Spionage

Ukraine deckt Spionagering aus Ungarn auf – Orbán reagiert

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Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. (Archivfoto)
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Nachdem Ungarn ukrainische Diplomaten ausgewiesen hat, reagiert die Ukraine mit derselben Maßnahme. Hintergrund ist die Aufdeckung eines ungarischen Spionagerings.

Kiew – Um die diplomatischen Beziehungen zwischen der Ukraine und Ungarn steht es aktuell nicht zum besten. Ursache ist die Festnahme von zwei mutmaßlichen ungarischen Spionen, die der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU festgenommen hat. Sie sollen sensible militärische Informationen im Ukraine-Krieg nach Ungarn weitergegeben haben. Nach dem ukrainischen Vorwurf, die Beschuldigten hätten in der an Ungarn grenzenden westukrainischen Region Transkarpatien unter anderem Informationen über Standorte von Luftabwehrsystemen gesammelt, kündigte Budapest am Freitag (9. Mai) die Ausweisung von zwei ukrainischen Diplomaten an. Die Ukraine verfügte darauf ihrerseits die Ausweitung zweier ungarischer Diplomaten.

„Zum ersten Mal in der Geschichte der Ukraine hat der Inlandsgeheimdienst ein ungarisches Militärgeheimdienstnetzwerk aufgedeckt, das Spionageaktivitäten zum Nachteil unseres Staates unternommen hat“, teilte der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU im Onlinedienst Telegram mit. Bei den Festgenommenen handelt es sich den Angaben zufolge um einen 40-jährigen Mann und eine Frau, die einem ungarischen Geheimdienstoffizier unterstanden.

Ehemalige ukrainische Soldaten sollen für Ungarn spioniert haben

Der verdächtige Mann hatte laut SBU von dem ungarischen Offizier Geld erhalten und versucht, mindestens zwei Menschen als Informanten zu rekrutieren. Außerdem hätten sie „die sozio-politischen Sichtweisen der örtlichen Einwohner“ ausgekundschaftet, insbesondere mit Blick auf „Szenarien ihres Verhaltens im Fall eines Einmarschs ungarischer Truppen in der Region“. Beide Beschuldigten waren früher ukrainische Soldaten, denen nun lebenslange Haftstrafen drohen.

Die Reaktion aus Budapest ließ nicht lange auf sich warten: „Wir haben heute zwei Spione ausgewiesen, die unter diplomatischer Tarnung in der ukrainischen Botschaft in Budapest gearbeitet haben“, schrieb der ungarische Außenminister Peter Szijjarto auf Facebook. Zudem verurteilte er Kiews „Verleumdungskampagnen“ gegen Budapest und „zunehmende anti-ungarische Propaganda“.

Die Ukraine reagierte ihrerseits auf die Ausweisung der beiden ukrainischen Diplomaten und wies zwei ungarische Diplomaten aus.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán steht Russland nahe

In der ukrainischen Region Transkarpatien leben laut der jüngsten offiziellen Zählung im Jahr 2001 etwa 150.000 ethnische Ungarn. Die Beziehungen zwischen den Nachbarländern Ungarn und Ukraine sind schon länger angespannt. In der Vergangenheit hatte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán dem Nachbarn vorgeworfen, die Rechte der ungarischen Minderheit zu missachten. Orbán gehört zu den wenigen EU-Regierungschefs, die dem Kreml nahestehen und jegliche militärische Hilfe für die Ukraine im Krieg gegen die russische Invasion ablehnen. Auch lehnt er einen Beitritt der Ukraine zur EU ebenso ab wie die westlichen Sanktionen gegen Russland. (mit afp)

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