Trump genießt royalen Protz: Bringt die Tiara-Diplomatie die Wende?
VonRichard Strobl
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Donald Trump ist zu Gast in Großbritannien. König Charles empfängt ihn mit allem Prunk. Ein diplomatischer Kniff, der eine Wende bringen könnte.
Windsor – Donald Trump schreibt Geschichte – und zwar eine royale. Für Überschriften wie diese scheint der US-Präsident zu leben. Doch hinter dem prunkvoll inszenierten Besuch Trumps bei König Charles III. könnte auch ein diplomatischer Schachzug Großbritanniens stecken.
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Denn drei Jahrhunderte nachdem die britische Monarchie auf ihre politischen Aufgaben verzichtet hat, bleibt der britische König doch weiter ein politisches Instrument. Er bleibt ein diplomatischer Strippenzieher, das die gewählte Regierung nutzt, um Freunde zu belohnen und problematischen Verbündeten Zugeständnisse abzuringen.
Trump auf Staatsbesuch in Großbritannien: König Charles zieht alle Register
Ein prunkvoller Staatsbesuch ist dabei das wichtigste Instrument der Monarchie. Und die Staatsoberhäupter der Welt gieren geradezu danach, in den Genuss der königlichen Gnaden zu kommen. Für Donald und Melania Trump wird das nun Realität: Sie reisen am Mittwoch nach Schloss Windsor, wo sie von König Charles III. und Königin Camilla sowie dem Thronfolgerpaar Prinz William und Prinzessin Kate mit militärischen Ehren empfangen werden.
Im Falle von Trump zieht man im Palast laut AP alle Register. Geplant sind unter anderem eine Kutschprozession, ein Besuch des Grabs Elizabeths II., eine Militärzeremonie mit Überflug von Militärflugzeugen sowie ein Staatsbankett.
Hunderte Menschen arbeiten im Vorfeld daran, dass König Charles Trump die bestmögliche Prunk-Show bieten kann: Der 50 Meter lange Mahagonitisch wird gedeckt, die Hufe der Pferde, die die königlichen Kutschen Ziehen werden poliert, die militärische Ehrengarde übt ihre Vorführung bis ins kleinste Detail. Für Trump und seine Melania werden demnach glitzernde Diademe, Blaskapellen, und ein üppiges Bankett auf 200 Jahre altem Silber-Besteck vorbereitet. Eines soll es sein: ein Spektakel.
Man zieht alle Register der Tiara-Diplomatie, bei der mit königlichem Prunk politische und wirtschaftliche Vorteile erzielt werden sollen. „Wir schmeicheln ihm“, ordnet der königliche Historiker Robert Lacey die Vorbereitungen zum Trump-Besuch ein.
Eine weitere Ehrerbietung:
Trump schreibt Geschichte, denn er ist der erste US-Präsident, der zweimal zu einem Staatsbesuch nach Großbritannien eingeladen wurde. Bereits 2019 hatte er die Gastfreundschaft der Royals in Anspruch genommen. Damals wurde er noch von Queen Elizabeth II. empfangen.
Alles womöglich zur Vorbereitung des Termins am Donnerstag: Dann trifft Trump den britischen Premier Keir Starmer auf dessen Landsitz Chequers. Neben bilateralen Gesprächen ist dort auch ein Gespräch mit Wirtschaftsvertretern und eine anschließende Pressekonferenz geplant. Ob der US-Präsident nach all dem freundlichen Prunk hier hart bleiben kann? Besonders, da Trump als großer Verehrer des britischen Königshauses und dessen Zeremoniells gilt.
Prunk-Rechnung für Trump könnte am Donnerstag folgen
Themen für das Gespräch mit Starmer gibt es genug. Besonders die stockenden Versuche Trumps, den Ukraine-Krieg zu beenden dürften angesichts des Drohnen-Vorfalls in Polen und damit über Nato-Boden, auf den Tisch kommen. Zu Unmut führte am Wochenende, dass Trump weitere Russland-Sanktionen der USA nur dann aktivieren will, wenn alle Nato-Staaten hohe Zölle auf chinesische Importe erheben und kein russisches Öl mehr kaufen. Womöglich könnte es hier zur Wende kommen.
Auch das Thema Gaza und Israel dürfte ein Gesprächsthema werden. Die britische Regierung hatte ihren Gaza-Kurs – im Gegensatz zur US-Regierung – zuletzt drastisch geändert. London kritisiert die israelische Regierung jetzt viel deutlicher für das Vorgehen und fordert humanitäre Hilfen für die Bevölkerung im Gazastreifen. Für den Fall, dass Israel den Kurs nicht ändert, hat die britische Regierung die Anerkennung eines palästinensischen Staates angekündigt.
Trump genießt Protz: Bringt Tiara-Diplomatie die Wende?
Und schließlich gilt es noch Antworten auf die „America First“-Politik Trumps zu finden. Schon vor dem Treffen meldete Reuters, dass die USA und Großbritannien bei dem Treffen Geschäftsabschlüsse im Volumen von mehr als zehn Milliarden Dollar bekanntgeben wollen. Vorgesehen ist demnach eine neue Partnerschaft im Bereich Wissenschaft und Technologie, Zusammenarbeit bei der zivilen Nutzung von Kernenergie und bei der Rüstung. Dafür würden mehrere führende Vertreter von US-Technologieunternehmen bei dem Staatsbesuch anwesend sein.
Die Meinung Donald Trumps schien sich seit seiner Wiederwahl oft mit seinen Gesprächspartnern zu wandeln. Womöglich setzt man in Großbritannien genau darauf und wirft sein diplomatisch größtes Pfund in den Ring: des Königs Protz. Die gesamte Nato dürfte gespannt auf die Folgen der britischen Tiara-Diplomatie blicken. (Quellen: dpa, AP, Reuters) (rjs)