Acht Stunden täglich online: Streeck fordert Altersvorgaben für Social Media
VonSonja Thomaser
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Bundesdrogenbeauftragter Hendrik Streeck (CDU) warnt vor Handy-Sucht bei Kindern. Acht Stunden täglich verbringen sie mit Social Media und Spielen. Strenge Altersvorgaben sollen helfen.
Berlin – Bundesdrogenbeauftragter Hendrik Streeck (CDU) fordert „strikt abgestufte Altersvorgaben für soziale Medien“ zur Begrenzung des digitalen Medienkonsums bei Minderjährigen.
Hendrick Streeck (CDU), gibt ein Pressestatement in seiner neuen Funktion als Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen im Bundesministerium für Gesundheit.
Wissenschaftlich sei belegt, dass Kinder durch nicht altersgerechte Inhalte anfälliger für Suchtverhalten und problematischen Drogenkonsum werden, sagte er der Rheinischen Post. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hat zu dem Thema eine Kommission beauftragt.
Streeck: Medienkonsum, soziale Medien und „Verhaltenssucht“
Streeck spricht von „Verhaltenssucht“ bei vielen Kindern. Durchschnittlich verbringen sie täglich vier Stunden in sozialen Netzwerken, zwei Stunden mit Computerspielen und zwei Stunden mit Streamingdiensten. „Das sind bedenklich hohe Werte, gemessen an der Freizeit von Kindern und wie diese idealerweise für soziale, motorische und sensorische Fähigkeiten genutzt werden könnten.“ Manche Kinder säßen noch länger am Handy.
Handyverbot, Medienkonsum und soziale Medien im Alltag von Kindern
Der in der Corona-Pandemie bekannt gewordene Virologe sieht Handyverbote für Grundschüler kritisch. Ein Verbot löse das Problem nicht. „Denn wir wollen ja, dass junge Menschen mit Medien aufwachsen und die Technologien nutzen. Sie sind schließlich aus dem Alltag im digitalen Zeitalter nicht mehr wegzudenken“, so Streeck. „Aber die Dosis macht das Gift.“
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Zunächst seien Kinder, Jugendliche und besonders ihre Eltern gefragt. 42 Prozent der Zehn- bis Elfjährigen hätten einen Tiktok-Account, obwohl die Plattform ohne Elternzustimmung erst ab 16 Jahren nutzbar sei und „voll von gefährlichen und bedenklichen Inhalten für Kinder“ stecke.
CDU-Minister hält pauschales Social-Media-Verbot für „weltfremd“
Streecks Parteikollege, Nordrhein-Westfalens Medienminister Nathanael Liminski (CDU), hält nichts von pauschalen Verboten für Jugendliche bei der Nutzung sozialer Medien. „Es ist aus meiner Sicht völlig weltfremd zu glauben, dass mit einem Social Media-Pauschalverbot für Jugendliche unter 16 alle Probleme gelöst seien“, sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.
Bei solchen Forderungen sehe er erhebliche Zweifel an der rechtlichen Durchsetzbarkeit, der technischen Umsetzbarkeit und der politischen Vermittelbarkeit.
Sozialverband Deutschland fordert verpflichtendes Schulfach Medienkompetenz
Der Sozialverband Deutschland fordert ein verpflichtendes Schulfach Medienkompetenz an allen weiterführenden Schulen. „Wir dürfen Kinder mit den Gefahren der digitalen Welt nicht länger alleinlassen“, sagte Verbandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Funke-Zeitungen. Nicht alle Kinder profitierten von Vorbildung im Elternhaus. Viele seien Desinformation, demokratiefeindlicher Hetze und KI-Inhalten schutzlos ausgesetzt. (sot mit dpa/afp)