Umbau der Landwirtschaft

Abgabe auf Fleisch: Özdemir will Bauern mit „Tierwohl-Cent“ entlasten

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Der Grünen-Landwirtschaftsminister will für die protestierenden Bauern eine Tierwohlabgabe. Die Idee stammt schon aus den Merkel-Jahren. Die FDP reagiert.

Berlin – „Wer es wirklich ernst meint mit einer zukunftsfesten Landwirtschaft, muss da endlich springen“: Mit diesen Worten hat Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung jetzt für eine „Tierwohlabgabe“ geworben. Hintergrund sind die landesweiten Bauernproteste, im Zuge derer FDP-Finanzminister Christian Lindner in Berlin sogar teils ausgebuht wurde.

Demnach würde je Kilo Fleisch, Milch oder Eiern eine Abgabe fällig. Die Einnahmen kämen dann Landwirten zugute, die ihre Ställe zum Wohl der Tiere umbauen. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, vielmehr müssen wir es jetzt endlich mal einbauen“, sagte Özdemir der Süddeutschen und sprach von einem „Tierwohl-Cent“. Bereits „wenige Cent mehr pro Kilo Fleisch“ würden etwas bewirken, meinte er.

FDP-Politiker unterstützen Forderung nach „Tierwohlabgabe“

Politiker der FDP unterstützen die Forderung nach solchen Steuer oder Abgabe auf Fleisch. Die stellvertretende FDP-Fraktionschefin Carina Konrad befürwortete die Idee gegenüber der Süddeutschen, und auch der FDP-Agrarpolitiker Gero Hocker sagte der Zeitung: „Wenn wir eine Tierwohlabgabe hinbekommen, die europarechtlich sauber ist und nicht Produkte aus Deutschland stärker belastet als solche aus dem Ausland, dann ab dafür.“

Grünen-Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Archivbild) ist für eine Abgabe auf Fleisch und Co.

Abgabe auf Fleisch schon in Merkel–Jahren im Gespräch

Pläne für eine Tierwohl-Abgabe gab es schon in der Großen Koalition von Angela Merkel (69, CDU). Die Debatte um eine Tierwohlabgabe ist nicht neu. Empfehlungen für eine solche Abgabe hatte eine Kommission unter dem Vorsitz den einstigen Landwirtschaftsminister Jochen Borchert (CDU) Anfang 2020 vorgelegt. 

Das Gremium wurde demnach auch „Borchert-Kommission“ genannt. Die Experten beschlossen im August 2023, ihre Arbeit zu beenden, weil sie der Ansicht waren, dass die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung der Empfehlungen nicht geschaffen worden waren. Das Gremium war im Jahr 2019 eingerichtet worden.

Angela Merkel: Die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel (CDU) im Scheinwerferlicht
Die Kanzlerin im Scheinwerferlicht: Angela Merkel (CDU) hat eine beeindruckende Karriere vorzuweisen. © Ina Fassbender/dpa
Helmut Kohl und Angela Merkel beim Parteitag der CDU
Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und seine damals neu gewählte Stellvertreterin, Frauenministerin Angela Merkel (CDU) bei einem Parteitag. (1991) © Michael Jung/dpa
Gerhard Schröder und Angela Merkel geben sich die Hand
Der bisherige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) übergibt das Bundeskanzleramt an die neue Kanzlerin Angela Merkel (CDU). (2005) © Peer Grimm/dpa
Angela Merkel (CDU) trifft europäische Staatsmänner beim Euro-Gipfel zur Finanzkrise in Paris
Angela Merkel (CDU) spricht mit dem niederländischen Minister Jan Peter Balkenende and dem belgischen Prime Minister Yves Leterme beim Euro-Gipfel zur Finanzkrise in Paris. (2008) © Dolega/dpa
2009 wird Angela Merkel (CDU) zum zweiten Mal als Bundeskanzlerin vereidigt
Angela Merkel (CDU) wird in Berlin zum zweiten Mal als Bundeskanzlerin vereidigt. (2009) © Michael Hanschke/dpa
Angela Merkel (CDU) und Queen Elizabeth II. unterhalten sich bei einem Klimagipfel in London
Angela Merkel (CDU) und Queen Elizabeth II. unterhalten sich bei einem Klimagipfel in London. (2009) © dpa
Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama mit der Freiheitsmedaille in Washington
Angela Merkel (CDU) erhält die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA, von US-Präsident Barack Obama in Washington. (2011) © Rainer Jensen/dpa
Angela Merkel (CDU) stimmt bei der Abstimmung zum Energiegesetz für den Atomausstieg
Angela Merkel (CDU) stimmt bei der Abstimmung zum Energiegesetz für den Atomausstieg. (2011) © Michael Kappeler/dpa
Shinzo Abe, Angela Merkel (CDU), Wladimir Putin, David Cameron und Barack Obama beim G8 Gipfeltreffen
Die Teilnehmer des G8 Gipfeltreffens, der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe (l-r), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der russische Präsident Wladimir Putin, der britische Ministerpräsident David Cameron und US-Präsident Barack Obama. (2013) © Tim Brakemeier/dpa
Angela Merkel (CDU) legt im Bundestag in Berlin den Amtseid ab.
Angela Merkel (CDU) legt am im Bundestag in Berlin beim Parlamentspräsidenten Norbert Lammert (CDU) zum dritten Mal den Amtseid ab. (2013) © Michael Hanschke/dpa
Angela Merkel (CDU) und Joachim Gauck (parteilos) mit der deutschen Nationalmannschaft beim Gewinn des Weltmeistertitels
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Bundespräsident Joachim Gauck (parteilos) jubeln nach dem Gewinn des Weltmeister-Titels in der Kabine des Maracana-Stadions mit den deutschen Nationalspielern. (2014) © Guido Bergmann/dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht ein Selfie mit einem Migranten
Angela Merkel (CDU) besucht eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und macht ein Selfie mit einem Migranten. Ihr Satz „Wir schaffen das“ bleibt eng mit ihrer Kanzlerschaft verbunden. (2015) © Bernd von Jutrczenka/dpa
Angela Merkel (CDU) ist auf dem Cover der ersten deutschsprachigen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo
Angela Merkel (CDU) ist auf dem Cover der ersten deutschsprachigen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo. (2016) © Christian Charisius/dpa
Angela Merkel (CDU) bei einer Privataudienz mit Papst Franziskus
Angela Merkel (CDU) schüttelt die Hand von Papst Franziskus bei einer Privataudienz im Vatikan. (2017) © dpa
Angela Merkel (CDU) verneigt sich am Sarg von Helmut Kohl (CDU) beim europäischen Trauerakt für den verstorbenen Altkanzler im EU-Parlament in Straßburg
Angela Merkel (CDU) verneigt sich am Sarg von Helmut Kohl (CDU) beim europäischen Trauerakt für den verstorbenen Altkanzler im EU-Parlament in Straßburg. (2017) © dpa
Angela Merkel (CDU) spricht bei einem Wahlkampfauftritt in Siegen
Angela Merkel (CDU) spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung für die Bundestagswahl in Siegen. Der Name ist Programm: „Mutti“ wird zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählt. (2017) © Oliver Berg/dpa
Angela Merkel (CDU) steckt eine Kerze an der Berliner Mauer in den Sand.
Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls steckt Angela Merkel (CDU) eine Kerze an der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße in den Sand. (2019) © Michael Kappeler/dpa
Angela Merkel (CDU) und Donald Trump beim Nato Gipfel in London
Angela Merkel (CDU) und der damalige US-Präsident Donald Trump sind sich beim Nato Gipfel nicht ganz einig. (2019) © Michael Kappeler/dpa
Angela Merkel (CDU) mit Maske bei einer Bundespressekonferenz über den Lockdown und die Corona-Maßnahmen
Angela Merkel (CDU) mit einem Mund-Nasenschutz bei einer Bundespressekonferenz über den Lockdown und die weiteren Corona-Maßnahmen. (2020) © Kay Nietfeld/dpa
Angela Merkel (CDU) und Armin Laschet (CDU) besuchen Flutgebiete
Angela Merkel (CDU) und Armin Laschet (CDU) besuchen Flutgebiete und reden mit den Anwohnern eines betroffenen Dorfs. (2021) © Oliver Berg/dpa
Angela Merkel (CDU) füttert australische Loris im Vogelpark Marlow und wird dabei gebissen.
Sympathische Kanzlerin: Angela Merkel (CDU) füttert australische Loris im Vogelpark Marlow und wird dabei gebissen. (2021) © Georg Wendt/dpa

Steuer auf tierische Produkte: Was würde die Tierwohlabgabe kosten?

Für den Umbau bräuchten die Landwirte finanzielle Unterstützung. Den Finanzbedarf dafür bezifferte die Borchert-Kommission laut AFP auf perspektivisch 3,6 Milliarden Euro pro Jahr. Eine Steuer oder Abgabe auf tierische Produkte zur teilweisen Finanzierung war ein zentraler Punkt der Empfehlungen der Regierungsberater.

Konkret bezeichneten sie einen Aufpreis von 40 Cent pro Kilogramm Fleisch, von zwei Cent pro Kilogramm Milch und Frischmilchprodukte sowie Eier und 15 Cent pro Kilogramm Käse, Butter und Milchpulver als „denkbar“. Dies würde demnach Einnahmen von rund 3,6 Milliarden Euro bringen. Flankiert werden müsse dies mit „sozialpolitischen“ Maßnahmen, etwa mehr Unterstützung für einkommensschwache Haushalte.

Passiert ist auf dem Gebiet seit 2020 wenig. Die Borchert-Kommission löste sich im vergangenen August auf. Özdemir will sich grundsätzlich an den Empfehlungen der Borchert-Kommission orientieren. (dpa/AFP/frs)

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