Soldaten nach Auslandseinsätzen

Traumatisiert aus Afghanistan – Bundeswehr-Veteranen kämpfen um Anerkennung

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Viele Veteranen leiden unter posttraumatischer Belastungsstörung – die Bundeswehr spielt die Krankheit oft herunter. So ging es auch Tobias Koenig.

München – Als Tobias Koenig im Flieger nach Afghanistan saß, war er überzeugt, dass er am Hindukusch die Demokratie und die Menschenrechte verteidigen würde. Das war 2005. Koenig war damals 19 Jahre alt und hatte gerade seine Wehrpflicht freiwillig verlängert. Auch zum Afghanistaneinsatz mit der ISAF, der internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe, meldete er sich freiwillig. Heute, fast 20 Jahre später, sitzt Koenig unweit des Münchner Hauptbahnhofs in einem Café und blickt kopfschüttelnd auf sein 19-jähriges Ich zurück.

„Ich bin damals mit einer sehr ritterlichen Einstellung nach Afghanistan gegangen. Ich dachte, wir retten die Welt und helfen der Bevölkerung“, erinnert er sich. Doch seine Erwartungen wurden enttäuscht. Das vorrangige Ziel der ISAF war es, Afghanistan politisch zu stabilisieren und nach den Anschlägen des 11. September 2001 den internationalen Terrorismus zu bekämpfen.

Was er in Afghanistan erlebte, zeichnet den Soldaten bis heute

Koenig war Teil des regionalen Wiederaufbauteams in der nördlichen Provinz Kundus. Als Sanitätssoldat wurde er in erster Linie dazu ausgebildet, Kameraden im Einsatz medizinisch zu versorgen – auch in Gefechten. Die Versorgung afghanischer Zivilisten sah das Mandat des Bundestages eigentlich nicht vor. Das ging nur durch die Hintertür. „Mir kam es andauernd so vor, als würde neben mir jemand ertrinken, ich aber nicht helfen darf“, sagt Koenig. Weiter ins Detail möchte er nicht gehen.

„Man kann den Mann zwar aus dem Militär holen, aber das Militär nicht aus dem Mann. Vor meinem Einsatz fand ich dieses Sprichwort noch witzig, aber es ist wahr“, sagt Koenig. Was er in Afghanistan erlebte, zeichnet ihn bis heute. Nach seinem Einsatz verstrichen vier Jahre, bis eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ausbrach. „Ich bin mit 4,3 Promille auf Polizisten losgegangen und wurde dann in die Psychiatrie zwangseingewiesen“, erinnert sich Koenig an seinen ersten „Flashback“. Wie in einer plötzlichen Rückblende wurde er auf die traumatischen Erlebnisse in Afghanistan zurückgeworfen. Auslöser waren die Uniformen und das Auftreten der Polizisten, die Koenig als Bedrohung wahrnahm.

Viele Soldaten der Bundeswehr sind nach Auslandseinsätzen psychisch erkrankt

Soldaten, die mit körperlichen und seelischen Verletzungen aus Einsätzen heimkehren, sind keine Seltenheit. Seit der Wiedervereinigung beteiligte sich die Bundeswehr an über 25 Auslandseinsätzen. Dabei leisteten nach Angaben der Truppe mehr als 500 000 Soldaten ihren Dienst. Allein in Afghanistan waren bis zum überstürzten Truppenabzug im Juni 2021 insgesamt 93 000 Soldaten im Einsatz.

In Afghanistan starben erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder deutsche Soldaten in direkten Feuergefechten. Die Bundeswehr gibt an, dass bis zum Truppenabzug 59 Soldaten in Afghanistan ihr Leben verloren, 35 davon wurden bei Gefechten oder Anschlägen getötet. Auch drei Bundespolizisten und vier Mitarbeiter deutscher Hilfs- und Entwicklungsorganisationen verloren ihr Leben. Tausende Soldaten erlitten zum Teil schwere körperliche und seelische Verletzungen. Wie viele Soldaten im Einsatz körperlich versehrt wurden, konnte die Bundeswehr auf Anfrage nicht mitteilen.

Die Bundeswehr zahlt Koenig nichts und leugnet Einsatzschädigung

Was seelische Verwundungen angeht, begann die Bundeswehr erst 2011 zentral zu erfassen, bei wie vielen Soldaten einsatzbedingte psychische Erkrankungen diagnostiziert wurden. Auch Altfälle werden erst seit 2011 erfasst. Allerdings nur dann, wenn sich die Betroffenen seitdem mindestens einmal von Ärzten der Bundeswehr behandeln ließen. Insgesamt erhielten seit 2011 knapp 12 700 Soldaten eine psychotherapeutische Behandlung, 9 859 aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung. Nach Angaben der Bundeswehr wurde bei 7500 Soldaten die PTBS durch einen Einsatz in Afghanistan ausgelöst.

In einer 2012 veröffentlichten Studie verglich der Psychologe Hans-Ulrich Wittchen knapp 1600 Bundeswehrsoldaten, die in Afghanistan stationiert waren, mit etwa 900 Soldaten ohne Auslandseinsatz. Wittchen kam zu dem Ergebnis, dass Soldaten mit Einsatzerfahrung ein bis zu vierfach erhöhtes Risiko haben, innerhalb eines Jahres an PTBS zu erkranken. Auf 10 000 heimkehrende Soldaten kommen laut der Studie 300 Fälle von PTBS. Allerdings erhalte die Hälfte der Erkrankten weder eine Diagnose noch professionelle Hilfe, was eine hohe Dunkelziffer impliziert.

Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses

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Gegründet wurde die Nato am 4. April 1949 in Washington, D.C. Zunächst zwölf Staaten unterzeichneten den Nordatlantikvertrag: Belgien, Dänemark, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA. Sie wurden zu den Gründungsmitgliedern der Nato. Hier präsentiert Gastgeber und US-Präsident Harry S. Truman das Dokument, das die Grundlage für das Verteidigungsbündnis bildet. Der erste Oberkommandeur war der US-Amerikaner Dwight D. Eisenhower, der nach seiner Zeit bei der Nato Truman im Amt des US-Präsidenten beerben sollte. © imago
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In den ersten Jahren nach ihrer Gründung stand die Nato ganz im Dienste der Abwehr der sowjetischen Gefahr. 1952 fanden in Deutschland zahlreiche Manöver der Mitgliedsstaaten statt, unter anderem überwacht vom zweiten Oberkommandeur der Nato, Matthew Ridgway (2.v.l.) und dem damaligen französischen Botschafter in Deutschland, Andre Francois-Poncet (3.v.r.). © imago
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Im Jahr 1952 traten zwei weitere Länder der Nato bei: Griechenland und die Türkei. Die Anzahl der Nato-Mitglieder stieg also auf 14. Noch im selben Jahr fanden die ersten Manöver des Verteidigungsbündnisses statt. Beteiligt waren neben Einheiten Großbritanniens und der USA auch Kampftaucher, sogenannte Froschmänner, der türkischen Marine. © imago
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Im Jahr 1954 beschlossen die Nato-Mitgliedsstaaten auch der Bundesrepublik Deutschland den Beitritt anzubieten. Der britische Außenminister Anthony Eden reiste nach Paris, um im Palais de Chaillot die Vereinbarung zu unterzeichnen. Ein Jahr später, 1955, wurde die BRD als 15. Mitglied der Nato in das Verteidigungsbündnis aufgenommen. © UPI/dpa
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Kurz nach Gründung durchlitt die Nato bereits ihre erste interne Krise. Frankreich entzog bereits 1959 seine Flotte der Nato-Unterstellung. 1966 verabschiedeten sich die Vertreter des Landes aus allen militärischen Organen des Verteidigungsbündnisses. Frankreichs Präsident Charles de Gaulle (l.), hier bei der Beerdigung John F. Kennedys, fürchtete eine Dominanz der USA in der Nato und pochte auf die Unabhängigkeit der französischen Streitkräfte. Das Land kehrte erst im Jahr 2009 wieder als vollwertiges Mitglied in die militärischen Strukturen zurück. © imago
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Im Jahr 1982 fand die nächste Erweiterungsrunde der Nato statt. Spanien wurde das 16. Mitglied des Verteidigungsbündnisses und nahm kurz darauf am Nato-Gipfel in Bonn teil. In der damaligen Bundeshauptstadt kamen die Staatsoberhäupter und Regierungschefs zusammen (v.l.n.r.): Kare Willoch (Norwegen), Francisco Balsemao (Portugal), Leopoldo Calvo-Sotelo (Spanien), Bülent Ulusu (Türkei), Margaret Thatcher (Großbritannien) und Ronald Reagan (USA). © imago
Ihren ersten Kampfeinsatz startete die Nato am 30. August 1995 mit der Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild).
Am 30. August 1995 startete die Nato die Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild). © DOD/USAF/afp
Bei der Operation kam es zum ersten Kampfeinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. Nato-Befehlshaber Leighton Smith (Mitte) und UN-Balkankommandant Bernard Janvier (rechts) konnten sich schon am Tag davor am Flughafen von Sarajevo als Sieger fühlen.
Am ersten Kampfseinsatz der Nato war auch Deutschland beteiligt. Die Bundeswehr schickte Tornado-Kampfflugzeuge in den Krieg in Jugoslawien. Ab Juni 1999 übernahm Deutschland die militärische Führung über einen Sektor des Kosovos im Rahmen der so genannten Kosovo-Friedenstruppe (KFOR). Zu Beginn befanden sich rund 6.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Einsatz im Kosovo. © ANJA NIEDRINGHAUS/afp
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Es war der erste Kriegseinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze im ehemaligen Jugoslawien. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. © dpa
Bereits im Jahr 1998 hatte hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.
Bereits im Jahr 1998 hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.  © ECKEHARD SCHULZ/Imago
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen.
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen. © Louisa Gouliamaki/dpa
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Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erweiterte sich die Nato um Länder der ehemaligen Sowjetunion. Am 12. März 1999 wurden die Flaggen von Polen, Tschechien und Ungarn am Nato-Hauptquartier in Brüssel (Belgien) gehisst. Das Verteidigungsbündnis war damit auf 19 Mitgliedsstaaten gewachsen. © ATTILA SEREN/imago
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. Der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.  © SHAH MARAI/afp
Nato-Einsatz in Afghanistan
Am Nato-Einsatz in Afghanistan beteiligte sich auch die deutsche Bundeswehr. Mit gleichzeitig 5.300 stationierten Soldatinnen und Soldaten war es der größte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Als Teil der International Security Assistance Force (ISAF) waren deutsche Streitkräfte an mindestens zehn Kampfeinsätzen beteiligt. Zwischen 2001 und 2014 wurden 59 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan getötet. © Michael Kappeler/dpa
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen, das einen vollständigen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan bis Ende April 2021 beinhaltete. Trumps Nachfolger Joe Biden terminierte den Abzug der US-Truppen bis zum symbolischen Stichtag des 11. September. Die verbündeten Nato-Staaten schlossen sich an, und so begann auch die Bundeswehr mit dem Abzug ihrer letzten Streitkräfte aus Afghanistan. © Boris Roessler/dpa
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Im Jahr 2004 fand die bis dato größte Erweiterungsrunde der Nato statt. Der damalige US-Außenminister Colin Powell gab bekannt, dass das Verteidigungsbündnis sieben neue Mitgliedsstaaten auf einen Streich aufnehmen werde: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien. Die Nato bestand damit aus 26 Mitgliedern. © BENOIT DOPPAGNE/imago
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist.
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist. © TOBIN JONES/afp
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Zu ihrem 50-jährigen Bestehen im Jahr 2009 nahm die Nato zwei weitere Mitglieder auf: Albanien und Kroatien. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte den albanischen Ministerpräsidenten Sali Berisha bei den Feierlichkeiten rund um die Erweiterung sowie zum Jubiläum auf dem Nato-Gipfel in Straßburg und Kehl. © imago
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Am 5. Juni 2017 wird die Nato um ein weiteres Mitglied erweitert. Montenegro tritt dem Verteidigungsbündnis bei. Das Land hatte sich 2006 von Serbien unabhängig erklärt und wurde inklusive Flagge elf Jahre später in Brüssel am Nato-Hauptquartier begrüßt.  © Gong Bing/imago
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Die vorerst letzte Nato-Erweiterung fand im Jahr 2020 statt. Am 27. März trat Nordmazedonien dem Verteidigungsbündnis bei. Griechenland hatte die Aufnahme des Landes wegen eines Streits über dessen Namen jahrelang blockiert. Nachdem sich beide Länder geeinigt hatten, war der Weg frei für gemeinsame Manöver, wie hier zum Beispiel mit Einheiten der US-Armee in der Nähe von Krivolak. © imago
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle.
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle. © AHMAD AL-RUBAYE/afp
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Luftraum-Überwachung setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Düsenjägerpilot in Mont-de-Marsan noch einmal sein Flugzeug für die viermonatigen Mission vor.
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Überwachung des Luftraums setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Pilot in Mont-de-Marsan noch einmal seinen Jet für die viermonatige Mission vor.  © THIBAUD MORITZ/afp
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an.
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an. © JOHN THYS/afp
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Und am Horizont ist bereits die nächste Erweiterung der Nato zu sehen. Zusammen mit Finnland hatte sich auch Schweden um einen Beitritt zum Verteidigungsbündnis beworben. Der Aufnahmeprozess läuft. Im baltischen Meer fanden bereits erste gemeinsame Übungen der US Navy und der schwedischen Marine statt.  © IMAGO/U.S. Navy
Droht immer wieder mit einem Austritt aus der Nato: US-Präsident Donald Trump.
Bereits während seiner ersten Amtszeit stellte US-Präsident Donald Trump den Nutzen der Nato für die USA infrage und kritisierte die Verbündeten dafür, zu wenig in ihre Verteidigung zu investieren. Stattdessen würden sich die Staaten der Europäischen Union (EU) auf die militärische Stärke der USA verlassen. Nach seinem Sieg bei der US-Wahl 2024 erneuerte Trump seine Kritik und stellte sogar Artikel 5 des Nordatlantikvertrags infrage. Dieser besagt, dass ein Angriff auf einen Nato-Staat als Angriff auf alle Nato-Staaten gilt. © Anna Ross/Uncredited/dpa/Montage

Tobias Koenig ist eine Dunkelziffer. Die Bundeswehr hat seine Einsatzschädigung nie anerkannt. Als seine PTBS 2009 endgültig ausbrach, war er 23 Jahre alt. Koenig erzählt, dass er sich völlig entfremdet fühlte, als er aus Afghanistan zurückkehrte. „Da war kaum Verständnis. Die Reintegration war zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich ausgebaut”, sagt er. Bis auf ein „Willkommen-zu-Hause”-Wochenende habe es damals kaum Auffangnetze gegeben. Stattdessen griff Koenig zum Alkohol. „Ich trank, hatte unterschwellige Ängste und litt unter Schlafstörungen. Ich redete das aber so lange klein, bis es nicht mehr ging.“

Die Beweislast liegt bei den Veteranen – „übliche Belastungen eines Soldaten“

Nach der Diagnose stellte Koenig einen Antrag auf Wehrdienstbeschädigung. Er wollte, dass die Bundeswehr seine PTBS als Folge seines Einsatzes anerkennt und ihm eine angemessene medizinische Behandlung ermöglicht. „Die Gutachter der Bundeswehr wollten mir aber weismachen, dass es mir doch eigentlich gut gehe. Ich solle mich halt zusammenreißen”, sagt Koenig. Der ärztliche Gutachter habe darauf hingewiesen, dass er ja immerhin seine Ausbildung zum Krankenpfleger abschließen konnte. So schlecht könne es ihm also nicht gehen. Im offiziellen Schreiben habe es dann geheißen, Koenig sei nur den üblichen Belastungen eines Soldaten im Auslandseinsatz ausgesetzt gewesen. „Ich fühlte mich damals unglaublich verletzt und alleingelassen, geradezu aussätzig.”

Heute hat er einen Behinderungsgrad von 30 Prozent und kann nur in Teilzeit arbeiten. Ausgleichsleistungen erhält er keine. „Ich habe schon mal versucht mehr zu arbeiten, wurde dann aber wieder instabil”, sagt Koenig. Weil die Bundeswehr seine Einsatzschädigung bis heute nicht anerkannt hat, wurden seine bisherigen Behandlungskosten von der zivilen Renten- und Krankenversicherung übernommen. Obwohl Koenig nicht in Vollzeit arbeiten kann, sei auch sein Antrag auf eine Teilerwerbsminderungsrente abgelehnt worden. Die langfristigen Kosten seines Afghanistaneinsatzes muss Koenig also selbst tragen.

Doch die Truppe hat dazugelernt – zumindest wenn es nach Oberstleutnant Jörg Bruder geht. „Es hat sich viel getan.“ Er führt in der Bundeswehr die Leitstelle der Lotsen. Das sind Soldaten, die an ihren Standorten ehrenamtlich die Aufgabe übernehmen, erkrankte Soldaten durch den Bürokratie-Dschungel der Bundeswehr zu führen. Je nach Antragsverfahren könne der Weg bis zur Anerkennung eines Einsatzschadens bis zu zwei Jahren dauern, sagt Bruder.

Dabei liegt die Beweislast aber bei den Soldaten: Sie müssen aufwendig belegen, dass ihre Krankheit tatsächlich durch einen Einsatz ausgelöst wurde. Dennoch möchte Jörg Bruder alle aktiven und ehemaligen Soldaten dazu ermutigen, diesen Weg zu gehen. Bis zu einem Alter von 65 Jahren ist das noch möglich. Nur so könne sichergestellt werden, dass Einsatzgeschädigte auch die richtige Versorgung und soziale Absicherung bekommen.

Bundeswehr lehnt Antrag ab – „Ich kam direkt wieder in die Geschlossene”

Tobias Koenig ist sich aber sicher: Dem langwierigen und emotional belastenden Antrag auf Wehrdienstbeschädigung kann er sich kein zweites Mal aussetzen. Zu groß ist die Angst vor einem erneuten Ausbruch der PTBS. „Als die Bundeswehr damals meinen Antrag ablehnte, hat mich das völlig aus der Bahn geworfen. Ich kam direkt wieder in die Geschlossene”, erzählt er. Dieses Risiko will er nicht noch mal eingehen.

Stattdessen engagiert sich Koenig ehrenamtlich beim Bund Deutscher Einsatzveteranen (BDV). Bis vor Kurzem half er anderen Einsatzgeschädigten auf dem Weg zur Anerkennung und Behandlung ihrer Krankheit. Inzwischen ist Koenig für die Öffentlichkeitsarbeit des Veteranenverbands zuständig. Der BDV hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Interessen Einsatzgeschädigter in die Politik einzubringen.

Deutsche Soldaten in Afghanistan.

Mit ersten Erfolgen: Erst in diesem Jahr nahm die Bundeswehr den BDV in einen hohen Beraterkreis auf, die Regierung förderte die Veteranenarbeit des BDV erstmals mit 725 000 Euro. „Seitdem in Europa wieder ernsthaft über die Möglichkeit eines Krieges gesprochen wird, erfahren wir Aufwind. Die Politik hört uns endlich zu”, sagt Bernhard Drescher. Der Oberstleutnant a.D. ist Bundesvorsitzender des BDV und war selbst an Einsätzen im Balkan beteiligt.

Wenn Koenig auf der Bühne steht, singt er über die Abgründe seiner Krankheit

Als der Bundestag Ende April beschloss, dass am 15. Juni 2025 der erste nationale Veteranentag gefeiert werden soll, war das ein Meilenstein für die deutschen Veteranen, erzählt Drescher. Ihm geht es nicht nur um materielle, sondern auch um symbolische Anerkennung. „Wir brauchen endlich einen politischen Rahmen für den Aufbau einer zeitgemäßen Veteranenkultur”, sagt Drescher. Darunter versteht er weder einen Heldenkult noch Militärparaden in Berlin. „Wir wollen keine Panzer vorm Brandenburger Tor. Wir wollen einfach eine angemessene Wertschätzung, so wie andere Berufsgruppen”. Der Veteranentag sei ein Schritt in die richtige Richtung und müsse jetzt mit Leben gefüllt werden.

Tobias Koenig greift inzwischen nicht mehr zum Alkohol, sondern zur Gitarre. Unter dem Titel „Veteranenseele” veranstaltet er gemeinsam mit dem Musiker Jesse Cole in München Konzerte. Nach seinem letzten PTBS-Rückfall gründete er 2022 die Rock-Band „Foreignson and his Ghosts” – der fremde Sohn und seine Geister. Wenn Koenig auf der Bühne steht, dann singt er über die Abgründe seiner Krankheit und darüber, wie entfremdet und unverstanden er sich nach seiner Rückkehr aus Afghanistan fühlte – aber auch über Wege, mit all dem fertig zu werden.

Rubriklistenbild: © Can Merey/dpa

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