- VonBettina Menzelschließen
Russland bombardierte in der Nacht zum Montag eine Rebellenhochburg im Nordwesten Syriens. Kurz zuvor war es im Süden des Landes zu „beispiellosen“ Protesten gekommen.
Idlib – Der Bürgerkrieg in Syrien begann im Frühjahr 2011 mit Protesten gegen die Regierung des Machthaber Baschar al-Assad – und dauert noch immer an. Bei einem russischen Luftangriff in der Nacht zum Montag kamen im Nordwesten des Landes mindestens 13 Menschen ums Leben. Bei den Toten handle es sich Angaben des Leiters der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, um „syrische und nicht-syrische Kämpfer“ der Dschihadistengruppe Hajat Tahrir al-Scham (HTS).
Russland fliegt Luftangriff in Syrien: Mindestens 13 Menschen kommen ums Leben
Der Luftangriff erfolgte im überwiegend von islamistischen Milizen kontrollierten Nordwesten Syriens, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Bezugnahme auf die Aktivisten der Beobachtungsstelle sowie auf Angaben eines Korrespondenten vor Ort berichtete. Demnach flogen russische Kampfflugzeuge die Attacken auf ein Militärlager der Dschihadistengruppe HTS am westlichen Stadtrand der Rebellenhochburg Idlib. Der frühere syrische Zweig des Terrornetzwerks Al-Kaida führt HTS an, die Gruppe kontrolliert Teile der Provinz Idlib – die letzte Bastion der bewaffneten Opposition. Ziel der Miliz ist der Sturz des Assad-Regimes.
Bei dem Angriff am Montag seien weitere Kämpfer verletzt worden, einige schwebten in Lebensgefahr, hieß es weiter. Zuvor war von acht Todesopfern die Rede gewesen. Mehr als eine Million Menschen wurden im Syrien-Krieg bereits getötet und Millionen Menschen vertrieben. Mit der Unterstützung von Russland und vom Iran konnte Damaskus inzwischen wieder etwa zwei Drittel seines Territoriums von Rebellen zurückerobern.
„Beispiellose“ Proteste in Syrien: Menschen gehen gegen hohe Lebenshaltungskosten auf die Straße
Oppositionsgruppen halten nur noch im Nordwesten Gebiete, der Rest des Landes wird vom Assad-Regime kontrolliert. In den vergangenen Tagen war es in mehreren Gegenden im Süden Syriens zu Protesten gekommen. Hunderte Menschen waren in von der Regierung kontrollierten Gebieten gegen schlechte Lebensbedingungen auf die Straße gegangen. In Videos ist zu sehen, wie Demonstranten „Freiheit“ oder „Lang lebe Syrien, nieder mit (Präsident) Baschar al-Assad“ skandierten. Der Ärger der Protestierenden richtet sich unter anderem gegen die Abschaffung der staatlichen Zuschüsse für Treibstoff und steigende Lebenshaltungskosten. Angaben der Vereinten Nationen zufolge leben 90 Prozent der Syrer unter der Armutsgrenze.
Der Nachrichtenkanal Suwayda24 bezeichnete die Proteste seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 als „beispiellos“. „Wir protestieren gegen den wirtschaftlichen Niedergang, das Chaos im Land und die weit verbreitete Korruption in allen staatlichen Institutionen, vom Präsidenten bis zur kleinsten Behörde“, sagte Jameel, ein 25-jähriger Einwohner der Stadt Sweida dem Nachrichtensender Al Jazeera. Die syrische Tageszeitung Syria News berichtete, dass bei Demonstrationen in der Stadt Nawa auf die Protestierenden geschossen worden sei. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig bestätigen.
#شاهد: زغاريد وهتافات للحرية والتغيير، في وقفة احتجاجية في قرية الصورة الصغيرة بريف السويداء الشمالي قبل قليل، وسط مشاركة من أهالي قرية رضيمة اللواء، والقرى المجاورة.#إضراب_السويداء pic.twitter.com/fZOB0Fou5s
— السويداء 24 (@suwayda24) August 21, 2023
Russland im syrischen Bürgerkrieg wichtigster Verbündeter des Diktators Baschar al-Assad
Seit 2015 ist das russische Militär im Bürgerkrieg aufseiten des syrischen Regimes im Einsatz und konnte damit den Diktator an der Macht halten. Der russische Präsident Wladimir Putin und Assad gelten seit Jahrzehnten als Verbündete. Bei der UN-Vollversammlung Anfang dieses Jahres war Syrien einer der wenigen Staaten, der gegen einen russischen Rückzug aus der Ukraine stimmte. Nach mehr als einem Jahrzehnt in der Isolation trat Al-Assad zuletzt beim Gipfel der Arabischen Liga in Saudi-Arabien erstmals wieder auf die Weltbühne. (bme/AFP/dpa).