Naher Osten

Trump hebt Sanktionen gegen Syrien formal auf – Folgt ein Frieden?

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Donald Trump hebt die Sanktionen gegen Syrien auf. Für einen Frieden mit Israel will Damaskus auch zudem auf eine Rückgabe der Golanhöhen verzichten.

Damaskus – Zwischen der US-Regierung und den neuen syrischen Machthabern verbessern sich die Beziehungen zunehmend. US-Präsident Donald Trump hat deswegen wie angekündigt die Sanktionen gegen das Land auch formal aufgehoben. In einer Verordnung hob er den seit 2004 bestehenden „nationalen Notstand“ auf, unter dem Washington umfassende Sanktionen gegen Syrien verhängt hatte.

„Diese Anordnung unterstützt die nationalen sicherheits- und außenpolitischen Ziele der Vereinigten Staaten“, heißt es unter anderem in der Begründung dazu. „Diese Maßnahmen spiegeln die Vision des Präsidenten wider, eine neue Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und einem Syrien zu fördern, das stabil, geeint und in Frieden mit sich selbst und seinen Nachbarn ist“, erklärte Trumps Außenminister Marco Rubio am Montag auf X.

Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels

Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt. In ganz Syrien versammeln sich Menschen, um den Sturz der syrischen Regierung zu feiern.
Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt und hat das Land verlassen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Im ganzen Land versammeln sich Menschen wie hier in der Hauptstadt Damaskus auf den Straßen. Sie feiern den Sturz der syrischen Regierung und das Ende der über 50 Jahre andauernden Herrschaft der Assad-Dynastie.  © dpa/DIA Photo/AP | Ugur Yildirim
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Menschen durchwühlten die Privatwohnung des geflohenen Machthabers Baschar al-Assad.
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Der im Jahr 2000 verstorbene Hafez Assad war der Vater Baschar al-Assads und herrschte von 1970 bis zu seinem Tod über das Land. Bürgerinnen und Bürger strömten auch in den Präsidentenpalast und in eine Privatwohnung des geflohenen Machthabers. © dpa/AP | Hussein Malla
Menschen gehen durch die Hallen des Präsidentenpalastes des syrischen Präsidenten, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Der Präsidentenpalast wird nach dem Sturz Baschar al-Assads in Syrien zu einem Publikumsmagenten. Hunderte Menschen strömten in den Protzbau des Ex-Präsidenten und wandelten durch die Hallen. © Hussein Malla / dpa
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama.
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads.
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads. © dpa/AP | Emrah Gurel
Ein Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt eine riesige Menschenansammlung in Aleppo.
Ein von Maxar zur Verfügung gestelltes Satellitenbild zeigt feiernde Menschen auf den Straßen Aleppos. © dpa/Maxar Technologies/AP | Uncredited
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern.
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee.
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee. © dpa/AP | Emrah Gurel
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien.
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien. © dpa/AP | Omar Albam
Ein Bild von Baschar al-Assad in der Stadt Hama ist durchlöchert von Kugeln.
496721846.jpg © Omar Albam / dpa
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren.
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren. © dpa/AP | Omar Albam
Nachdem syrische Rebellen Hama erob ert haben, fliehen Menschen aus der Stadt.
Nachdem syrische Rebellen Hama erobert haben, fliehen Menschen aus der Stadt. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © Hussein Malla / dpa
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo.
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo. © Anas Alkharboutli / dpa
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist.
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt.
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt. © dpa/IMAGESLIVE via ZUMA Press Wire | Juma Mohammad
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee.
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee. © IMAGO/Rami Alsayed
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt.
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt. © dpa/AP | Omar Albam
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad, Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad, liegt auf einem von Oppositionskämpfern zerstörten Fliesenboden in Aleppo. © dpa/AP | Omar Albam
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama.
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug.
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft.
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz.
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz. © dpa | Andreas Arnold

USA wollen Syrien aus List von Terrorunterstützern nehmen

Washington hatte schon im Mai die meisten US-Sanktionen gegen Syrien gelockert, um „Genehmigungen, um neue Investitionen in Syrien zu fördern“. Rubio fügte hinzu, er werde zudem prüfen, ob Syrien von der Liste der den Terrorismus unterstützenden Staaten gestrichen werden solle. Auch werde geprüft, ob die Einstufung von Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa, früher Abu Mohammed al-Dscholani genannt, und seiner HTS-Miliz aufgehoben werden könne.

„Die Anordnung hebt die Sanktionen gegen Syrien auf, während die Sanktionen gegen Bashar al-Assad, seine Verbündeten, Menschenrechtsverletzer, Drogenhändler, Personen, die mit Chemiewaffenaktivitäten in Verbindung stehen, ISIS oder mit ihm verbundene Organisationen und iranische Stellvertreter aufrechterhalten werden“, heißt es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Die syrische Regierung zeigt sich erfreut über die Entscheidung von Trump. „Die Aufhebung der Sanktionen gegen Syrien wird uns dabei helfen, wieder in die internationale Gemeinschaft einzusteigen“, so der syrische Außenminister Asaad Hassan al-Shaybani.

Syrien will nicht mehr auf Rückgabe von Golan-Höhen bestehen

Offenbar ist die neue syrische Regierung bemüht, international Anerkennung zu gewinnen. Israelischen Medien zufolge will Damaskus in den laufenden Gesprächen über ein Friedensabkommen mit Israel nicht die Rückgabe von Teilen der 1967 eroberten Golanhöhen von Israel fordern. Dazu müsse Israel jedoch das neue Regime in Syrien unter der Führung von Ahmed al-Scharaa anerkennen und sich aus den Gebieten zurückziehen, die es seit Januar im Süden Syriens unter seine Kontrolle gebracht hat.

Syrien könnte bald „Abraham-Abkommen“ beitreten

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Syrien schon bald dem sogenannten Abraham-Abkommen beitreten wird. Die amerikanischen Kongressabgeordneten Cory Mills und Martin Stutzman hatten sich im April mit al-Scharaa getroffen. „Er sagte: ‚Wir sind nicht nur bereit, Israel anzuerkennen, sondern auch zu versuchen, dem Abraham-Abkommen beizutreten, aber sie müssen die Bombardierung innerhalb unserer Nation einstellen‘“, berichtet Molls über das Treffen mit Al-Scharaa gegenüber der New York Post. Dieses Abkommen hatte US-Präsident Donald Trump während seiner ersten Amtszeit auf den Weg gebracht. Dadurch normalisierten die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Marokko ihre Beziehungen zu Israel. Andere Länder wie Saudi-Arabien und Israels Nachbarn Syrien und Libanon sind diesen Schritt noch nicht gegangen.

In Israel scheint man sich auf einen Beitritt Syriens in das Abraham-Abkommen zu freuen. In Tel Aviv kursiert schon ein neues Plakat mit dem Slogan: „Die Abraham-Allianz. Es ist Zeit für einen neuen Nahen Osten“. Darauf zu sehen ist US-Präsident Donald Trump mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und mehrere Führer der arabischen Welt, die dem Abraham-Abkommen angehören.

US-Präsident Donald Trump hebt die Sanktionen gegen Syrien auf.

Israel will in jedem Fall Golan-Höhen behalten

Mit diesem Abkommen, das Trump in seiner ersten Amtszeit auf den Weg gebracht hatte, normalisierten die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Marokko ihre Beziehungen zu Israel. „Wir haben ein Interesse daran, weitere Länder, Syrien und den Libanon, unsere Nachbarn, in den Kreis des Friedens und der Normalisierung aufzunehmen und gleichzeitig die wesentlichen Sicherheitsinteressen Israels zu wahren“, sagte der israelische Außenminister Gideon Saar.  

Allerdings sollen die Golanhöhen laut Saar in jedem Friedensabkommen „Teil des Staates Israel bleiben“. Israel hatte das Gebiet 1967 von Syrien erobert und später in einem nicht von den Vereinten Nationen anerkannten Schritt annektiert. (erpe/dpa/AFP)

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