Brisanter Bericht aus Davos: Merz startet offenbar gewagtes Manöver
VonNils Thomas Hinsberger
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Paula Völkner
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Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist in vollem Gange. CDU-Chef Friedrich Merz äußert sich zum Ukraine-Krieg – und nimmt eine Einladung von Blackrock an.
Update vom 21. Januar, 20.19 Uhr: Sollte Friedrich Merz nach der anstehenden Bundestagswahl 2025 als Bundeskanzler regieren, will er die Zusammenarbeit mit Italiens rechter Ministerpräsidentin Gorgia Meloni intensivieren. „Ich verstehe die Vorbehalte ihr gegenüber nicht“, sagte Merz in einem Gespräch mit WEF-Präsident Borge Brende auf dem Wirtschaftsforum in Davos. „Ich glaube, sie ist sehr proeuropäisch.“ Weil sie eine klare Haltung im Ukraine-Krieg habe und für eine regelbasierte Ordnung in der EU stehe, frage er sich: „Warum sprechen wir nicht öfter mit ihr als in der Vergangenheit“.
Update vom 21. Januar, 20.06 Uhr: Friedrich Merz beschrieb die Vereinigten Staaten unter der Führung von Donald Trump als einen „interessanten Partner“. Im Dialog mit WEF-Präsident Borge Brende äußerte der Kanzlerkandidat der Union: „Ich denke, er (Donald Trump, Anm. d. R.) wird bereit sein, auch mit den Europäern Geschäfte zu machen.“ Merz betonte: „Er ist ein Dealmaker, also lasst uns darüber nachdenken, was wir anbieten können.“
Als potenzielle Handelsmöglichkeiten nannte er den Import von Flüssiggas und Rüstungsgütern. Letzteres begründete er damit, dass die Rüstungsindustrie in der EU nicht stark genug sei. „Wenn wir schon militärische Ausrüstung aus den USA beziehen müssen, warum bündeln wir unsere Einkäufe dann nicht auf europäischer Ebene? Es gibt so viel, was wir auf europäischer Seite tun können.“
Weltwirtschaftsforum in Davos: Merz bereit für Treffen mit US-Präsident Donald Trump
Update vom 21. Januar, 19.39 Uhr: Nachdem Donald Trump das Amt des US-Präsidenten übernommen hat, betont CDU-Vorsitzender Friedrich Merz die Notwendigkeit, dass die EU eine einheitliche Haltung einnehmen sollte. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erklärte er außerdem seine Bereitschaft, Trump „so schnell wie möglich zu treffen“. Er knüpft dies jedoch an eine Voraussetzung: „Sobald wir eine gemeinsame europäische Position haben, werden wir als ein starker Partner gesehen.“
Update vom 21. Januar, 19.20 Uhr: Beim Weltwirtschaftsforum in Davos äußerte der Kanzlerkandidat der Union, Friedrich Merz, Kritik an der unzureichenden Unterstützung des Westens für die Ukraine nach dem russischen Angriff im Jahr 2022. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert Merz mit den Worten: „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieser Krieg hätte beendet werden können, wenn wir sie vorher besser unterstützt hätten“.
Er warnte insbesondere mit Blick auf die USA vor einer „kritischen Phase“. Im anstehenden Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wolle Merz betonen, dass Deutschland verlässliche Unterstützung anbieten werde. Merz ist der Ansicht, dass der Ukraine-Krieg nur „aus einer Position der Stärke“ heraus beendet werden könne.
Abendessen mit Blackrock? Merz auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos
Update vom 21. Januar, 18.30 Uhr: Ein gewagtes Manöver: Friedrich Merz, Kanzlerkandidat der Union, soll am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos an einem Abendessen des Investmentriesen Blackrock teilnehmen. Der Spiegel berichtete, dass Merz bei dieser Gelegenheit für Deutschland als Wirtschaftsstandort werben wolle, wie es aus dessen Umfeld geheißen haben soll.
Merz und Blackrock haben eine gemeinsame Vergangenheit, da der CDU-Vorsitzende dort als Aufsichtsrat tätig war. Diese Verbindung hatte ihm im Vorfeld der kommenden Bundestagswahl bereits Kritik eingebracht. Personen aus dem Umfeld von Merz betonten, dass der Gastgeber dieser Einladung für den potenziellen künftigen Bundeskanzler keine Rolle spiele.
Update vom 21. Januar, 16.02 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte in seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos die Notwendigkeit, dass Europa den Fokus auf die Sicherung von Frieden und Sicherheit sowohl für seine Mitgliedsstaaten als auch für andere legt. Er kritisierte: „Obwohl das wirtschaftliche Potenzial Russlands insgesamt viel kleiner ist als das Europas, produziert Russland ein Vielfaches an Munition und militärischer Ausrüstung als ganz Europa zusammen.“
Zudem äußerte Selenskyj Bedenken hinsichtlich des Engagements der USA unter Donald Trump für die Sicherheit Europas. Er stellte die Frage: „Wird Präsident Trump Europa überhaupt beachten? Hält er die Nato für notwendig?“ und fügte hinzu: „Und wird er die europäischen Institutionen respektieren?“ Weiter erklärte der ukrainische Präsident, Kiew bereite bereits ein Treffen mit Trump vor. Ein Termin stehe noch nicht fest, aber: „Die Teams arbeiten an einem Treffen.“
Scholz‘ Rede in Davos: Kanzler lobt deutsche Ukraine-Unterstützung – „Weg zu einem gerechten Frieden“
Update vom 21. Januar, 15.04 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz betonte in seiner Rede in Davos die Bedeutung der Unverletzlichkeit von Grenzen. „Wer dieses Prinzip in Frage stellt, der stellt die internationale Ordnung insgesamt in Frage. Der stellt Frieden und Wohlstand in Frage – und zwar auch weltweit“, sagte der Kanzler beim Weltwirtschaftsforum. Neben der Situation im Nahen Osten steht der Krieg in der Ukraine im Mittelpunkt des Treffens am Dienstag.
Scholz hob hervor, dass Russlands Krieg in der Ukraine bisher erfolglos geblieben sei, was auch der Unterstützung durch Deutschland zu verdanken sei. „Diese Unterstützung ist und bleibt der Weg hin zu einem echten, gerechten Frieden für die Ukraine.“ Er betonte, dass die Bedingungen für ein Ende des Ukraine-Krieges nicht ohne die Ukrainerinnen und Ukrainer festgelegt werden dürften.
Scholz-Rede in Davos: Kanzler betont Zusammenarbeit mit den USA unter Trump und kritisiert Musk
In Bezug auf die zweite Amtszeit des US-Präsidenten Donald Trump erklärte Scholz, dass die USA weiterhin ein enger Verbündeter Deutschlands bleiben sollten. Er werde sich dafür einsetzen, da dies im beiderseitigen Interesse liege. Gleichzeitig warnte er vor falschem „Anbiedern oder Nach-dem-Mund-Reden“. Trotz der Herausforderungen, die Trump und seine Regierung mit sich bringen könnten, versicherte Scholz: „Mit all dem können und werden wir umgehen.“ Eine enge Kooperation zwischen Europa und den USA sei entscheidend für globalen Frieden und Sicherheit sowie für wirtschaftlichen Erfolg.
Donald Trumps Kabinett: Liste voller skandalöser Überraschungen
Scholz kritisierte jedoch die Einmischung von Elon Musk in die deutsche Innenpolitik. Der Tech-Milliardär hatte sich auf seiner Plattform X sowohl in den deutschen Wahlkampf als auch in die Innenpolitik anderer europäischer Länder eingemischt. Scholz kommentierte auch die Hitlergruß ähnliche Geste von Musk nach der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump. In Europa und Deutschland könne zwar jeder frei seine Meinung äußern, „auch wenn er ein Milliardär ist“, sagte Scholz auf eine Frage nach der Grußgeste aus dem Publikum. Doch es gelte: „Was wir nicht akzeptieren, ist, wenn damit rechtsextreme Positionen unterstützt werden.“ Das wolle er ausdrücklich betonen.
Erstmeldung: Davos – Am Dienstag (21. Januar) stehen beim Weltwirtschaftsforum in Davos unter anderem der Krieg in der Ukraine und die Situation im Nahen Osten im Fokus. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird als Redner erwartet. Auch der israelische Präsident Izchak Herzog wird am Nachmittag sprechen – unter den Eindrücken der jüngsten Geiselfreilassungen und der fragilen Waffenruhe im Gazastreifen.
Selenskyj spricht in Davos: Ukraine-Krieg im Fokus beim Weltwirtschaftsforum
Das 55. Weltwirtschaftsforum in Davos versammelt zahlreiche Staats- und Regierungschefs, führende Unternehmensvertreter und einflussreiche Nichtregierungsorganisationen. Das diesjährige Motto lautet: „Zusammenarbeit für das intelligente Zeitalter.“ Selenskyj wird um 14.30 Uhr sprechen – und voraussichtlich eindringlich die Bitte um internationale Unterstützung für die ukrainische Armee im Kampf gegen Russland wiederholen.
Weltwirtschaftsforum nach Trumps Amtseinführung: Rede von US-Präsident per Live-Schalte am Donnerstag
Der Beginn des Programms in Davos fällt auf den Tag nach der Amtseinführung von US-PräsidentDonald Trump. Der Beginn der zweiten Amtszeit des Republikaners wird wohl ebenso eine zentrale Rolle bei dem Treffen in der Schweiz spielen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat in ihrer Rede am Dienstag den neuen US-Präsidenten bereits vor einem Handelskrieg mit Europa gewarnt und Verhandlungsbereitschaft signalisiert. „Es gibt keine anderen Volkswirtschaften in der Welt, die so eng miteinander verflochten sind wie wir“, sagte die deutsche Spitzenpolitikerin. Am Donnerstag wird eine Rede von Donald Trump per Live-Schalte erwartet.
Merz, Habeck und Scholz sprechen beim Wirtschaftsforum in Davos
Auch Bundeskanzler Olaf Scholz wird beim 55. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums sprechen. Er wird um 14 Uhr, vor Selenskyj, das Wort ergreifen. Später wird auch der Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz, der als Oppositionsführer im Bundestag angekündigt ist, eine Rede halten. Scholz äußerte zuletzt, er erwarte nicht, dass der zukünftige US-Präsident Trump die militärische Unterstützung für die Ukraine einstellen werde. Auch innerhalb der deutschen Bundesregierung führten die Ukraine-Hilfen in den letzten Tagen jedoch zu Spannungen.
Scholz plant, die Schuldenbremse für die Finanzierung von drei Milliarden Euro an zusätzlichen Hilfen für die Ukraine aufzuheben. Die Union, die FDP und die Grünen, sein verbliebener Koalitionspartner, streben an, zusätzliche Waffenlieferungen an die Ukraine über eine außerplanmäßige Haushaltsausgabe zu finanzieren. Außenministerin Annalena Baerbock warnte Scholz davor, dieses Thema im Wahlkampf vor der Bundestagswahl am 23. Februar zu instrumentalisieren. Neben Merz und Scholz wird am Mittwoch auch der Spitzenkandidat der Grünen, Robert Habeck, in Davos sprechen, womit das Trio der männlichen Kanzlerkandidaten komplett wäre. (pav mit dpa)