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Tech-Milliardär Elon Musk ist Herrscher über die Satellitenkommunikation der Ukraine – sorgt in Kiew und Washington mit seiner Macht aber für Unmut.
Kiew – Ein ukrainisches Datenzentrum war eines von Putins ersten Zielen im Ukraine-Krieg. Die Mission: Die militärische Kommunikation der Ukraine ausschalten. Dies gelang Russland zunächst auch, wie der ukrainische Vize-Minister für digitale Transformation, Alex Bornyakov, im vergangenen Jahr verriet.
Dann aber trat Tech-Milliardär Elon Musk auf den Plan: Der SpaceX-Chef stellte der Ukraine 18.000 Starlink-Satelliten zur Verfügung. Kiews Kommunikation war wieder aufrecht – und die Truppen der Ukraine halten dem russischen Angriff weiter stand. Nun wurde bekannt, dass Musk den Zugang der Ukraine zu Starlink im vergangenen Jahr zeitweise absichtlich blockierte, um Russland zu helfen.
Elon Musk schränkte Starlink-Zugang der Ukraine ein – US-Kongress ermittelt
Im vergangenen Jahr blockierte Musk absichtlich den Zugang der Ukraine zu Starlink, um einen Angriff auf russische Kriegsschiffe vor der Halbinsel Krim zu verhindern, wie er selbst auf seiner Plattform X (vormals Twitter) zugab. Die am Dienstag erschienene Musk-Biografie des Journalisten Walter Isaacson hatte erstmals von dem Vorfall berichtet, mehreren Medien waren Auszüge bereits vor Veröffentlichung vorgelegen.
Der Kongress in den USA könnte den Starlink-Vorgang nun bald untersuchen. „Der Kongress muss untersuchen, was hier passiert ist und ob wir angemessene Instrumente haben, um sicherzustellen, dass die Außenpolitik von der Regierung und nicht von einem Milliardär betrieben wird“, sagte die demokratische US-Senatorin Elizabeth Warren am Montag (11. September) in Washington, wie das Portal Bloomberg berichtete. Demnach soll es am kommenden Mittwoch ein Treffen zwischen dem Tech-Milliardär, anderen Vertretern der Tech-Branche sowie US-Senatoren im Kapitol in Washington geben.
Musk hatte sein Vorgehen mit der Tatsache begründet, dass er US-Bürger sei und sich daher nicht als Verräter sehe. „Der Kongress der Vereinigten Staaten hat Russland nicht den Krieg erklärt. Wenn jemand verräterisch ist, dann sind es diejenigen, die mich so nennen“, so der Milliardär weiter. SpaceX wäre mit der Aktivierung der Satelliten in eine größere Kriegshandlung und Eskalation verwickelt worden, so der Starlink-Chef über seine Entscheidung.
Putin lobt Musk öffentlich – Berichte sprechen von geheimem Telefonat mit Kremlchef
Elon Musk ist der Herrscher über die militärische Kommunikation der Ukraine. So viel Macht in der Hand nur einer Privatperson kann gefährlich werden. Insbesondere, wenn dieser Mann in der Vergangenheit mehrfach durch erratisches Verhalten auffiel und offenbar anfällig für Verschwörungstheorien ist. Musk sei „süchtig nach Risiko und Drama“, schreibt Isaacson in seiner Biografie über den Tesla- und SpaceX-Chef. Musks emotionale Verfassung schwanke „zwischen hartherzig, bedürftig und überschwänglich“, heißt es weiter. Nicht unbedingt ideale Grundvoraussetzungen, um im Ukraine-Krieg das Zünglein an der Waage zu sein.
Welche Sonderposition Musk im Ukraine-Krieg einnimmt, zeigt auch eine Äußerung des früheren hochrangigen Pentagon-Mitarbeiters Colin Kahl. „Obwohl Musk technisch gesehen kein Diplomat oder Staatsmann ist, hielt ich es für wichtig, ihn angesichts seines Einflusses in dieser Angelegenheit als solchen zu behandeln“, teilte Kahl dem US-Magazin New Yorker im August mit. Im vergangenen Jahr hatte Musk die Finanzierung der Satelliten für die Ukraine zeitweise infrage gestellt. In dem Bericht im New Yorker enthüllte Kahl auch, dass Musk und der russische Machthaber Wladimir Putin im vergangenen Jahr ein geheimes Telefonat führten.
Umso bezeichnender ist es in diesem Zusammenhang, dass der Kremlchef am Dienstag beim Eastern Economic Forum fleißig Komplimente an Musk verteilte. Der Gründer von Tesla und SpaceX sei ein „herausragender Mensch“ und „ein aktiver, talentierter Geschäftsmann“, so Putin. „Ich denke, das wird in der ganzen Welt anerkannt.“
Selenskyjs Berater unterstellt Musk „Cocktail aus Ignoranz und Ego“
Nach dem öffentlichen Bekanntwerden der fehlenden Reaktivierung der Starlink-Verbindung bis nach Sewastopol, äußerte sich der ukrainische Präsidentenberater Michailo Podoljak deutlich. Diese Entscheidung sei „mehr als ein Fehler gewesen“, schrieb der Berater vergangene Woche auf X. Musk habe der russischen Flotte erlaubt, Kalibr-Raketen auf ukrainische Städte abzuschießen, Zivilisten und Kinder seien deshalb getötet worden. „Das ist der Preis für einen Cocktail aus Ignoranz und großem Ego“, kommentierte Podoljak und warf die Frage in den Raum: „Warum wollen manche Menschen so verzweifelt Kriegsverbrecher und ihre Mordlust verteidigen?“ Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hatte im März einen Haftbefehl gegen Putin wegen Kriegsverbrechen erlassen.
Elon Musk: Unternehmer und Milliardär




Zuvor hatte sich Kiew zu Musks Gebaren recht bedeckt gehalten. Als der Tech-Milliardär im vergangenen Jahr etwa auf Russlands Propaganda hereinfiel und - offenbar kurz nach dem geheimen Telefonat mit Putin - eine Umfrage über eine vermeintliche Friedenslösung auf X startete, konterte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit Humor und startete seine eigene Erhebung: „Welchen Elon Musk magst du lieber?“, lautete die Frage des Präsidenten auf X und die Antwortmöglichkeit „Den, der die Ukraine unterstützt“ gewann mit fast 80 Prozent der Stimmen klar vor „Den, der Russland unterstützt“.
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