Bundeswehr Ukrainer am Leo 1 ausbildet, werden regelmäßig Drohnen gesichtet“, wird der FDP-Verteidigungsexperte zitiert. „Bei anderen Liegenschaften dringen teilweise mehrere Drohnen zeitgleich in den Luftraum ein.“ Seine Schlussfolgerung lautet: „Das ist klar organisiert und weist stark auf Russland hin.“
Festnahme nach Drohnensichtung: Feldjäger greifen Doku-Filmer nahe Bundeswehr-Gelände auf
Dem Bericht zufolge vermutet auch die Bundeswehr Moskau hinter den Flügen. Laut Tagesspiegel spürten Feldjäger im November bei Altengrabow – auf dem Gelände halten sich ebenfalls Ukrainer auf – zwar einen Mann auf, der eine Drohne um das Areal steuerte. Die vorläufige Festnahme erwies sich demnach jedoch als übereilt: Es habe sich lediglich um einen Filmer gehandelt, der Aufnahmen für das Doku-TV-Format „Lost Places“ machte.
Faber sagte der Bild: „Bislang ist es nicht gelungen, eine Drohne oder ihren Piloten festzusetzen.“ Dies habe Nils Hilmer, Staatssekretär von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), vor Abgeordneten zugegeben.
Drohnen über Bundeswehr-Standorten gesichtet: Erste Meldungen in Bayern schon im Jahr 2022
Bereits im Jahr 2022 waren verdächtige Drohnenüberflüge über dem Truppenübungsplatz im bayerischen Wildflecken gemeldet worden. Dort wurden dem Business Insider zufolge ukrainische Soldaten mit gepanzerten Fahrzeugen des Typs Dingo vertraut gemacht.
Zuvor hatte der Spiegel berichtet, der Militärische Abschirmdienst (MAD) habe im Umfeld der Militärstandorte Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz und Grafenwöhr in Bayern verdächtige Fahrzeuge bemerkt. Aus diesen heraus seien vermutlich Zufahrten zu den Kasernen beobachtet worden. Auch hier seien damals Ukrainer trainiert worden.
Bundeswehr reagiert auf Drohnensichtungen: Task Force muss noch Zuständigkeiten klären
Im Oktober 2022 warnte Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer vor „Aufklärungsflügen mit Drohnen vor Kasernen“. Gut ein Jahr später, im November 2023, gründete die Bundeswehr die „Task Force für Kleindrohnen“. Geleitet wird sie von Brigadegeneral Wolfgang Jordan vom Heereskommando.
Noch gibt es aber keine greifbaren Ergebnisse. Vielmehr müssten erst die Zuständigkeiten mit den Innenministerien geklärt werden. So soll es der Pistorius-Vertraute Hilmer den Abgeordneten erklärt haben. Mit anderen Worten: Zunächst müssen noch bürokratische Hürden überwunden werden.
Drohnen über Bundeswehr-Gelände gesichtet: FDP-Politiker sieht „einen Riesennachholbedarf“
Die Verteidigungsexperten der Ampel-Parteien mahnen jedoch, auf die Tube zu drücken. „Es kann nicht sein, dass der Generalinspekteur feststellt, dass es ein massives Problem mit Drohnen gibt, dann aber ein Jahr lang nichts passiert“, kritisiert Andreas Schwarz von der SPD: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Russland Truppenübungsplätze mit Drohnen ausspioniert und wir verheddern uns im Zuständigkeits-Wirrwarr.“
Schleudersitz ade? Von Scharping bis Pistorius – wer im Bendlerblock das Sagen hat
Grünen-Politiker Sebastian Schäfer pflichtete bei: „Es gibt keine Drohnenstrategie. Wir brauchen sie dringend.“ Faber sieht bei dem Thema Drohnen „einen Riesennachholbedarf“. In den nächsten Monaten müsse die Task Force Ergebnisse liefern.
Zudem betont der FDP-Politiker: „Unsere Armee braucht moderne Jammer.“ Bei diesen handelt es sich um Störsender, die es schwierig bis unmöglich machen, Funksignale einwandfrei zu empfangen. So können Drohnen zur Umkehr oder zu einer Notlandung gezwungen werden. Die Bundeswehr nutzt bislang den Typ HP-47, es sollen aber neue Geräte beschafft werden. (mg)