Trump unterstreicht Bereitschaft für Iran-Angriff – Experten warnen: „Das werden sie nicht tolerieren“
VonStephanie Munk
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Trump verfolgt wohl einen Zwei-Stufen-Plan bei einem Militärschlag der USA gegen den Iran. Teheran werde massiv zurückschlagen, warnen Nahost-Experten.
Update, 25. Februar, 11 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat seine Rede zur Lage der Nation am Dienstagabend genutzt, um eine neue, ernste Warnung an den Iran auszusprechen: „Eines ist sicher: Ich werde niemals zulassen, dass der weltweit größte Sponsor des Terrors, was sie mit großem Abstand sind, eine Atombombe besitzt“, sagte Trump. Er ergänzte: „Und niemand sollte jemals an der Entschlossenheit Amerikas zweifeln. Wir haben das stärkste Militär der Erde.“ Experten warnen aktuell vor einer Reaktion des Iran auf einen US-Militärschlag, der den Konflikt auf die gesamte Region ausweiten könnte (siehe Artikel unten).
Trump plant wohl Iran-Angriff: Experten warnen vor Flächenbrand – „Das werden sie nicht tolerieren“
Erstmeldung vom 24. Februar: In den Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA ist keine Einigung in Sicht – auch nicht vor der nächsten Runde am Donnerstag (26. Februar). Weigert sich der Iran weiterhin, auf sein Atom- und Raketenprogramm zu verzichten, hat US-Präsident Donald Trump wohl Pläne für einen Militärschlag in der Tasche, wie internationale Medien berichten.
Doch dann könnte es zum Flächenbrand kommen, warnen Experten. Der Iran könnte mit einem großen Vergeltungsschlag reagieren, der den Konflikt auf die gesamte Region ausweitet. Das Mullah-Regime sei zwar geschwächt, verfüge aber noch über einen erheblichen Vorrat an ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen für Angriffe auf US-Verbündete in der Region, heißt es.
Trump plant offenbar Iran-Angriff: Experten warnen vor Flächenbrand
Der Iran könne versuchen, den „Konflikt regional auszuweiten“, wenn die USA zum Mittel eines Militärschlags greifen, warnt etwa der Ex-General Joseph Votel, der einst die US-Soldaten im Nahen Osten befehligte und jetzt der Denkfabrik „Middle East Institute“ angehört.
Der Iran werde nach einem US-Militärschlag Vergeltung üben, beispielsweise durch Angriffe auf Ölraffinerien in Staaten jenseits des Persischen Golfs, sagte der Experte laut NBC News. Das Mullah-Regime würde damit bezwecken, „alle in diesen Konflikt hineinzuziehen und ihn zu einem viel länger andauernden Konflikt auszubauen“.
Trump soll Militärschlag gegen Iran „so teuer wie möglich kommen“
Auch Nahost-Experte Andreas Böhm von der Universität St. Gallen glaubt, dass eine Reaktion des Iran auf einen amerikanischen Angriff nicht ausbleiben wird: „Wenn die USA angreifen, dann soll es sie so teuer wie möglich zu stehen kommen“, so Böhm gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Teheran werde die Kosten für den Westen möglichst hochtreiben, „beispielsweise dadurch, dass Öllieferungen verknappt werden“, glaubt der Wissenschaftler. Oman, Katar und Saudi-Arabien warnten Trump bereits vor einigen Wochen davor: Sie fürchteten eine massive Erschütterung des Ölmarkts nach einem US-Angriff, was letztlich auch den USA schaden würde.
Trump darf demnach nicht darauf hoffen, dass die Reaktion des Iran auf einen US-Militärschlag so moderat ausfallen wird wie im Juni 2025. Damals schaltete sich Trump in den zwölftägigen Krieg zwischen Israel und dem Iran ein, indem er in der Operation „Midnight Hammer“ Luftangriffe auf iranische Atomanlagen startete. Teheran reagierte mit kleineren Vergeltungsschlägen in Israel und auf US-Stützpunkten in Katar und im Irak, Verletzte gab es keine.
Bei Militärschlag durch Trum auf den Iran: „Reaktion wird unverhältnismäßig ausfallen“
Diesmal werde es anders sein, warnen Experten. „Die Reaktion des Irans auf einen US-Militärschlag könnte ganz anders ausfallen, sollte Trump diese Entscheidung treffen“, heißt es im NBC News-Bericht unter Berufung auf ehemalige US-Beamte, Diplomaten und Fachleute. Sobald das Mullah-Regime in Teheran sein Überleben als gefährdet ansehe, werde „ihre Reaktion unverhältnismäßig ausfallen“, wird ein Diplomat aus dem Nahen Osten zitiert.
Das glaubt auch Nahost-Experte Andreas Böhm in seiner Einschätzung gegenüber unserer Redaktion: „Grundsätzlich hat der Iran ein relativ einfaches Kalkül: Das strategische Endziel ist, die Islamische Republik zu erhalten. Regimeerhalt also.“ Der Nahost-Fachmann weiter: „Was sie nicht tolerieren werden, sind Schritte, die aus ihrer Sicht das Überleben des Regimes gefährden.“
Wenn etwas in den USA nicht gut ankommt, sind es Bilder von Särgen gefallener GIs
Böhm glaubt, dass der Iran als Reaktion auf einen US-Angriff Ölraffinerien oder amerikanische Stützpunkte im Nahen Osten attackieren könnte, zum Beispiel in Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Wenn etwas in den USA nicht gut ankommt, sind es Bilder von Särgen gefallener GIs“, so der Experte. Mehr als 35.000 Soldaten sind laut NBC News im Nahen Osten stationiert, auf Stützpunkten in Katar, Saudi-Arabien, Jordanien, Kuwait und anderen Ländern.
Der Iran gehe davon aus, in einem eskalierenden Konflikt den längeren Atem zu haben, glaubt der Schweizer Experte. Teheran glaube, die „massive Überlegenheit“ der USA kompensieren zu können, „weil die Kosten für die Amerikaner steigen, je länger sie in den Konflikt verwickelt sind“.
Flächenbrand droht: USA könnten in langen Konflikt im Nahen Osten verwickelt werden
Vor den hohen Kosten eines Angriffs auf Teheran soll Trump auch von seinen eigenen Leuten gewarnt worden sein: Das Nachrichtenportal Axios und die Washington Post berichten, dass US-Generalstabschef Dan Caine den US-Präsidenten auf das Risiko hingewiesen haben soll, in einen langwierigen Konflikt verwickelt zu werden.
Auch Trumps Vize JC Vance soll bei einem Treffen im Weißen Haus vergangene Woche als Bremser aufgetreten sein: Laut einem Bericht der New York Times soll Vance eine ausführliche Diskussion über die Risiken und die Komplexität eines Angriffs auf den Iran gefordert haben.
Comeback der Atomwaffen-Tests: die nukleare Bedrohung kehrt zurück
Was Donald Trump aktuell genau gegen den Iran plant, ist ungewiss. Die New York Times will von Insidern erfahren haben, dass er zunächst an einen gezielten, begrenzten Militärschlag denke, um den Iran in den Verhandlungen über das Atomprogramm auf Linie zu bringen. Trump tendiere laut seinen Beratern „zu einem ersten Angriff in den kommenden Tagen, um der iranischen Führung zu verdeutlichen, dass sie bereit sein muss, auf die Herstellung von Atomwaffen zu verzichten“. Mögliche Ziele seien das Hauptquartier der iranischen Revolutionsgarden, die Atomanlagen des Landes und das Raketenprogramm.
Sollte dies nichts bewirken, werde er „in den kommenden Monaten einen deutlich größeren Angriff in Erwägung ziehen, um die iranische Führung zu entmachten“. Ob Trump dies allein mit Luftangriffen auf den Iran erreichen könne, werde aber selbst innerhalb seiner eigenen Regierung bezweifelt.
Warnungen vor Einsatz von Bodentruppen im Iran: „Auswegloses Unterfangen“
Einen bestimmten Plan habe die US-Regierung bereits auf Eis gelegt, wie die New York Times schreibt: den Einsatz amerikanischer Bodentruppen im Iran, um schwer zugängliche Atom- und Raketenanlagen aufzuspüren. „Ein solcher Angriff wäre äußerst gefährlich gewesen und hätte einen deutlich längeren Einsatz der Spezialeinsatzkräfte erfordert als bei der Festnahme von Präsident Maduro“, schreibt das Blatt unter Berufung auf Regierungsinsider.
Warnungen vor einem größeren Einsatz mit dem Ziel eines Regimewechsels scheinen berechtigt: Militärische Interventionen im Iran sind schon immer ein auswegloses Unterfangen, schreibt der britische Außenpolitik-Experte Tim Marshall in seinem Werk „Die Macht der Geographie im 21. Jahrhundert“. Unerbittliche Gebirge, riesige Sumpfgebiete und gigantische Salzwüsten machten den Iran „zu einer Festung“, die „jeden Gegner im Westen abschreckt“. (Quellen: eigene Recherche, NBC News, New York Times, Axios, Washington Post) (smu)