„Travestie ein Ende setzen“

Trump droht mit Insurrection Act gegen Proteste – und überrascht mit Wahl-Aussage

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Da seine Popularität sinkt, denkt Donald Trump darüber nach, die Kongresswahlen 2026 abzusagen. Seine Aussagen scheinen selbst das Weiße Haus zu verwundern.

Washington, D.C. – Wachsende Unzufriedenheit, sinkende Zustimmungswerte – so lautet die Realität für Donald Trump. Der US-Präsident polarisiert nahezu pausenlos. Seine Aussagen ecken an, seine ausgeführten Befehle provozieren. Da sollte es Trump nicht wundern, wenn die Popularität seiner eigenen Person in den Reihen der US-Bevölkerung rapide sinkt – Ende offen.

„Wenn die korrupten Politiker von Minnesota sich nicht an das Gesetz halten...“: US-Präsident Donald Trump erwägt, den Insurrection Act gegen Demonstranten einzusetzen.

Grund genug für den mächtigsten Mann der Welt, um in Interviews verbal um sich zu schlagen. Der US-Präsident spricht darüber, wie er am liebsten auf wachsende Proteste der Bevölkerung reagieren würde. Und, welchen Stellenwert Wahlen für ihn anno 2026 überhaupt noch haben. Ganz offensichtlich ohne Wissen des Weißen Hauses, das entsprechend reagiert.

Keine Midterm-Wahlen 2026? Donald Trump denkt über Absage nach

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters lässt Trump verlauten, darüber nachzudenken, die jährlich am 1. November stattfindenden Kongresswahlen abzusagen. Oder zumindest deren Ergebnis nicht anerkennen zu wollen. Ein Resultat der Stimmung im Land gegen ihn, so der US-Präsident.

Trump setzt auf Härte: ICE und Nationalgarde im Einsatz - Razzien, Proteste und Ausschreitungen

ICE-Razzia in New York
Seit dem Amtsantritt von Donald Trump brodelt es in den USA. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die harte Migrationspolitik des US-Präsidenten. In seiner Antrittsrede hatte er angekündigt, „Millionen und Abermillionen“ Menschen ohne Papiere abschieben zu wollen. Trumps verlängerter Arm ist die Einwanderungsbehörde ICE. Deren Beamte treten in der Regel vermummt auf, nehmen Menschen fest und transportieren sie in unmarkierten Fahrzeugen ab. Im Oktober kam es beispielsweise in der Canal Street in New York zu brutalen Szenen (im Bild). © Michael Nigro/Imago
Anti-Trump
Völlig unklar ist dabei, wer überhaupt festgenommen wird. Handelt es sich um gefährliche Kriminelle, wie die Trump-Regierung es darstellt? Sind es Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus? Es gibt zudem Berichte, dass bei ICE-Razzien auch Personen verhaftet wurden, die die US-Staatsbürgerschaft besitzen. Im Sommer erinnerten die Menschen in New York an die Betroffenen. © Aashish Kiphayet/Imago
Proteste gegen Trump
Schon früh warf der Fall eines Familenvaters ein Schlaglicht auf das harte Vorgehen von Trump. Der Salvadorianer Kilmar Abrego Garcia war trotz Abschiebeschutzes in das berüchtigte Hochsicherheitsgefängnis „Cecot“ in El Salvador gebracht worden. Nach langem juristischem Tauziehen wurde er im Juni in die USA zurückgebracht. Die US-Regierung sprach damals von einem „administrativen Fehler“. © Jim West/Imago
Kilmar Abrego Garcia
Kilmar Abrego Garcia (Mitte) ist mit einer US-Bürgerin verheiratet und lebte bis zu seiner Abschiebung im Bundesstaat Maryland im Osten der USA. Ende Oktober teilte die US-Regierung in einem Gerichtsdokument mit, sie plane, ihn in die „blühende Demokratie“ Liberia abzuschieben. Sein Anwalt Simon Sandoval-Moshenberg erklärte, der Salvadorianer habe keinerlei Verbindung zu Liberia. Eine Abschiebung dorthin sei „grausam und verfassungswidrig“.  © Andrew Harnik/AFP
Proteste gegen Aktion von US-Bundeseinwanderungsbehörde
Am 6. Juni 2025 begannen in der Innenstadt von Los Angeles die ersten Proteste gegen die ICE-Razzien. Los Angeles hatte bereits im November 2024 nach der Wiederwahl von Donald Trump ein Gesetz verabschiedet, um die Zusammenarbeit der örtlichen Strafverfolgung mit den Bundesbehörden zu begrenzen. © Matthew Hoen/dpa
Proteste gegen Aktion von US-Bundeseinwanderungsbehörde
Die Proteste in Los Angeles blieben zunächst friedlich, entwickelten sich jedoch über mehrere Wochen zu anhaltenden Demonstrationen. Immer wieder versammelten sich die Menschen in der Innenstadt von Los Angeles und forderten ein Ende der ICE-Razzien. © Jill Connelly/dpa
Proteste gegen Aktion von US-Bundeseinwanderungsbehörde
Als Reaktion auf die anhaltenden Proteste ordnete Trump im Juni 2025 die Entsendung von 700 Marines und 4000 Nationalgardisten nach Los Angeles an. Diese Entscheidung erfolgte gegen den Widerstand von Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom, der die Bundesintervention ablehnte.  © Brian Cahn/dpa
Proteste in den USA
Kalifornien reichte am 9. Juni 2025 eine Klage gegen die Trump-Regierung vor einem US-Bezirksgericht ein. Die Klage, bekannt als Newsom v. Trump, forderte eine einstweilige Verfügung gegen die Entsendung der kalifornischen Nationalgarde. © Apu Gomes/AFP
Trump in Alligator Alcatraz
Ende Juni eröffnete Trump dann eine als „Alligator Alcatraz“ bekannt gewordene Haftanstalt in einem Sumpfgebiet Floridas. Sie sollte helfen, seine Abschiebepolitik umzusetzen. Innerhalb weniger Tage wurden auf einem wenig genutzten Flugplatz Zelte für 3000 Gefangene sowie Hunderte mobile Unterkünfte für 1000 Angestellte errichtet. Der Name spielt auf das berüchtigte Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz in der Bucht von San Francisco an. Von 1934 bis 1963 war es die am meisten gefürchtete Haftanstalt der USA.  © Imago
Proteste gegen Trump
Am 11. August 2025 erließ Trump ein Dekret, um erstmals in der Geschichte die Kontrolle über die Polizei von der Stadtregierung in Washington, DC, an die Bundesregierung zu übertragen. Trump begründete diese Maßnahme mit „grassierender Kriminalität“. Trump stützte seine Anordnung auf ein Gesetz namens „Home Rule Act“, das im Notstand die Polizei in der US-Hauptstadt unter Bundeskommando stellt. © Allison Bailey/Imago
Donald Trump Proteste
Noch am selben Tag kam es zu Protesten gegen Trumps Entscheidung, die Präsenz von Bundesbehörden und der Nationalgarde in der Hauptstadt zu verstärken. Unter anderem warfen die Menschen dem Präsidenten vor, die USA in den Faschismus zu führen.  © Cheriss May/Imago
Vance und Hegseth
Am 20. August besuchten US-Vizepräsident JD Vance (rechts) und Verteidigungsminister Pete Hegseth die in Washington, DC, stationierten Nationalgardisten. Vance lobte die Einsatzkräfte, die seiner Darstellung nach binnen weniger Tage für einen deutlichen Rückgang der Kriminalität gesorgt hätten. Auch hier kam es zu Protesten. Die Menschen riefen „Free DC“ (Befreit Washington) und buhten lautstark, als Vance und Hegseth sich im Hauptbahnhof Union Station aufhielten. © Alexander Kubitza/Imago
Donald Trump
Zwei Tage später stattete auch Trump selbst den von ihm dorthin entsandten Polizisten und Soldaten einen Besuch ab. „Wir werden die Stadt sicher machen und dann an andere Orte weiterziehen, aber wir werden eine Weile hier bleiben“, erklärte Trump vor einem Gebäude der US Park Police, einer Polizeibehörde des Bundes, im Stadtteil Anacostia. „Wir wollen, dass alles absolut perfekt läuft“, sagte der Republikaner. © Tia Dufour/Imago
'Operation Midway Blitz'
Am 9. September 2025 startete ein Großeinsatz der ICE-Behörde in der Millionenmetropole Chicago – gegen den Widerstand der Stadtverwaltung und des Gouverneurs von Illinois, JB Pritzker. Die „Operation Midway Blitz“ sollte sich nach Angaben des Heimatschutzministeriums gegen „kriminelle, illegale Ausländer“ richten.  © Chris Riha/Imago
Protest in Chicago
Zugleich verbreitete Trump eine mit KI erstellte Grafik, die die Skyline der Millionenstadt zeigte und in Gestaltung und Wortwahl an den Kriegsfilm „Apocalypse Now“ erinnerte. Trumps martialischer Post auf der Plattform Truth Social war mit den Worten „Ich liebe den Geruch von Abschiebungen am Morgen“ versehen – eine Anspielung auf das bekannte Film-Zitat „Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen.“ Die Menschen in Chicago waren entsetzt und verglichen ICE mit der Gestapo. © Jacek Boczarski/Imago
Proteste gegen ICE
Die Ankündigung des Einsatzes fiel mit einer Entscheidung des Supreme Courts zusammen, das den Behörden verdachtsunabhängige Kontrollen von Migranten im Raum Los Angeles vorerst wieder erlaubte. Im Juli hatte ein Gericht Beamten in Los Angeles verboten, wahllos Personen etwa aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Sprache und ohne hinreichenden Verdacht anzuhalten. Kritiker sprechen in diesen Fällen von „Racial Profiling“.  © Jonathan Alcorn/dpa
Sonia Sotomayor
Die Entscheidung galt zwar zunächst nur für den Raum Los Angeles. Doch viele befürchteten einen gefährlichen Präzedenzfall. Auch am Supreme Court gab es scharfe Kritik. Die Regierung habe „so gut wie erklärt, dass alle Latinos, ob US-Bürger oder nicht, die schlecht bezahlte Jobs haben, jederzeit zur Festnahme freigegeben sind“, schrieb Richterin Sonia Sotomayor in ihrer abweichenden Meinung. „Anstatt tatenlos zuzusehen, wie unsere verfassungsmäßigen Freiheiten verloren gehen, lege ich Widerspruch ein.“  © Matias J. Ocner/Imago
Donald Trump in Quantico
Bei einem Treffen am 30. September mit mehr als 800 Generälen und Admirälen stimmte Trump das Militär auf einen „Krieg“ in den Vereinigten Staaten ein. Dabei warf er „radikalen linken Demokraten“ erneut vor, von ihnen regierte Städte wie San Francisco, Chicago oder New York unkontrollierter Kriminalität und Einwanderung preisgegeben zu haben. Die US-Regierung müsse eingreifen, bevor die Lage außer Kontrolle gerate, sagte Trump, der laut Verfassung Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist.  © Jim Watson /AFP
US-Bundesbeamte in Portland
Kurz zuvor hatte Trump die Nationalgarde auch in die ebenfalls von den oppositionellen Demokraten regierte Stadt Portland im Nordwesten der USA beordert. Er begründete dies damit, dass dort unkontrollierte Gewalt auf den Straßen herrsche. Zudem bezeichnete er die Stadt als „vom Krieg verwüstet“.  © Ethan Swope/dpa
Portland - Proteste
Vor allem in sogenannten Sanctuary Cities, die Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung Schutz gewähren und zu denen Portland zählt, sind Proteste gegen Trumps rigide Migrationspolitik an der Tagesordnung.  © Jenny Kane/dpa
Proteste in den USA - Portland
Die von Demokraten regierten Städte versuchen mit allen juristischen Mitteln, sich gegen die von Trump angeordnete Entsendung von Nationalgardisten zu wehren. Eine Bundesrichterin untersagte im Oktober in Portland die Stationierung von Soldaten. Es gebe „keinen Aufstand in Portland noch eine Bedrohung für die nationale Sicherheit“, urteilte Karin J. Immergut. Die Proteste in Portland gegen Trumps Migrationspolitik bedeuteten keine „Aufruhrgefahr“.  © Jenny Kane/dpa
Stephen Miller
Trumps Vize-Stabschef im Weißen Haus, Stephen Miller, brandmarkte daraufhin die Gerichtsentscheidung von Immergut in Online-Netzwerken als „Aufstand“. Er warf den führenden Politikerinnen und Politikern in Oregon einen „organisierten terroristischen Angriff auf die Bundesregierung“ vor. © Andrew Leyden/Imago
Kristi Noem In Indiana
Bei ihrem radikalen Vorgehen setzt die US-Regierung zunehmend auf eine Rhetorik, die mit der Realität vor Ort nichts zu tun hat. Heimatschutzministerin Kristi Noem (Mitte) sagte dem Sender Fox News, Chicago sei „ein Kriegsgebiet“. „Kriminelle“ würden dort „das Leben von Menschen zerstören“. In Bezug auf Portland erklärte Trump, die Stadt brenne. „Überall sind Aufständische.“ © Tia Dufour/Imago
US-Nationalgarde in Memphis
Einsatzkräfte der Nationalgarde wurden auch in die von den Demokraten regierte Stadt Memphis entsandt. Sie seien an „Sicherheitspatrouillen, der Sicherung von Standorten und Verkehrskontrollen“ beteiligt, erklärten die Behörden im Bundesstaat Tennessee. Die Truppen stünden „unter dem Befehl des Präsidenten“, ihr Einsatz sei von Gouverneur Bill Lee genehmigt worden. © George Walker IV/dpa
ICE in Chicago
Trump hat die umstrittenen Razzien Anfang November verteidigt und ein noch härteres Vorgehen gefordert. In einem Interview mit dem Sender CBS antwortete Trump auf die Frage, ob die Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE zu weit gegangen seien: „Ich denke, sie sind nicht weit genug gegangen.“ Interviewerin Norah O‘Donnell verwies auf Fälle, in denen ICE-Beamte eine Frau zu Boden warfen, Tränengas in Wohngebieten einsetzten und Autoscheiben einschlugen. „Sind Sie mit diesen Taktiken einverstanden?“, fragte sie. „Ja, denn man muss die Leute rausbekommen“, antwortete der Präsident. © Octavio Jones/AFP
Gregory Bovino
Kaum ein Name und ein Gesicht wird so sehr mit den Razzien in Verbindung gebracht wie Gregory Bovino (Mitte). Er besitzt den Ruf, bei seinen Feldzügen rücksichtslos vorzugehen. Teils wird ihm vorgeworfen, sich einer Nazi-Ästhetik zu bedienen, wegen seines militärischen Haarschnitts und eines zweireihigen Mantels mit ausladendem Kragen. Bovinos Garderobe sehe aus, als habe er gezielt bei Ebay nach einer SS-Kluft Ausschau gehalten, sagte der demokratische Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom. © Octavio Jones/AFP
Proteste in Minneapolis
Im Januar 2026 eskaliert schließlich die Lage im US-Bundesstaat Minnesota. Minneapolis und ihre Schwesterstadt Saint Paul werden von Tausenden Beamten der Migrationsbehörde ICE heimgesucht. Die maskierten Beamten zerren Menschen teils mit roher Gewalt von der Straße und aus ihren Häusern. © Holden Smith/Imago
Renee Good
Dann geschieht das Unfassbare: Anfang Januar tötet ein ICE-Beamter die unbewaffnete US-Bürgerin Renee Good in ihrem Auto mit drei Schüssen. Good war bereits das vierte Todesopfer bei ICE-Einsätzen seit Beginn der massiven Abschiebekampagne der Regierung von Präsident Donald Trump. © Seth Herald/Imago
Alex Pretti
Wenig später ist auch Alex Pretti (links) tot. Auf mehreren Videos ist zu sehen, wie mehrere Beamte den Krankenpfleger niederringen und auf ihn einschlagen. Dann feuert ein Beamter auf den wehrlosen Mann. Die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar bezeichnet die tödlichen Polizeischüsse danach als „Hinrichtung“. Sie wirft Trump vor, Minneapolis in ein „Kriegsgebiet“ zu verwandeln. © AFP
Good und Pretti
Auch Trump äußert sich gegenüber Fox News dazu: „Unterm Strich war es schrecklich. Beide Vorfälle waren schrecklich.“ Doch er scheint den Einsatz im Interview aber grundsätzlich zu verteidigen: „Wir haben Tausende unbelehrbare Kriminelle aus Minnesota entfernt“, sagt der Präsident. © Octavio Jones/AFP

„Das ist irgendein tiefes psychologisches Ding. Aber wenn man die Präsidentschaft gewinnt, gewinnt man nicht die Zwischenwahlen“, heißt es in diesem Kontext vom Republikaner. „Wenn man darüber nachdenkt, sollten wir eigentlich gar keine Wahl abhalten“, so Trump.

Aussagen des 79-Jährigen, die auf ein weiteres Interview folgen, das der US-Präsident der New York Times gegeben hatte. Schon in diesem Gespräch vermied Trump eine klare Antwort darauf, ob er die Ergebnisse der Zwischenwahlen respektieren würde. In diesen, auch als „Midterm elections“ bekannt, wird der US-Kongress gewählt, die Legislative der USA. Gewählt wird dabei stets in der Mitte der jeweils vierjährigen Amtszeit des US-Präsidenten.

Trump respektiert Wahlergebnisse – und nennt sie „manipuliert“

Seinen Schlingerkurs sollte Trump auch im Interview mit der New York Times fortsetzen. Der US-Präsident behauptete, er respektiere zwar die Ergebnisse von Wahlen, „aber die Wahlen in unserem Land sind manipuliert“. Erst Anfang Januar hatte sich Trump im Rahmen einer Rede vor Republikanern darüber echauffiert, überhaupt „gegen diese Leute antreten zu müssen“. Damit meinte er die Demokraten, die in Umfragen für die Midterms 2026 vor den Republikanern liegen.

„Ich werde jetzt nicht sagen: ‚Sagt die Wahl ab, sie sollten die Wahl absagen‘, weil die Fake News dann sagen werden, er will die Wahlen absagen“, heißt es nun von Trump. Die „Fake News“, die er namentlich nicht weiter benannte, würden ihn „immer einen Diktator“ nennen.

„Witze gemacht“: Spricht Trump nur „scherzhaft“ über Wahl-Absage?

Die Aussagen des US-Präsidenten lassen auch das Weiße Haus aufhorchen. Karoline Leavitt, Pressesprecherin eben jenes Hauses, wurde bereits darauf angesprochen, was Trump angedeutet hatte. Nämlich, die Zwischenwahlen absagen zu wollen. Ihre Reaktion: Trump hätte nur „scherzhaft gesprochen“, schlicht „Witze gemacht“. Zum Lachen war aber wohl niemand aus dem Kreise Trumps zumute.

„Sagen Sie damit, dass der Präsident die Idee, Wahlen abzusagen, lustig findet?“, wurde Leavitt direkt mit einer Nachfrage konfrontiert. „Waren Sie im Raum? Ich war im Raum […] und nur jemand wie Sie würde das so ernst nehmen und es auf diese Weise als Frage stellen“, fiel ihre erneute Reaktion eher rüde aus.

Trump droht Demonstranten in Minnesota mit Insurrection Act – was das bedeuten würde

Das Weiße Haus ist also darum bemüht, Trumps Aussagen als eine Art Comedy-Einlage dastehen zu lassen. Gleichzeitig ist es besagter US-Präsident, der weiterhin mit autoritären Schritten droht. Um die anhaltenden Proteste in Minnesota zu zerschlagen, drohte Trump damit, den Insurrection Act gegen die Demonstranten anzuwenden. Hintergrund für die Unruhen ist die Tötung der US-Bürgerin Renee Good durch Einsatzkräfte der ICE (United States Immigration and Customs Enforcement), der amerikanischen Einwanderungsbehörde, die unter der Regentschaft Trumps zunehmend radikaler und brutaler agiert.

Der Insurrection Act

Grundsätzlich darf ein US-Präsident nur in Ausnahmefällen die Bundeskontrolle über Soldaten der Nationalgarde, die den US-Bundesstaaten zugeordnet sind, übernehmen. Und auch dann ist es ihm nur erlaubt, ganz bestimmte Einsätze anzuordnen.

Damit würde der aktuelle US-Präsident, also Donald Trump, auf den Insurrection Act („Aufstandsgesetz“) zurückgreifen. Dieses Bundesgesetz der USA geht auf das Jahr 1807 zurück und gibt dem Präsidenten die Vollmacht, die Nationalgarde und Heerestruppen oder Marineverbände innerhalb der Vereinigten Staaten zur Bekämpfung von Aufständen einzusetzen.

In über 200 Jahren des Bestehens wurde das Gesetz bis dato 30 Mal als Reaktion auf Vorfälle angewandt. Letztmals machte George H. W. Bush 1992 vom Insurrection Act Gebrauch, als es im Mai des genannten Jahres zu Unruhen in Los Angeles gekommen war. (Quelle: Brennan Center for Justice, Non-Profit-Organisation)

„Wenn die korrupten Politiker von Minnesota sich nicht an das Gesetz halten und die professionellen Agitatoren und Aufständischen nicht daran hindern, die Patrioten von I.C.E. anzugreifen, die lediglich ihre Arbeit tun, werde ich den INSURRECTION ACT in Kraft setzen“, schrieb Trump auf seiner eigenen Plattform Truth Social. Er würde der „Travestie, die sich in diesem einst großartigen Bundesstaat abspielt, schnell ein Ende setzen“.

Zur Einordnung: Durch den Insurrection Act wäre es Trump möglich, Angehörige der Nationalgarde des Bundesstaates zu föderalisieren, um die Proteste niederzuschlagen. Proteste, die bis dato zum Großteil friedlich verlaufen sind. Und das, obwohl es immer wieder zu gewaltsamen Einsätzen von Bundesbeamten kam, die nach Minnesota entsandt wurden. Popularitätswerte werden so nicht gesteigert. (Quellen: Brennan Center for Justice, Reuters, New York Times, Truth Social, dpa) (han)

Rubriklistenbild: © Anadolu Agency/imago/Montage

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