VonFlorian Naumannschließen
Je ein Kreuz gilt es auf den beiden Stimmzetteln zur Landtagswahl in Bayern zu setzen. Die Erststimme zählt dabei anders als bei der Bundestagswahl.
München - Am 8. Oktober ist es Zeit, die Stimme(n) bei der Bayern-Wahl abzugeben - spätestens. Denn die Briefwahl läuft schon seit Ende August. Und wer seine Stimmzettel per Post absendet, sollte ausreichend Zeit für die Zustellung einplanen: „Bereits einige Tage vor dem Wahltag“ solle der Brief verschickt werden, empfiehlt Landeswahlleiter Thomas Gößl.
Höchste Zeit also, sich mit dem richtigen Ausfüllen der Stimmzettel zu befassen. Tatsächlich sollen für die Landtagswahl zwei Dokumente in die Wahlurne oder den Stimmzettelumschlag der Briefwahl - für Erst- und Zweitstimme. Zusätzlich findet am Sonntag die Bezirkswahl statt. Deren Stimmzettel sind blau, die für die Landtagswahl weiß.
Stimmzettel zur Bayern-Wahl richtig ausfüllen: Wie funktioniert der kleine Stimmkreis-Bogen?
Das Kreuz richtig setzen: Der kleinere - beziehungsweise schmalere - der beiden Stimmzettel der Landtagswahl betrifft die Direktkandidaten im Stimmkreis. Die wichtigste Grundregel: Nur ein Kreuz setzen. Beim gewünschten Direktkandidaten oder der gewünschten Direktkandidatin und idealerweise direkt im dafür aufgedruckten Kreis. Werden mehrere Kandidaten angekreuzt, ist der Stimmzettel definitiv ungültig.
Erlaubt ist es auch, eine Person auf dem Zettel zu unterstreichen oder einzukreisen, wie das Bayerische Innenministerium erklärt. Wer allerdings „Zusätze, Bemerkungen oder Vorbehalte“ auf den Stimmzettel schreibt, macht seine Stimme ungültig. Muster-Stimmzettel zeigt etwa der Bezirk Oberbayern auf seinem Web-Angebot.
Das passiert mit der Stimme: Auf diesem Stimmzettel gibt es nur eine/n Vertreter/in pro Partei. Wer von den genannten Personen im Stimmkreis am meisten Stimmen erhält, zieht direkt in den Landtag ein. Die Ausnahme: Erreicht eine Partei nicht die Fünf-Prozent-Marke, bleibt auch ihren etwaig siegreichen Direktkandidaten der Sprung ins Parlament verwehrt. Wichtig: Anders als bei der Bundestagswahl zählt in Bayern die Erst-Stimme auch für die Gesamtmandatsverteilung: Erst- und Zweitstimmen werden zur Gesamtstimme zusammengezählt und bestimmen zusammen den Anteil der Parteien an den Landtagssitzen. Es geht hier also nicht ausschließlich um das Rennen um die meisten Stimmen für das Direktmandat.
Der Stimmzettel zur Bayern-Wahl: Wie funktioniert der große Wahlkreis-Bogen?
Das Kreuz richtig setzen: Die Zweit-Stimme findet auf dem wesentlich größeren der beiden weißen Zettel Platz. Auch hier lautet die Grundregel: Nur ein Kreuz setzen. Strukturiert ist der Zettel nach „Listen“ - also Parteien oder Wählervereinigungen. Das Kreuz gehört neben einen Kandidaten oder eine Kandidatin Ihrer favorisierten Partei.
Das passiert mit der Stimme: Die Zweitstimme hat zwei Funktionen. Auf dem großen Bogen finden sich alle antretenden Parteien - und ihre Kandidaten aus dem Wahlkreis des Wählenden. Das Kreuz zählt einerseits für die jeweilige Partei. Zusammen mit dem Kreuz der Erststimme (auf dem kleinen Zettel) ergibt es die „Gesamtstimme“ und ist entscheidend für die Sitzverteilung auf die Parteien im neuen Landtag. Dabei können Erst- und Zweitstimme auf den jeweiligen Zetteln an unterschiedliche, aber auch zweimal dieselbe Partei vergeben werden.
Andererseits kann das Kreuz auf dem Wahlkreis-Bogen, neben einen konkreten Kandidaten gesetzt, auch die vorgefertigte Liste durcheinander wirbeln und dort weiter hinten platzierten Anwärtern zum Sprung in den Landtag verhelfen. Jedenfalls, wenn viele Wählerinnen und Wähler Kandidaten vom hinteren Ende der Liste gezielt ankreuzen. Diese „bewegliche Liste“ ist eine bayerische Besonderheit.
Vorsicht: Potenziell irritierend: Was bei der Bundestagswahl „Wahlkreis“ heißt, heißt in Bayern „Stimmkreis“. Der bayerische „Wahlkreis“ ist hingegen der jeweilige Regierungsbezirk. Also etwa Oberbayern für Wähler in München oder Mittelfranken für Wähler in Nürnberg. Auf dem Wahlkreis-Bogen finden Sie also die Kandidaten der Parteien-Listen aus Ihrem jeweiligen Regierungsbezirk. Mit der Erststimme für Direktkandidaten für die Umgebung des eigenen Wohnortes, wie von der Bundestagswahl bekannt, hat das nichts zu tun.
Stimmzettel zur Bayern-Wahl: In welcher Reihenfolge stehen die Parteien drauf?
Eine immer wieder gestellte Frage: Ist die Reihenfolge der Parteien auf den Stimmzetteln eigentlich willkürlich? Die Antwort lautet Nein. Bereits 2018 zur Landtagswahl angetretene Parteien sind nach ihren damaligen landesweiten Stimmanteilen sortiert. Dahinter kommen neu antretende Listen - in alphabetischer Reihenfolge.
Stimmzettel und Umschläge bei der Landtagswahl in Bayern 2023: Was muss wo rein?
Theoretisch eine Hürde - praktisch aber selbsterklärend: Bei der Briefwahl müssen die Zettel in den richtigen Umschlag. Die beiden weißen Zettel für die Landtagswahl kommen in den weißen Umschlag, beschriftet mit den Worten „Stimmzettelumschlag für die Landtagswahl“. Entsprechend müssen die blauen Zettel für die Bezirkswahl in den blauen Umschlag mit der Aufschrift „Stimmzettelumschlag für die Bezirkswahl“. Beide Umschläge sind sorgfältig zuzukleben.
Zusammen müssen sie in den großen roten Umschlag - und dann zur Post oder direkt zur Stadt oder Gemeinde. Vorsicht: Am Samstag ist es definitiv zu spät für einen rechtzeitigen Post-Versand, auch der Freitag ist zumindest riskant. Wer die Unterlagen mit der Post verschicken will, sollte eine Briefkastenleerung am Donnerstag (5. Oktober) erwischen - oder noch früher: Zu früh eingehen können die ausgefüllten Stimmzettel schließlich nicht, zu spät aber sehr wohl. Bei der Stimmabgabe im Wahllokal werden die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer die richtige Wahlurne für die Zettel weisen.
Explizit keine Wahlempfehlung, aber eine Hilfestellung will vor der Landtagswahl in Bayern der Wahlomat geben - Sie können das Tool direkt bei Merkur.de nutzen. Aktuelle Umfrage-Daten zur Bayern-Wahl finden Sie hier. (fn)
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