Radikalisierung im Oval Office

Trump feiert Massen-Deportationen – und benutzt nun auch Begriff „Remigration“

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Die Vereinigten Staaten erleben die größte Migrationswende seit Jahrzehnten. Trump benutzt dafür Begriffe, die aus Europas rechter Ecke kommen.

Washington, D.C. – US-Präsident Donald Trump hat am Unabhängigkeitstag öffentlich die „größte Massendeportation in der Geschichte“ gefeiert. In einem Truth Social-Post lobte er das neue Einwanderungsgesetz, sprach von einem „Wendepunkt für die nationale Souveränität“ – und führte dabei einen neuen Begriff in den US-Diskurs ein: „Remigration“.

Unabhängigkeits-Wochenende in den USA: Trump feiert mit Massen-Deportationen

„Ein großes DANKESCHÖN an die heldenhaften ICE-Beamten, die jeden Tag kämpfen, um unsere Souveränität und Freiheit zurückzuerobern“, schrieb Trump am Samstagabend (5. Juli). Der Präsident pries in seinem Post den kürzlich verabschiedeten „ONE BIG BEAUTIFUL BILL ACT“, der alle Mittel bereitstelle, um „die größte Massendeportationsoperation der Geschichte“ umzusetzen. Beamte der Einwanderungsbehörde ICE, so Trump, würden nun „endlich die Werkzeuge und Unterstützung erhalten, die sie benötigen“, um Amerika zurückzuerobern.

„Wir werden nicht zulassen, dass Amerika ein Dritte-Welt-Land voller Kriminalität, scheiternder Schulen, kollabierender Krankenhäuser und totaler sozialer Dysfunktion wird“, schrieb Trump weiter. „Das nennt sich REMIGRATION, und es wird AMERIKA WIEDER GROßm MACHEN!“

Kristi Noem: Die schrägen Outfits von Trumps „Abschiebe-Barbie“

Kristi Noem gilt spätestens seit 2018 als enge Verbündete Donald Trumps.
Kristi Noem gilt spätestens seit 2018 als enge Verbündete Donald Trumps. Der damalige US-Präsident unterstützte Noems Kandidatur für das Gouverneursamt im US-Bundesstaat South Dakota. Auch dank Trumps Hilfe gewann Noem die Wahl und wurde im Januar 2019 zur ersten Gouverneurin in der Geschichte South Dakotas ernannt. Es war der vorläufige Höhepunkt der Karriere Noems, die mit gewagten Outfits und Verkleidungen in den folgenden Jahren von sich reden machte. © Susan Walsh/dpa
Ihre politische Laufbahn begann Kristi Noem als Abgeordnete im Repräsentantenhaus South Dakotas.
Ihre politische Laufbahn begann Kristi Noem als Abgeordnete im Repräsentantenhaus South Dakotas. Mit 36 Jahren zog sie in das Parlament ein und machte sich dort direkt als Mitglied der ultrakonservativen „Tea-Party-Bewegung“ einen Namen: Noem engagierte sich für den Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen und gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. © IMAGO/Bill Clark
Kristi Noem, hier bei der Vereidigung als Abgeordnete des Repräsentantenhauses in South Dakota
Kristi Noem, hier bei der Vereidigung als Abgeordnete des Repräsentantenhauses in South Dakota, wuchs auf einer Farm in dem ländlich geprägten Bundesstaat auf. Seit 1992 ist Donald Trumps spätere Heimatschutzministerin mit ihrem Ehemann Bryon Noem verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter und einen Sohn. Die Familie lebt in einem Anwesen in Castlewood, ein winziges Dorf in South Dakota, in dem gerade einmal rund 700 Menschen wohnen. © IMAGO/Jeff Malet
Aus ihrer Nähe zur Waffenlobby machte Kristi Noem nie einen Hehl.
Aus ihrer Nähe zur Waffenlobby hat Kristi Noem nie einen Hehl gemacht. Die Republikanerin vertritt ein unbeschränktes Recht auf Waffenbesitz, was sie als Kandidatin für die einflussreiche Waffenlobby-Organisation „National Rifle Association“ (NRA) interessant machte. Die NRA unterstützte den Wahlkampf Noems im Rennen um das Gouverneursamt in South Dakota. Noem bedankte sich mit Auftritten auf Veranstaltungen der NRA, wie hier in Indianapolis. © IMAGO/Luke Johnson
Gouverneurin von South Dakota fiel Kristi Noem mit extrovertierten Outfits und kontroversen Standpunkten auf
Bereits in ihrer Zeit als Gouverneurin von South Dakota fiel Kristi Noem mit extrovertierten Outfits und kontroversen Standpunkten auf. Im Jahr 2019, in Trumps erster Amtszeit, kritisierte sie die Handelspolitik des US-Präsidenten und befürchtete, sein Umgang mit China und der Europäischen Union, könnte ihrem Bundesstaat wirtschaftlich schaden. Die Rechtsaußen-Politikerin war aber auch in ihrer Zeit als Gouverneurin eine enge Verbündete der Trump-Bewegung. © Imago
Kristi Noem als Cowgirl vom Land.
Besonders gern inszeniert sich Kristi Noem als Cowgirl vom Land. Den Look entdeckte sie bereits als Gouverneurin des ländlich geprägten Bundesstaats South Dakota für sich. Im Jahr 2020 sorgte Noem für Schlagzeilen, als sie eine Veranstaltung für Bullenreiten in Sioux Falls eröffnete – hoch zu Ross, ganz im Cowboy-Outfit und mit riesigem Sternenbanner in der Hand. © imago
Kristi Noem in ihrer Zeit als Gouverneurin von South Dakota
Doch nicht nur als Cowgirl zeigte sich Kristi Noem in ihrer Zeit als Gouverneurin von South Dakota. Im Jahr 2021 ließ sie sich gemeinsam mit Kim Reynolds, Gouverneurin des Bundesstaates Iowa, und Pete Ricketts, damals Gouverneur in Nebraska, ablichten. Alle drei sind wie Donald Trump Mitglied der Republikaner. Hier posieren sie in Trikots einer örtlichen Eishockey-Mannschaft in Sioux Falls, der größten Stadt South Dakotas. © imago
Kristi Noem ihr Image als sportlich aktive Power-Frau
Bereits als Abgeordnete des Kongresses in South Dakota pflegte Kristi Noem ihr Image als sportlich aktive Powerfrau. Hier präsentiert sich die spätere Gouverneurin als Teil eines Softball-Teams im Rahmen eines Benefizspiels in der Hauptstadt Washington, DC. © imago
Das ist das Bild, das Kristi Noem von sich selbst verbreitet.
Eine Gouverneurin mit modischem Stil, die sich trotz allem nicht zu schade ist, auch selbst anzupacken. Das ist das Bild, das Kristi Noem von sich selbst verbreitet. Hier ist die Republikanerin beim Spatenstich für den Bau eines Möbelmarkts in Sioux Falls zu sehen. © imago
2020 stimmte auch Kristi Noem in die Verschwörungstheorie ein, die Demokraten hätten die Wahl manipuliert.
Nach Donald Trumps Niederlage gegen Joe Biden bei der US-Wahl 2020 stimmte auch Kristi Noem in die Verschwörungstheorie ein, die Demokraten hätten die Wahl manipuliert. „Ich weiß nicht, wie weit verbreitet [der Wahlbetrug] ist. Ich weiß nicht, ob es das Ergebnis der Wahl verändern wird. Aber warum haben alle so viel Angst davor, eine faire Wahl abzuhalten und es herauszufinden“, sagte Noem damals in einem Interview mit dem Nachrichtensender ABC. © imago
Kristi Noem als eine aussichtsreiche Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentschaft
Als Donald Trump verkündete, 2024 erneut zur US-Wahl anzutreten, galt Kristi Noem als eine aussichtsreiche Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentschaft. Die damalige Gouverneurin South Dakotas, hier mit Trumps Konkurrenten in den Vorwahlen der Republikaner, Vivek Ramaswamy, bekundete lautstark ihr Interesse an der Nominierung. © imago
Kristi Noem im Wahlkampf zur US-Wahl 2024
Obwohl Donald Trump die damalige Gouverneurin im Wahlkampf zur US-Wahl 2024 mit Lob überschüttete, ging Noem bei der Besetzung der Vizepräsidentschaft leer aus. Trump entschied sich dagegen für JD Vance. Dafür gab es vor allem einen entscheidenden Grund. © imago
Proteste gegen Kristi Noem in Florida
Mitten im Wahlkampf zur US-Wahl 2024 veröffentlichte Kristi Noem ihre Biografie. Dort beschrieb die Gouverneurin von South Dakota, wie sie einst ihre Hündin Cricket eigenhändig erschossen hatte. „Ich hasste diese Hündin“, die „weniger als wertlos“ gewesen sei, so Noem in ihrem Buch. Die Geschichte kam weniger gut an, als sie wohl erwartet hatte, und löste Proteste gegen die „Hundemörderin“ Noem aus. Kurz darauf verkündete Trump, dass Noem als Vizepräsidentin nicht mehr infrage komme. © imago
Kristi Noem ist Heimatschutzministerin unter Donald Trump
Donald Trump gewann die US-Wahl 2024 und zog im Januar 2025 erneut ins Weiße Haus ein. Kristi Noem folgte ihm. Zwar nicht als Vizepräsidentin, dafür als Leiterin des Ministeriums für innere Sicherheit der Vereinigten Staaten von Amerika – auch bekannt als Heimatschutzministerium. Noem leitet damit das nach Anzahl der Mitarbeiter drittgrößte Ministerium der USA. © imago
Als Heimatschutzministerin untersteht Kristi Noem auch die Behörde namens „Immigration and Customs Enforcement“
Als Heimatschutzministerin untersteht Kristi Noem auch die Behörde namens „Immigration and Customs Enforcement“, besser bekannt unter ihrem Akronym: ICE. Gegründet wurde die mittlerweile größte Polizeieinheit innerhalb des Ministeriums nach den Terroranschlägen 2001. In ihr Aufgabengebiet fällt unter anderem die Verfolgung illegaler Grenzüberschreitungen und die Abschiebung illegal ins Land gereister Migranten. Kaum im Amt zeigte sich Kristi Noem als furchtlose Polizistin in schusssicherer Weste. Es sollte nicht das letzte Outfit Noems sein, das in den USA für Aufsehen sorgte. © imago
Auch als Heimatschutzministerin präsentierte sich Kristi Noem als Frau der Tat mit Cowboy-Hut
Auch als Heimatschutzministerin präsentierte sich Kristi Noem als Frau der Tat – mit Cowboy-Hut und fest im Sattel. Ihre PR-Aktivitäten und Verkleidungen brachten der Vertrauten Donald Trumps schnell ihren ganz eigenen Spitznamen ein: Aus Noem wurde die „ICE Barbie“ – eine mehrdeutige Anspielung an besagte Behörde, Noems auffällige Outfits und die Eiseskälte, mit der sie die von Trump angekündigten Massenabschiebungen verteidigte. © imago
Als „ICE Barbie“ schreckte Kristi Noem vor kaum einer Inszenierung zurück.
Als „ICE Barbie“ schreckte Kristi Noem vor kaum einer Inszenierung zurück. Auf einer Reise nach El Salvador besuchte sie eines der berüchtigten Mega-Gefängnisse des Landes in Tecoluca. Bis zu 40.000 Insassen sitzen dort hinter Gittern. Ihnen wird vor allem die Mitgliedschaft in kriminellen Gangs vorgeworfen. Noem nutzte den Besuch und posierte bereitwillig vor einer der überfüllten Zellen des Gefängnisses. © ALEX BRANDON/AFP
Foto Kristi Noems, das sie auf einem Quad zeigt
Zurück in den USA verbreitete das Heimatschutzministerium ein Foto Kristi Noems, das sie auf einem Quad zeigt, mit dem sie entlang der südlichen Grenze des Landes zu Mexiko patroulliert. Am linken Bildrand zu sehen ist der Zaun, den Donald Trump an Teilen der Grenze hat errichten lassen, und den der US-Präsident in der Regel als „Mauer“ bezeichnet. © ALEX BRANDON/AFP
Foto Kristi Noems, das sie auf einem Quad zeigt
Wenn nicht auf dem Quad, dann sichert Kristi Noem die USA dem Anschein nach auch aus der Luft. Nach einem Absturz eines Flugzeugs in der US-Hauptstadt Washington DC ließ die Heimatschutzministerin Fotos verbreiten, die sie als Pilotin eines Hubschraubers zeigt. © imago
Kristi Noem, hier an der Grenze zu Mexiko
Zwar ist Kristi Noem, hier an der Grenze zu Mexiko, ehemalige Offizierin der Reserve der US-Luftwaffe. Einen Hubschrauber oder Flugzeug kann die Heimatschutzministerin aber nach allem, was bekannt ist, nicht fliegen. Das hinderte Trumps Ministerin nicht daran, in den sozialen Medien diesen Eindruck zu verbreiten. Nach einer Reise nach Alaska berichtete Noem, sie habe dort ein Transportflugzeug des Typs Lockheed C-130 Hercules gesteuert. © imago
Zu Land, in der Luft und auf dem Wasser ergreift Kristi Noem für Fotos gerne das Steuer.
Zu Land, in der Luft und auf dem Wasser ergreift Kristi Noem für Fotos gerne das Steuer. Einen Besuch in Manama, der Hauptstadt von Bahrain, nutzte die Heimatschutzministerin für die nächste PR-Aktion: diesmal an Bord eines kleinen Patrouillen-Boots der US-Marine. © ALEX BRANDON/AFP
Besonders gern zeigt sich Kristi Noem in militärisch anmutenden Outfits
Besonders gern zeigt sich Kristi Noem in militärisch anmutenden Outfits, wie hier ganz in Oliv-Grün bei einem Besuch im US-Bundesstaat Vermont. Die „ICE Barbie“ erarbeitete sich im Kabinett von Donald Trump als Heimatschutzministerin schnell den Ruf der knallharten Hardlinerin in Sachen Abschiebung und Strafverfolgung. © imago
Obligatorisch für Kristi Noem scheint auf ihren Reisen das Reiten.
Obligatorisch für Kristi Noem scheint auf ihren Reisen das Reiten. In Bahrain posierte die Heimatschutzministerin der USA auf einem Dromedar – inklusive Kopfbedeckung, die an landestypische Mode erinnert. © Alex Brandon/dpa
Der Auftritt der „ICE Barbie“ als Kameltreiberin in Bahrain brachte Kristi Noem in den USA eine Welle des Spotts ein.
Der Auftritt der „ICE Barbie“ als Kameltreiberin in Bahrain brachte Kristi Noem in den USA eine Welle des Spotts ein. © ALEX BRANDON/AFP
Hier verlässt Noem eine Regierungsmaschine bei einem Besuch in Polen.
Wenn Kristi Noem sich mal nicht als Cowgirl, Polizistin oder Kampfpilotin verkleidet, zeigt sich Donald Trumps Heimatschutzministerin als modisch bewusste Politikerin mit Baseball-Mütze und goldener Rolex. Hier verlässt Noem eine Regierungsmaschine bei einem Besuch in Polen. © ALEX BRANDON/AFP
n dunkler Kleidung besuchte Kristi Noem in der Haupstadt Israels die Klagemauer
Einen Besuch in Jerusalem nutzte die „ICE Barbie“ für eine weitere Inszenierung. In dunkler Kleidung besuchte Kristi Noem in der Haupstadt Israels die Klagemauer, offenbar um dort zu beten. Anschließend nahm sich die Heimatschutzministerin Zeit, um für Fotos zu posieren. © Alex Brandon/dpa

Donald Trump und die „Remigration“ – ein Begriff Europas radikaler Rechter

Trumps Verwendung des Begriffs „Remigration“ sorgte binnen Stunden für internationale Empörung. Denn die Herkunft des Begriffs liegt im ideologischen Arsenal europäischer rechtsextremer Bewegungen wie der Identitären Bewegung. Dort bezeichnet „Remigration“ eine Form der ethnischen Säuberung: die massenhafte Abschiebung oder erzwungene Rückführung nicht-weißer Menschen – teils unabhängig von deren Staatsbürgerschaft oder Aufenthaltsstatus. Auch die deutsche AfD bediente sich bislang dieses Begriffs immer wieder, will diesen in Zukunft aber angeblich meiden.

Der Begriff wird von seinen Befürwortern als Mittel zur Herstellung „ethnokultureller Homogenität“ propagiert. Der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner, laut Wired einer der prominentesten Verfechter, beschreibt eine Strategie in drei Phasen – darunter die Verweigerung von Familiennachzug, ökonomische Druckmittel zur Selbstabschiebung und die Kürzung humanitärer Hilfe.

Sellners „Remigrationsplan“ weise „auffällige Ähnlichkeiten“ mit Trumps derzeitiger Einwanderungspolitik auf, berichtet das US-Medium Truthout unter Berufung auf Regierungsunterlagen: Darin heißt es, dass das US-Außenministerium eine „Abteilung für Remigration“ einrichten wolle, finanziert durch Umschichtungen im Flüchtlingsbudget.

US-Präsident Donald Trump (l.) am 1. Juli 2025 bei einem Medientermin in Ochopee, Florida – flankiert von Gouverneur Ron DeSantis, ICE-Interimsdirektor Todd Lyons, Heimatschutzministerin Kristi Noem und Floridas Katastrophenschutzdirektor Kevin Guthrie. Der Besuch diente der Inspektion einer neuen Abschiebe-Infrastruktur am Dade-Collier Airport.

USA unter Trump: Milliarden für Abschiebungen, Mauern und Internierungslager

Die Finanzierung für Trumps Vorhaben ist bereits gesichert: Die „Big Beautiful Bill“ wurde am 4. Juli mit knapper Mehrheit vom Repräsentantenhaus angenommen – trotz eines mehrstündigen Marathonrede-Versuchs des demokratischen Minderheitsführers Hakeem Jeffries.

Das neue Gesetz sieht unter anderem 350 Milliarden US-Dollar für Einwanderungs- und Grenzschutzmaßnahmen vor. Dazu gehören der Bau der restlichen Grenzmauer zu Mexiko, 100.000 neue Haftplätze für Migranten, die Anstellung von 10.000 neuen ICE-Beamten und Boni von bis zu 10.000 US-Dollar für Neueinstellungen, so NBC. Ziel sei es, bis zu eine Million Menschen pro Jahr abzuschieben.

Zur Finanzierung dieser Operationen werden neue Gebühren für Migranten eingeführt – etwa für Asylanträge oder Berufungsverfahren. So kostet es künftig 900 Dollar, berichtet NPR, eine Entscheidung eines Einwanderungsrichters anzufechten – bislang waren es 110 Dollar.

„Remigration“ – Rechtsextremer Begriff und politische Praxis unter Trump

Aspekt„Remigration“ im rechtsextremen Kontext (Europa)Trump-Regierung 2025 – konkrete Vorhaben/Umsetzung
Definition:Rückführung von Menschen mit „fremden Wurzeln“, unabhängig von Staatsbürgerschaft oder rechtlichem Status – geprägt durch Akteure wie Martin Sellner und die Identitäre BewegungVerwendung des Begriffs „Remigration“ in offiziellen Reden und Social-Media-Posts für Massendeportationen von Migranten, auch mit legalem Status
Ziel:Herstellung ethnischer Homogenität im Sinne eines „ethnopluralistischen Weltbilds“ – Position etwa der AfD, FPÖ, Identitären Bewegung„Rückgewinnung der nationalen Souveränität“ – laut Trump: Schutz vor einem „Dritte-Welt-Zustand“; Ziel: Abschiebung von bis zu 1 Mio. Menschen pro Jahr
Begriffsnutzung:Ursprung in der europäischen Neuen Rechten, popularisiert durch Sellner & Co.; inzwischen von Parteien wie AfD und FPÖ aufgegriffenSeit Juli 2025 offiziell durch Donald Trump auf Truth Social übernommen – inkl. Einrichtung eines „Office of Remigration“ im Außenministerium
Instrumente:Druck zur „freiwilligen“ Rückkehr, Familiennachzugsstopps, Kürzung von Sozialleistungen, EinreiseverboteICE-Ausbau, 100.000 neue Haftplätze, 10.000 zusätzliche Beamte, Travel Bans für 19 Länder, neue Gebühren für Asylanträge und Berufungen
Organisation:Forderung nach einem eigenen „Remigrationsministerium“ durch AfD, FPÖ, IdentitäreEinrichtung eines „Office of Remigration“ zur Koordination von Rückführungen im US-Außenministerium
Zielgruppen:Menschen mit Migrationshintergrund, vor allem nicht-weiße, muslimische oder geflüchtete Personen – auch mit StaatsbürgerschaftMenschen ohne Aufenthaltsstatus, aber auch legale Migrant:innen aus betroffenen Ländern (z. B. Venezuela, Haiti, Iran)
Kritik:Menschenrechtsgruppen und Forscher sprechen von „ethnischer Säuberung in weicher Form“ – Begriff mit NS-belasteter Historie, besonders im deutschsprachigen RaumNationale und internationale Kritik: Missachtung von Menschenrechten, Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit, Angst und Entrechtung in migrantischen Communities
Rechtslage:In Europa meist verfassungswidrig bzw. außerhalb legaler Rahmen; verstößt gegen EU-Grundrechtecharta und nationale GesetzeIn den USA teils durch Supreme Court gedeckt (z. B. Travel Bans), aber juristisch und gesellschaftlich stark umstritten; über 120 Klagen anhängig

Trumps „Office of Remigration“ als neuer Apparat zur Zwangsrückführung

Besonders umstritten ist die angekündigte Gründung eines „Office of Remigration“, also einem Amt für „Remigration“, innerhalb des US-Außenministeriums. Wie aus einem Entwurf hervorgeht, schreibt Truthout, soll die neue Abteilung Teil einer umfassenden Reorganisation sein, bei der bestehende Flüchtlingshilfe gestrichen oder umgewidmet wird. So soll etwa das bislang zuständige Büro für afghanische Ortskräfte aufgelöst werden.

Ziel der Behörde ist es, Regierungsdokumenten zufolge, „illegale Ausländer“ systematisch zu „identifizieren und zurückzuführen“. Kritiker wie der britische Journalist Mehdi Hasan sprechen von einem Versuch, ethnische Säuberung unter dem Deckmantel technokratischer Sprache zu verschleiern.

Unterstützt wird Trump dabei von Kabinettsmitgliedern wie Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio. Heimatschutzministerin Kristi Noem soll laut Washington Post bereits Anweisungen gegeben haben, pro Tag 3.000 Personen festzunehmen – das Dreifache der bisherigen Rate.

Massendeportationen, Asylverbote: Juristischer Widerstand und Proteste gegen Trump im ganzen Land

Zahlreiche Juristen warnen inzwischen vor einem „totalitären Umbau der Justiz“. So sagte Greg Chen von der American Immigration Lawyers Association gegenüber der Washington Post: „Das Trump-Regime drängt Einwanderungsrichter dazu, als Rädchen einer Deportationsmaschine zu agieren – nicht als unparteiische Richter.“

Auch der verfassungsrechtliche Rahmen ist umstritten. Erst im Mai hatte der Oberste Gerichtshof mit knapper Mehrheit den Weg für Massendeportationen freigemacht. Dennoch wurden Teile von Trumps Politik inzwischen durch Gerichtsurteile blockiert – etwa ein vollständiges Asylverbot für Menschen, die über Mexiko in die USA einreisen.

Zugleich formiert sich zivilgesellschaftlicher Widerstand. In Los Angeles, New York und Chicago kam es zu Massendemonstrationen gegen Trumps Politik. Auch indigene Gruppen, Kirchenvertreter und Lehrkräfte beteiligten sich.

Donald Trumps „Project 2025“ als Blaupause für radikale Maßnahmen

Viele der neuen Maßnahmen folgen einem klaren Drehbuch: dem „Project 2025“. Dieses Strategiepapier der erzkonservativen Heritage Foundation sieht unter anderem Massendeportationen, Bürokratieabbau, die Schwächung der Justiz und die Abschaffung von Diversitätsprogrammen vor.

Ein zentraler Punkt: Der Umbau der Bundesverwaltung in ein System politischer Loyalität. Trumps Wiedereinführung des „Schedule F“-Dekrets erleichtert es, Beamte durch regierungstreue Personen zu ersetzen – auch in der Einwanderungsbehörde.

Bereits jetzt wurden laut Berichten, notiert der Deutschlandfunk, mehr als 40.000 Mitarbeiter aus Bundesbehörden entlassen oder zum Rücktritt gedrängt. Zugleich wurden Institutionen wie die Flüchtlingshilfe (USAID) fast vollständig zerschlagen.

„Remigration“ als Normalisierung einer autoritären Agenda in den USA?

Trumps demonstrative Verwendung des Begriffs „Remigration“ markiert nicht nur einen sprachlichen Tabubruch. Sie signalisiert die ideologische Anschlussfähigkeit seiner Politik an europäische Ethnonationalisten und rechtsextreme Netzwerke.

Ob dieser Kurs vor US-Gerichten Bestand haben wird, ist offen. Dass Trump jedoch mit Hilfe massiver Ressourcen und administrativer Repression die Normalisierung dieser Politik vorantreibt, ist bereits Realität – und lässt für kommende Monate weitreichende gesellschaftliche Spannungen erwarten. Der Begriff „Remigration“ – einst ein Slogan der Identitären – wird in Washington ein Regierungsbüro bekommen. Das allein dürfte viele Kritiker alarmieren.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press Wire

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