Aufreger während Diskussion um Ukraine

Trump lüftet heikles Gipfel-Geheimnis um Telefonat mit Putin

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Mitten im Gespräch über den Ukraine-Krieg greift Trump zum Telefon. In der Leitung ist Putin. Jetzt liefert der US-Präsident die Erklärung dafür.

Washington, D.C. – Erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine vor fast dreieinhalb Jahren deutet sich ein umfassender Verhandlungsprozess mit allen Beteiligten an. Auf ein Gespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin in Alaska vergangene Woche folgte am Montag (18. August) ein weiterer Ukraine Gipfel; dieses Mal mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und europäischen Spitzenpolitikern in Washington. Einen Tag später hat Trump sich ausführlich zu dem Treffen geäußert – und dabei auch versucht, sein verwunderliches Verhalten gegenüber den Europäern zu erklären.

Ukraine-Verhandlungen in Washington: Trump-Gipfel mit Merz und Co. in Bildern

Wolodymyr Selenskyj ist zurück im Weißen Haus.
Wolodymyr Selenskyj ist zurück im Weißen Haus. Auf Einladung Donald Trumps verhandelt der ukrainische Präsident dort über einen möglichen Frieden im Krieg mit Russland. © afp
Gipfel im Weißen Haus zum Ukraine-Krieg
Der Gipfel im Weißen Haus zum Ukraine-Krieg wurde in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft. Noch vor wenigen Tagen war nichts über ein Treffen Trumps mit Selenskyj bekannt gewesen. © imago
Trump und Putin in Alaska
Dem Treffen Trumps mit Selenskyj ging der historische Gipfel des US-Präsidenten mit Russlands Machthaber Wladimir Putin in Alaska zuvor. Die beiden Staatsoberhäupter berieten im nördlichsten US-Bundesstaat über den Ukraine-Krieg und einen möglichen Frieden. © afp
Ukraine Gipfel in Washington
Die Erwartungen an den Ukraine-Gipfel sind so hoch wie die Aufmerksamkeit, die ihm geschenkt wird. Ursache sind unter anderem Selenskyjs letzter Besuch im Weißen Haus und die Dynamik, die seit Trumps Treffen mit Putin in die Ukraine-Verhandlungen gekommen zu sein scheint. © dpa
Selenskyj bei Trump
Im Gegensatz zum letzten Treffen Trumps mit Selenskyj im Weißen Haus war die Atmosphäre diesmal deutlich besser. Endete der letzte Auftritt noch im hitzigen Wortgefecht und im diplomatischen Debakel, waren beide diesmal um eine freundliche Beziehung bemüht. © afp
Selensky und Trump im Oval Office
Brian Glenn, Journalist beim rechtsextremen Sender Real America, hatte Wolodymyr Selenskyj beim letzten Besuch noch für seine Kleidung kritisiert. Der ukrainische Präsident erschien damals in einem Millitär-Pullover. Diesmal trug Selenskyj Anzug und Hemd. „Sie sehen in diesem Anzug fantastisch aus“, kommentierte Glenn Selenskyjs Outfit. Mit seiner Antwort hatte der ukrainische Präsident die Lacher auf seiner Seite. „Sie tragen denselben Anzug. Ich habe mich umgezogen, Sie offenbar nicht“, so Selenskyj. © afp
Vance im Oval Office
Am Treffen mit Wolodymyr Selenskyj im Oval Office nahmen neben Trump US-Außenminister Marco Rubio (r.) und Vizepräsident JD Vance teil. Der hatte den ukrainischen Präsidenten beim letzten Besuch im Weißen Haus noch attackiert und ihm Undankbarkeit vorgeworfen. © afp
Pete Hegseth
Ein weiterer Vertreter der Regierung Trumps beim Besuch Wolodymyr Selenskyjs: Verteidigungsminister Pete Hegseth. © imago
Limousine von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am Weißen Haus
Nicht nur Wolodymyr Selenskyj reiste spontan nach Washington, DC. Unterstützung erhielt er beim Treffen mit Donald Trump von einer großen Delegation aus Europa. Hier kommt die Limousine von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am Weißen Haus an. © imago
Meloni bei Trump
Meloni gilt als politische Verbündete Donald Trumps. Wie der Rechtspopulist in den USA setzt Italiens Ministerpräsidentin und Chefin der rechtsextremen Partei „Fratelli d‘Italia“ auf harte Abschiebepolitik und geschlossene Grenzen. In Sachen Ukraine-Krieg steht Meloni aber fest an der Seite Selenskyjs und ihrer europäischen Begleiter. © afp
Emmanuel Macron in Washington
Donald Trumps Protokollchefin Monica Crowley begrüßt Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron an der Tür des Weißen Hauses. Diese Rolle hat in der Vergangenheit bei solchen Besuchen Melania Trump übernommen. Von der First Lady war beim heutigen Ukraine-Gipfel aber zunächst nichts zu sehen. © afp
Ukraine-Treffen in Washington
Hier begrüßt Crowley Nato-Generalsekretär Mark Rutte am Weißen Haus. © dpa
Alexander Stubb in Washington
Der wohl überraschendste Name auf der Liste der europäischen Delegation bei Trumps Gipfel gehört wohl Alexander Stubb. Finnlands Präsident dürfte aber eine Schlüsselrolle beim Versuch zukommen, Trump von Europas Position im Ukraine-Krieg zu überzeugen. Sein Land teilt sich mehr als 1.300 Kilometer Landgrenze mit Russland. Stubb dürfte die Aufgabe zukommen, Trump davon zu überzeugen, dass bei den Verhandlungen mit Russland nicht nur die Zukunft der Ukraine, sondern die Sicherheit Europas auf dem Spiel steht. © afp
Merz bei Trump
Mit von der Partie in Washington, DC ist Friedrich Merz. Dem Bundeskanzler wurde nach seinem letzten Besuch bei Donald Trump ein guter Auftritt attestiert. Diesmal will der CDU-Chef Wolodymyr Selenskyj bei seinen Verhandlungen über Frieden im Ukrainekrieg unterstützen. © afp
Merz bei Trump in Washington
Gegenüber der ARD bezeichnete Merz, hier bei der Ankunft am Weißen Haus, die Entwicklungen nach dem Treffen Trumps und Putins als „Licht und Schatten“. Der Bundeskanzler übte geschickt verpackte Kritik am US-Präsidenten. „Die Presse in Russland jubelt. Ein bisschen weniger wäre auch gut gewesen“, so der CDU-Chef in der Tagesschau. © afp
Ukraine Trump
In ähnlicher Besetzung hatte eine Delegation aus Europa in Sachen Ukraine-Krieg schon einmal Kontakt zu Donald Trump aufgenommen. Damals waren Keir Starmer, Emmanuel Macron, Polens Ministerpräsident Donald Tusk und Friedrich Merz in die Ukraine gefahren. Gemeinsam mit Wolodymyr Selenskyj berieten sie telefonisch mit Trump © imago
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer scheint frohen Mutes, als er zum Ukraine-Gipfel bei Donald Trump eintrifft. © dpa
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei den Verhandlungen über den Ukraine-Krieg
Die Europäische Union (EU) vertritt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei den Verhandlungen über den Ukraine-Krieg in Washington, DC. Von der Leyens letzter Besuch bei Trump endete mit einem Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. © dpa
Von der Leyen und Selenskyj
Kurz vor dem Ukraine-Gipfel mit Trump in Washington, DC empfing Ursula von der Leyen Wolodymyr Selenskyj in Brüssel. Dort beriet die EU-Kommissionspräsidentin sicherlich auch das gemeinsame Vorgehen mit dem Präsidenten der Ukraine. © imago
Ukraine Gipfel in Washigton
Die große Runde in Washington, DC zum Ukraine-Gipfel versammelt: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der britische Premier Keir Starmer, die Präsidenten Alexander Stubb (Finnland), Wolodymyr Selenskyj (Ukraine), Donald Trump (USA), Emmanuel Macron (Frankreich) stellen sich mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz und Nato-Generalsekretär Mark Rutte (v.l.n.r.) zum Gruppenbild auf. © afp
Macron und Trump in Washington
Bei der ersten gemeinsamen Pressekonferenz verteilte Donald Trump Komplimente in alle Richtungen. Sein Treffen mit Wolodymyr Selenskyj sei wunderbar gewesen. Friedrich Merz als Freund zu haben, sei eine „große Ehre“ für ihn, so der US-Präsident. Über Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (im Bild) sagte Trump: „Ich mag ihn seit dem ersten Tag. Und ich mag ihn immer noch. Das ist ungewöhnlich.“ © afp
Meloni bei Trump in Washington
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte Donald Trump „eine großartige Führungspersönlichkeit, die viele inspiriert“. Sie habe „trotz ihres jungen Alters schon viel erreicht“, so Trump über die Rechtspopulistin. „Sie regiert auch schon eine ganze Zeit lang. Andere haben nicht so lange durchgehalten wie sie“, scherzte der US-Präsident über seine Kollegin aus Italien, das berühmt ist für seine häufigen Regierungswechsel. © afp
Vance und Starmer
JD Vance im Gespräch mit dem britischen Premier Keir Starmer. Der Vizepräsident war erst vor kurzem zum Urlaub auf den britischen Inseln. Sein Besuch im südenglischen Cotswolds löste Protest der heimischen Bevölkerung aus. © afp
Merz nach Treffen mit Trump
Nach dem ersten Gespräch mit Donald Trump beim spontanen Ukraine-Gipfel im Weißen Haus zeigte Bundeskanzler Friedrich Merz sich optimistisch. Der Weg sei „offen für komplizierte Verhandlungen“. Vom US-Präsidenten forderte Merz, den Druck auf Wladimir Putin zu erhöhen. Der Kanzler wiederholte außerdem die Forderung der europäischen Vertreter nach einer Waffenruhe. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein weiteres Treffen ohne eine Waffenruhe stattfinden kann“, stellte Merz klar. © dpa
Selenskyj und Trump nach Treffen im Weißen Haus
Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den vorangegangenen Austausch mit Donald Trump als „sehr gute Unterhaltung“. Man habe über „viele sensible Dinge“ gesprochen, so der ukrainische Präsident. Trump wiederum kündigte bereits ein Dreiertreffen zwischen ihm, Selenskyj und Russlands Präsidenten Wladimir Putin an. Die Frage sei „nicht, ob, sondern wann“ ein solcher Gipfel stattfinden würde. © afp

Etwa eine halbe Stunde lang sprach Trump am Dienstag (19. August) mit dem US-Sender Fox News. Er sagte, er hoffe, dass Putin auf einen Fortschritt im Ukraine-Krieg hinarbeiten werde, räumte jedoch ein, dass es möglich sei, dass der russische Staatschef keine Einigung erzielen wolle. „Ich glaube nicht, dass das ein Problem sein wird, um ehrlich zu sein. Ich glaube, Putin ist es leid. Ich glaube, sie sind alle leid, aber man weiß ja nie“, so der US-Präsident wörtlich. Und weiter: „Wir werden in den nächsten Wochen mehr über Präsident Putin erfahren. Es ist möglich, dass er kein Abkommen schließen will“. In diesem Fall stünde der Kremlchef aber „vor einer schwierigen Situation“.

Trump in Fox-News-Interview: Hoffnung auf Fortschritt im Ukraine-Krieg, doch Zweifel an Putins Willen

Trump sprach auch über seine Unterredungen mit europäischen Staats- und Regierungschefs und forderte sie auf, auf eine Einigung hinzuarbeiten, da sie von einer zukünftigen Regierung nicht unbedingt ähnliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine erhalten würden. Gleichzeitig lobte er die Staatschefs, bezeichnete sie als „sehr gute Menschen“ und wiederholte seine Behauptung, dass sie „wieder ihr Land führen wollen“, anstatt den Krieg zu beenden.

Einen kleinen Einblick in seine Überlegungen zu Sicherheitsgarantien für die Ukraine ließ der US-Präsident ebenfalls durchsickern. Er erklärte, dass die Europäer zwar „bereit seien, Truppen zu entsenden“, der Fokus der USA jedoch auf Luftoperationen liege. „Wir sind bereit, ihnen zu helfen, insbesondere wenn es um Luftoperationen geht, denn niemand verfügt über das, was wir haben“, so Trump.

Inmitten eines Gesprächs mit europäischen Staats- und Regierungschefs musste US-Präsident Trump plötzlich zum Telefon.

Trump zu Selenskyj und Putin: Kompromissbereitschaft beider Seiten entscheidend für Friedenschance

Zugleich machte er deutlich, dass bei Verhandlungen zwischen Putin und Selenskyj die Kompromissbereitschaft der beiden Staatschefs gefragt sei. „Ich habe ihm [Putin] gesagt, dass wir ein Treffen mit Präsident Selenskyj und Ihnen vereinbaren werden, und dass er sich mit ihm treffen wird, und wenn nach diesem Treffen alles klappt, okay, werde ich die Führung übernehmen und wir werden die Sache zum Abschluss bringen. Aber Sie wissen ja, in diesem Fall gehören immer zwei dazu.“

Der US-Präsident beteuerte erneut, er wolle der Krieg möglichst rasch beenden. „Wir verlieren keine amerikanischen Soldaten. Wir verlieren russische und ukrainische … hauptsächlich Soldaten. Einige Menschen, wenn Raketen falsche Ziele treffen oder in Städte wie Kiew und andere Orte geschossen werden. Aber wissen Sie, wenn ich jede Woche 7.000 Menschen vor dem Tod bewahren kann, dann ist das meiner Meinung nach … Ich möchte versuchen, wenn möglich in den Himmel zu kommen“, führte er weiter aus.

„Respektlos gegenüber Putin“: Trump rechtfertigt Unterbrechung des Ukraine-Gipfels für Kreml-Gespräch

Auch einen kleinen Aufreger des gestrigen Gipfels versuchte Trump geradezurücken. Wie Reuters unter Berufung auf einen EU-Diplomaten berichtete, hatte der POTUS seine Gespräche mit den europäischen Staats- und Regierungschefs unterbrochen, um mit Putin zu telefonieren. Diesseits des Atlantiks hatte das für Verwunderung gesorgt.

„Ich habe es nicht vor ihnen gemacht, weil ich dachte, das wäre respektlos gegenüber Präsident Putin gewesen“, versuchte Trump die Unterbrechung des Ukraine-Gipfels zu rechtfertigen. Immerhin habe der russische Präsident „nicht mit den Leuten aus Europa sprechen“ wollen. Das Gespräch mit dem Kremlchef sei „sehr gut“ gewesen. Laut eigener Aussage teilte er seinem russischen Pendant dabei mit, dass er ein Treffen zwischen diesem und Selenskyj arrangieren werde – und er selbst dann, „wenn alles gut läuft“, zu einem weiteren Treffen kommen werde, „um die Angelegenheit abzuschließen“. (tpn)

Rubriklistenbild: © Shealah Craighead, via www.imago-images.de

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