„Putin manipuliert Trump“: NATO-Experte warnt nach Tomahawk-Absage
VonBettina Menzel
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Nach dem Nein zu Tomahawks für Kiew steht Trump in der Kritik. Experten warnen: Der Kreml hat gelernt, den US-Präsidenten zu manipulieren.
Washington, D.C. – Im Ukraine-Krieg braucht Kiew weitreichende Waffen, um die Bedrohungen weit im russischen Hinterland auszuschalten. Donald Trump hat bezüglich der Tomahawk-Marschflugkörper aus den USA nun offenbar eine vorläufige Entscheidung getroffen. Statt einer Lieferung der Raketen an Kiew pocht der US-Präsident auf einen schnellen Waffenstillstand zwischen Ukraine und Russland. Ein Experte wertet das als eine weitere gelungene Manipulation durch Kremlchef Wladimir Putin. Der russische Präsident habe sich dadurch erneut mehr Zeit verschafft, sagte der frühere US-General Richard Williams der Kyiv Post.
Der frühere NATO-Verteidigungsbeamter Williams vermutete eine Art Gegengeschäft: Putin könnte „die Unterstützung der Vereinten Nationen für Trumps Idee anbieten, ein Resort an den Stränden von Gaza zu errichten“. Der US-General bezeichnete dies gegenüber Kyiv Post zwar als „bloße Spekulation – aber logisch angesichts von Trumps Hintergrund und seiner Freundschaft mit [Israels Premierminister Benjamin] Netanyahu“. Zuletzt hatte der russische Duma-Abgeordnete Leonid Sluzki behauptet, Trumps Entscheidung gegen die Lieferung sei auf sein Telefonat mit Putin am Donnerstag (16. Oktober) zurückzuführen, wie die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) berichtete.
„Lasst beide den Sieg beanspruchen“: Trump zieht rote Linie
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte dem US-Sender NBC mit Blick auf eine Tomahawk-Lieferung, es sei „gut, dass Präsident Trump nicht Nein gesagt hat, aber er hat auch nicht Ja gesagt“. Mehrere US-Medien berichteten am Samstag jedoch, dass der US-Präsident die Lieferung an die Ukraine endgültig abgelehnt habe. Laut Quellen aus dem Weißen Haus verlief das Treffen in Washington mit Präsident Selenskyj am Freitag zudem schwierig. Eine Quelle sprach von einem schlechten Gespräch, betonte jedoch, dass es ruhig geblieben sei.
Im Anschluss betonte Trump, beide Seiten sollten sich auf die bisher gewonnen Gebiete beschränken. „Sie sollten dort stehen bleiben, wo sie sind. Lasst beide den Sieg für sich beanspruchen.“ Beobachter interpretierten dies als Unterstützung für Moskau, die im Angriffskrieg gegen die Ukraine seit 2022 gewonnenen Gebiete zu behalten. In der Vergangenheit hatte Selenskyj einen Gebietstausch abgelehnt. „Das ist eine überzeugende Erinnerung daran, dass die Russen, so grob und unbeholfen sie oft auch sind, mitunter erstaunlich gewieft sein können. Diesmal haben sie Selenskyj überlistet, und es hat keinen Sinn, so zu tun, als wäre es anders“, erklärte Times-Kolumnist Mark Galeotti laut Unian.
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„Politische Waffe“: US-Tomahawks wären Signal der Unterstützung gewesen
Die Tomahawks mit einer Reichweite von rund 1.600 Kilometern würden militärisch einen Unterschied für die Ukraine machen, bestätigt der Militärexperte und frühere Nato-General Erhard Bühler in dem MDR-Podcast „Was tun, Herr General“. „Das wissen die Russen natürlich auch, deshalb versuchen sie ja gerade die Amerikaner umzustimmen und generell auch die Stimmung im Westen zu beeinflussen“. Die USA würden allerdings, wenn überhaupt, nur eine geringe Stückzahl zur Verfügung stellen können.
Doch selbst wenige dieser Waffen würden eine gute Ergänzung der Waffensysteme der Ukraine wie etwa des Flamingos, des Neptun und der Langstreckendrohnen darstellen, so der Experte weiter. „Parallel dazu wären sie ein Signal der Unterstützung der Ukraine der USA“, betonte der frühere General und damit eben auch eine „politische Waffe gegen Putin, um ultimativ Zugeständnisse in Richtung eines Waffenstillstands einzufordern.“ Genau das ist nun also nicht erfolgt.
Trump sagte indes, er hoffe, dass die Ukraine gar keine Tomahawks brauche, weil er davon ausgehe, dass eine Einigung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin möglich sei. Darauf hofft der Republikaner seit Langem. In den USA hatte sich zuletzt eine überparteiliche Initiative formiert, die sich für die Lieferung der Langstreckenwaffen an Kiew aussprach. „Trump spielt Putin in die Hände – er verzögert bewusst die Hilfe, die die Ukraine braucht, um sich gegen Russlands mörderischen Angriff zu verteidigen“, kritisierte der demokratische Senator Richard Blumenthal. (Quellen: Kyiv Post, AFP, dpa, Unian, MDR, Pressemitteilung Richard Blumenthal, ISW) (bme)