Trotz hoher Verluste: 2024 nur minimale Landgewinne für Russland
VonLisa Mahnke
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Putin bezeichnet 2024 als „Meilenstein“ im Ukraine-Krieg. Statistiken lassen zweifeln: Kaum Gebietsgewinne und Verluste bleiben eine Herausforderung.
Donezk – Es ist ein Vor und Zurück im Ukraine-Krieg. Während sich die russischen Verluste häufen, kann Putins Armee kaum langfristig Gebiete einnehmen. Im Jahr 2024 veränderte sich die Frontlinie nur minimal. Für jeden eingenommenen Quadratkilometer musste eine unglaubliche Anzahl an russischen Soldaten ihr Leben lassen.
Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete das Jahr 2024 in seiner Pressekonferenz zum Jahresabschluss laut der Moscow Times als „Meilenstein“ im Ukraine-Krieg. Bei einem Treffen des Verteidigungsministeriums sagte Putin demnach, es seien 189 Siedlungen an der Front erobert worden. Zudem solle Russland angeblich täglich mehr als 1000 Freiwillige für die Armee rekrutieren. An der Front werden diese Zahlen allerdings kaum deutlich. Die hohen Verluste im Ukraine-Krieg unbeachtet hat Putin offenbar nur eins im Kopf: Immerhin war das Jahr 2024 für ihn besser als das Vorjahr.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Ukraine-Front bewegt sich 2024 kaum – Russland macht nur wenige Fortschritte
Auf der Karte der unabhängigen ukrainischen Analyseplattform „Deep State“ findet über das Jahr 2024 kaum Bewegung statt. Nur in den letzten Monaten des Jahres gelang es Russland, in der Region Donezk, dem aktuellen Hauptkampfgebiet im Ukraine-Krieg, bis kurz vor Pokrowsk vorzudringen. Außerdem konnte Russland in der Region Kursk bei der Rückeroberung der durch die Ukraine eingenommen Gebiete einige Erfolge einfahren. Dies lässt sich auch auf der Karte eines Reddit-Benutzers erkennen, die auf den Daten von Deep State basiert.
Aktuell sind in der Ukraine (Stand: 2. Januar) laut Angaben von Deep State 18,46 Prozent des Gesamtgebiets durch Russland besetzt. Im Laufe des Kriegs habe die Ukraine allerdings auch 7,03 Prozent des Gesamtgebiets befreit. Zum Vergleich: Am 1. Januar 2024 waren 17,98 Prozent des ukrainischen Gebiets im russischen Gebiet. Insgesamt konnte Russland also in dem Jahr 2024 kaum Landgewinne verzeichnen. Auch bei der Rückeroberung der durch die Ukraine befreiten Gebiete konnte Russland nur minimale Gewinne einfahren. Der Anteil dieser Gebiete sank um nur 0,15 Prozentpunkte (7,18 Prozent am 1. Januar 2024).
Massenweise Tote durch Ukraine-Krieg: Russland bezahlt Landgewinne mit schweren Verlusten
Laut dem „Institute for the Study of War“ (ISW) müsse Russland die wenigen Gebietsgewinne schwer bezahlen. Das ISW berechnete für die russische Offensive in der Region Donezk von September bis November 2024 russische Verluste von 138 Soldaten pro Quadratmeile (ca. 2,59 Quadratkilometer). Zwar habe es sich im Oktober dabei laut einer AFP-Analyse, die die Moscow Times zitierte, um Rekord-Gebietseinnahmen seit Beginn des Ukraine-Kriegs mit ganzen 478 eingenommenen Quadratkilometern, allerdings war der Preis dafür unglaublich hoch. Das ganze Jahr über soll Russland laut dem ISW 102 Verluste pro eingenommene Quadratmeile gemacht haben, basierend auf Gesamtverlustangaben von insgesamt 427.000 Soldaten im Jahr 2024.
Den Zahlen des ukrainischen Verteidigungsministeriums nach verzeichnete Russland oft deutlich über 1000 Verluste pro Tag. Damit könnte die angebliche Zahl der Freiwilligen die Armee höchstens auf der aktuellen Größe halten. Laut der britischen Nachrichtenseite Express hätte Russland ausgehend von den ukrainischen Zahlen allein im Jahr 2024 insgesamt 430.790 Soldaten verloren. Im Vorjahr lag die Zahl laut Newsweek noch bei 360.010.
Mehr Landgewinne für Russland 2024 als im Vorjahr – doch zu welchem Preis?
Russland nahm im Jahr 2024 zwar mehr Gebiete ein als im Vorjahr, allerdings kommt Putins Armee noch lange nicht mehr an die Überraschungserfolge aus dem ersten Jahr des Ukraine-Kriegs heran. Nach dem 24. Februar 2022 habe Russland im Jahr 2022 laut Deep State 64.733 Quadratkilometer eingenommen. Seit dem ersten Jahr fielen die Gebietsgewinne rasant ab – das besetzte Gesamtgebiet soll demnach nach dem Jahr 2024 bei 67.867 Quadratkilometern liegen.
„Die Taktik funktioniert, aber die Kosten sind eine andere Sache. Russland hat erhebliche Verluste erlitten und schien sich wenig um seine Truppen zu kümmern. Aber auch die Ukraine muss Verluste hinnehmen“, sagte Ivan Stupuak, ein Militärexperte und ehemaliger Beamter des ukrainischen Sicherheitsdienstes, laut der Moscow Times. Es bleibt demnach fraglich, wie lange Putins Taktik noch aufrechterhalten werden kann.
Im Dezember nannte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auch Zahlen zu den ukrainischen Verlusten. Newsweek zitierte, dass 43.000 ukrainische Soldaten im Krieg getötet worden seien und 370.000 verletzt. Auch die Zahlen der russischen Verluste schlüsselte er auf: 198.000 tote russische Soldaten und 550.000 Verwundete sollen es gewesen sein. (lismah)