Die Gründe dahinter

Trump macht Putin mit einer Waffe richtig nervös – sie ist kaum zu verteidigen

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Donald Trump droht Wladimir Putin unablässig mit Tomahawk-Lieferungen an die Ukraine. Das Moskau-Regime wirkt hochgradig nervös. Das hat Gründe. Eine Analyse.

Washington – Die Verhandlungen zum Ukraine-Krieg werden wohl wieder konkreter. Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump den Druck auf Russland-Machthaber Wladimir Putin erhöht. Am Donnerstag (16. Oktober, Ortszeit) telefonierte Trump mit Putin, wie der US-Präsident auf Social Media bekanntgab. Und zwar kurz vor seinem Gipfel in Washington mit Wolodymyr Selenskyj. Der ukrainische Präsident will von den Amerikanern Tomahawk-Marschflugkörper. Und genau das soll Moskau richtig nervös machen.

Moskau-Machthaber Wladimir Putin (li.) steht wegen Donald Trumps Tomahawk-Andeutungen gehörig unter Druck.

Ausdruck jener Nervosität: Der Kreml warnte das Weiße Haus mit Nachdruck vor einer möglichen Lieferung der Tomahawk-Marschflugkörper. Einmal mehr drohte der Moskauer Zirkel um den willfährigen Außenminister Sergej Lawrow laut tagesschau.de mit einer angeblichen Gegenreaktion in Form von Atomwaffen. Es ist ein mittlerweile altbekanntes Muster. Trump will es dagegen wohl nicht bei Drohgebärden belassen, er möchte Putin stattdessen am Verhandlungstisch sehen.

Tomahawk für die Ukraine? Wladimir Putins Russland hätte ein Problem

Während Russland die NATO im Baltikum provoziert und Putins russische Wirtschaft mit Problemen ringt, wächst der Druck auf den Kreml aus Washington. Das hat mit den militärisch technischen Eigenschaften des Tomahawk zu tun. Denn: Die mehr als sechs Meter lange Riesen-Rakete ist für die russische Luftabwehr wohl kaum zu verteidigen. Einen Hinweis darauf lieferten die Luftangriffe der USA auf den Iran im Juni dieses Jahres.

Damals setzten die Amerikaner auch seegestützte Tomahawks ein, die sie aus U-Booten in der Region abfeuerten. Die iranische Flugabwehr hatte seinerzeit nach israelischen Luftangriffen zuvor mutmaßlich noch einen Restbestand an Luftverteidigungssystemen S-300P aus einst sowjetischer Entwicklung und heute russischer Rüstungsproduktion. Wie viele der Systeme die israelischen Bombardements überstanden, ist nicht überliefert. Zumindest konnte das iranische Regime die Tomahawks nicht stoppen.

Ein Tomahawk-Marschflugkörper der USA. (Symbolfoto)

Auch Russland setzt stark auf das Luftverteidigungssystem S-300P, während Trump im Ukraine-Krieg die Tomahawk-Lieferungen erwägt. „Wollen sie (die Russen, d. Red.), dass Tomahawks in ihre Richtung fliegen? Ich glaube nicht“, hatte Trump laut Nachrichtenagentur dpa am Sonntag (12. Oktober) vor Journalisten gesagt. Bezeichnend: Die Boden-Luft-Lenkwaffen des S-300P sind 7,25 Meter lang, also riesig, und werden mit viel Wucht senkrecht gestartet.

Waffe aus den USA: Donald Trumps Tomahawk lässt sich kaum bekämpfen

Das heißt auch: Die russischen Raketen gewinnen erstmal enorm an Höhe, ehe sie sich radargelenkt auf Zielsuche begeben. Dasselbe gilt für die noch längeren Raketen (7,57 m) des moderneren Luftabwehrsystems S-400 Triumf, das 2007 bei den russischen Streitkräften erstmals in Dienst gestellt wurde. Auch dieses Flugabwehrsystem nutzt eine aktive Radarzielsuche. Aber: Der sogenannte Marschflug des Tomahawk erfolgt in der Regel im Tiefflug, und zwar in Höhen unter 200 Metern.

Über flachem Terrain, wie im Donbass der Ukraine, soll die Flughöhe sogar nur zwischen 30 und 90 Metern liegen. Das S-300P und das S-400 Triumf der Russen sind jedoch für die Luftabwehr in Höhen von mehreren Kilometern konzipiert, zum Beispiel gegen Kampfjets oder Bomber. Neben der niedrigen Flughöhe machen ein kleiner Radarquerschnitt, also wenig Reflexionsfläche, und die geringe Infrarot-Signatur des Triebwerkes eine Bekämpfung der Tomahawks sehr schwierig. Sollte der Marschflugkörper vom Radar überhaupt geortet werden. (Quelle: CNN, tagesschau.de, dpa) (pm)

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