VonPaula Völknerschließen
Unterdrückung, Folter und öffentliche Hinrichtungen. Die Herrschaft der Taliban ist grausam. Die öffentliche Steinigung von Frauen wollen die Taliban wieder einführen.
Kabul – Seit der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 leiden die Menschen in Afghanistan wieder unter der Terrorherrschaft. Besonders Frauen werden in dem Land seither unterdrückt und verfolgt. Immer wieder kursierten im Laufe der Jahre Berichte und Videos, auf denen zu sehen war, wie Menschen öffentlich hingerichtet oder ausgepeitscht wurden. Auch öffentliche Steinigungen waren während der Herrschaft der Taliban in den 1990er Jahren eine gängige Praxis. Eine grausame Hinrichtungsmethode, die die Taliban nun Berichten des US-Auslandssenders Voice of America zufolge für Frauen wieder einführen wollen.
Auf einer Audioaufnahme sei demnach zu hören, wie der Taliban-Chef Hibatullah Achundsada angekündigt habe, das islamische Strafjustizsystem entschlossen durchzusetzen. Dazu gehöre auch die öffentliche Steinigung von Frauen wegen Ehebruchs, sagte das afghanische Staatsoberhaupt VOA zufolge. Nach Aussagen von Taliban-Beamten stammt die Aufnahme aus der letzten Rede des Chefs der fundamentalistischen Taliban-Regierung.
Er habe sich in seiner Ansprache auch an westliche Kritikerinnen und Kritiker gewandt. „Sie können es als Verletzung der Rechte von Frauen bezeichnen, wenn wir sie wegen Ehebruchs öffentlich steinigen oder auspeitschen, weil sie Ihren demokratischen Prinzipien widersprechen“, sagte Achundsada laut VOA. Er habe sich darauf berufen, „nach der Freiheit der gesamten Menschheit zu streben“. Während er dabei Allah vertrete, wie der Taliban-Chef sagte, warf er den westlichen Mächten vor, „Satan“ zu vertreten.
Die Todesstrafe durch Steinigung ist in den vergangenen Jahren laut Internationaler Gesellschaft für Menschenrechte in Ländern wie Iran, Pakistan, Saudi-Arabien, Somalia und dem Jemen angewandt worden. Auch Afghanistan steht auf der Liste der Länder.
Frauen unter Taliban-Herrschaft: „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“
Die islamistische Terrorgruppe ist bekannt für ihre grausamen Strafen und die harte Anwendung der Scharia. Als die Taliban in den 1990er Jahren in Afghanistan herrschten, führten sie regelmäßig öffentliche Hinrichtungen und Auspeitschungen durch. Im Februar 2024 berichteten Medien über die vierte bekanntgewordene öffentliche Hinrichtung von Menschen durch die Taliban seit der Machtübernahme 2021. Vor mehreren Tausend Menschen sollen zwei Männer mit 15 Schüssen hingerichtet worden sein.
Besonders die Lage der Frauen in Land wurde von der internationalen Gemeinschaft immer wieder kritisiert. Ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ nannte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) im Jahr 2023 die Behandlung von Frauen und Mädchen durch die Taliban. Dabei ging es um unter anderem um das Verbot jeder Art von Erwerbstätigkeit, willkürliche Verhaftungen und die Verletzungen des Rechts auf Freiheit. HRW forderte, die Verbrechen der Taliban strafrechtlich zu verfolgen.
Taliban wollen sich weiterhin demokratischen Werten und Menschenrechten widersetzen
Westliche Länder unter der Führung der USA haben sich im nach 20 Jahren Beteiligung am Afghanistankrieg aus dem Land zurückgezogen, als die im Jahr 2021 Taliban auf dem Vormarsch waren. Seither hat sich auch die humanitäre Lage im Land drastisch verschlechtert. HRW nannte die Lage in Afghanistan im Jahr 2023 eine der „schlimmsten humanitären Krisen“ weltweit.
Mädchen in Afghanistan dürfen unter den Taliban ab der sechsten Klasse keine Schule besuchen und erwachsene Frauen dürfen längere Reisen nur in Begleitung eines männlichen Verwandten antreten. Daran wollen die Taliban, den Aufnahmen ihres Chefs zufolge, festhalten.
Die Religionsgelehrten der Taliban wollen sich den demokratischen Werten des Westens weiterhin beharrlich widersetzen, sagte Achundsada laut Voice of America in seiner Rede und kritisierte die westlichen Menschenrechte und die Freiheit von Frauen. Die Vereinten Nationen sowie die EU forderten die Taliban mehrfach auf, die Menschenrechte der afghanischen Bevölkerung zu achten und die Sanktionen gegen Frauen aufzuheben – bislang erfolglos. (pav)
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