Streit um Israel: Merz erzwingt Waffen-Zusicherung von Scholz
VonBabett Gumbrecht
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Während dem Gedenken an den Hamas-Angriff kam es zur verbalen Auseinandersetzung: Der Bundeskanzler verteidigte sich gegen die Anschuldigung des CDU-Vorsitzenden, Waffenlieferungen an Israel zu blockieren.
Berlin – Im Bundestag ist das Gedenken der Abgeordneten für die Opfer des Hamas-Überfalls auf Israel in den Hintergrund gerückt. Der Grund: Bundeskanzler Olaf Scholz und CDU-Chef Friedrich Merz lieferten sich einen Schlagabtausch beim Thema militärische und materielle Unterstützung für Israel.
Oppositionsführer Merz warf der Regierung bei den Solidaritätsbekundungen am Donnerstag (10. Oktober) im Bundestag vor, sich zu weigern, die Exportgenehmigung von Munition und die Lieferung von Ersatzteilen für Panzer nach Israel zu erteilen. Er erklärte, „eine größere Zahl von Unternehmen“ habe sich mit schriftlichen Unterlagen gemeldet, wonach Genehmigungen beantragt und seit Monaten von der Bundesregierung nicht bearbeitet wurden. „Was ist das anderes als die faktische Verweigerung von Exportgenehmigungen?“, so Merz.
Scholz gibt plötzlich Waffen-Versprechen: Vorwürfe des CDU-Chefs Merz in Debatte zurückgewiesen
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich und Scholz wiesen den Vorwurf zurück. Scholz sagte, die Regierung habe nicht entschieden, keine Waffen an Israel zu liefern, berichtet die Deutsche-Presse-Agentur. „Wir haben Waffen geliefert, und wir werden Waffen liefern“, sagte der Kanzler, der auf Merz Vorwürfe hin als Abgeordneter das Wort ergriff.
Es werde demnächst weitere Lieferungen geben, erklärte Scholz. Die Ankündigung ist deshalb brisant, weil die Bundesregierung seit März keine Kriegswaffen-Exporte an Israel genehmigt hat, das geht aus Antworten des Bundeswirtschaftsministeriums auf Anfragen der Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen vom Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) her. Die Bundesregierung hatte aber betont, es gebe keinen Waffenexport-Boykott gegenüber Israel.
Baerbock mischt sich ein: Militärische Entscheidungen des Bundestags eigentlich vertraulich
Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) betonte die Vertraulichkeit solcher Entscheidungen, die innerhalb der Bundesregierung beim Bundessicherheitsrat liegt. Sie verwies aber auf eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof. „Da hat die Bundesrepublik Deutschland deutlich gemacht, dass wir Waffen zur Unterstützung von Israel liefern.“ Zugleich gelte aber das internationale Völkerrecht.
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Baerbock betonte, dass es kein Widerspruch sei, das Selbstverteidigungsrecht Israels im „Einklang mit dem humanitären Völkerrecht“ zu unterstützen. Das humanitäre Völkerrecht und das Existenzrecht Israels gehörten „auf das Engste“ zusammen. Dafür stehe die deutsche Staatsräson. Auch deshalb ringe Deutschland jeden Tag darum, dass Hilfe nach Gaza komme. „Israel kann auf Dauer nur in Frieden leben, wenn auch seine Nachbarn, Palästinenserinnen und Palästinenser, auf Dauer in Frieden leben können“, sagte Baerbock.
Krieg in Israel jährt sich: Bundestagspräsidentin gedenkt an verschleppte Geiseln aus dem Gaza-Streifen
Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) nannte den 7. Oktober 2023 eine Zäsur für die Menschen in Israel, für die gesamte Region und Juden in aller Welt. Ihre Gedanken seien bei den Angehörigen der Toten und den in den Gaza-Streifen verschleppten Geiseln. „Für sie ist am 7. Oktober die Zeit stehen geblieben“, sagte die Bundestagspräsidentin.
Seit dem 7. Oktober herrscht Krieg, sagte Bas. Nahezu täglich werde Israel mit Raketen der Hamas aus dem Süden und der Hisbollah aus dem Norden beschossen. Die Bundestagspräsidentin betonte: „Für Israels Sicherheit einzutreten, gehört zur historischen Verantwortung, die uns Deutschen aus der Shoah erwächst.“
Bei dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 in Israel wurden mehr als 1.200 Menschen ermordet, mehr als 240 wurden in den Gaza-Streifen verschleppt. Etwa 100 Geiseln befinden sich noch immer in den Händen der Hamas. Das Massaker löste den Gaza-Krieg zwischen Israel und der Hamas aus, in dem seither zehntausende Palästinenserinnen und Palästinenser getötet wurden (bg/dpa).