Trump pocht auf Grönland-Annexion – das sind seine vier Optionen
VonSonja Thomaser
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Während Trump seine Annexionspläne vorantreibt, werden vier konkrete Szenarien deutlich, wie die USA die strategisch wichtige Arktis-Insel unter ihre Kontrolle bringen könnten.
Washington D.C./Kopenhagen – Während europäische NATO-Soldaten in Grönland landen, intensiviert US-Präsident Donald Trump seine Bemühungen um die Kontrolle über die strategisch wichtige Arktis-Insel. Die US-Regierung zeigt sich von der militärischen Präsenz mehrerer NATO-Verbündeter Dänemarks unbeeindruckt.
„Ich glaube nicht, dass Soldaten in Europa den Entscheidungsprozess des Präsidenten beeinflussen oder dass das irgendeinen Einfluss auf sein Ziel hat, Grönland zu erwerben“, sagte US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt.
Europäische Antwort auf US-Druck
Am Freitag landeten Soldaten aus Deutschland, Norwegen, Schweden, Finnland, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden in Grönland . Die Bundeswehr entsandte über ein Dutzend Soldaten im Rahmen einer dänischen Erkundungsmission. Verteidigungsminister Boris Pistorius bezeichnete den Zeitpunkt als „Zufall“ und rief zu Gelassenheit auf.
Die militärischen Übungen sollen sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. „Das, was wir gerade machen, ist, eine länger andauernde Übung zu planen, kontinuierlich das ganze Jahr 2026 hindurch und vielleicht auch ins Jahr 2027 hinein“, erklärte der Chef des Arktischen Kommandos, Søren Andersen .
Trump greift nach Grönland: Der Streit um die Arktisinsel in Bildern
Nach dem Krisengipfel in Washington zwischen den USA, Dänemark und Grönland wurde vor allem eines deutlich: Das man sich nicht einig ist. Aber man beschloss die Einrichtung eines Arbeitskreises, um weiter über die Zukunft Grönlands zu sprechen. Welche Szenarien sind jetzt denkbar? Analysen zeigen vier konkrete Wege auf, wie Trump Grönland unter amerikanische Kontrolle bringen könnte.
Option 1: Militärische Annexion
Als ultimative Option bleibt die militärische Übernahme. „Der Präsident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung“, erklärte Sprecherin Leavitt. Trump wurde sehr deutlich: Wenn die USA mit Grönland keine Einigung „auf dem einfachen Weg“ erzielen, würden sie es „auf die harte Tour“ tun. Sicherheitsexperten bewerten eine militärische Übernahme Grönlands als problemlos durchführbar.
Die USA haben derzeit nur 200 Soldaten auf der „Pituffik Space Base“ stationiert – für eine Operation wären externe Truppen nötig. Trump hat laut Tagesschau bereits entsprechende Pläne in Auftrag gegeben. Das Hauptproblem: Ein Angriff auf Grönland würde den NATO-Beistandsfall auslösen, da Dänemark NATO-Mitglied ist. Paradoxerweise müsste ein US-Admiral den NATO-Einsatz gegen die USA leiten, da die USA für die Verteidigung der nordischen Länder zuständig sind. Dänemarks Ministerpräsidentin warnt, dies wäre „das Ende der NATO“.
Option 2: Finanzielle Anreize
Trump erwägt auch den Erwerb Grönlands – wie bereits in seiner ersten Amtszeit. Laut US-Außenminister Rubio soll ein Kauf vor den millitärischen Optionen im Vordergrund stehen. Die USA haben bereits nach dem Zweiten Weltkrieg vergeblich versucht, die Insel von Dänemark zu kaufen.
Trump erwägt laut der Nachrichtenagentur Reuters Direktzahlungen an die grönländischen Einwohner zwischen 10.000 und 100.000 US-Dollar pro Person, um sie für einen Anschluss an die USA zu gewinnen. Dänemarks ehemaliger Grönlandminister betonte im Interview mit NDR Info, dass Geldangebote die grönländische Bevölkerung beleidigen würden, da ihre jahrhundertealten Verbindungen zu Dänemark und ihre kulturelle Identität nicht käuflich seien.
Option 3: Stärkung der Unabhängigkeitsbewegung
Die USA setzen auf die in Grönland starke Unabhängigkeitsbewegung. Umfragen zufolge befürworten 56 Prozent der Bevölkerung eine Loslösung von Dänemark. US-Vizepräsident JD Vance signalisierte bereits bei seinem Besuch im März: „Die Menschen in Grönland werden ihr Selbstbestimmungsrecht erhalten.“ Recherchen des Wall Street Journal zufolge soll der US-Geheimdienst angewiesen worden sein, seine Aktivitäten auf der Insel zu intensivieren.
Aber: Wie die Tagesschau berichtet, zeigen Umfragen vom vergangenen Frühjahr dass 85 Prozent der Grönländer einen US-Beitritt ablehnen – trotz wachsender Sympathien für eine Unabhängigkeit von Dänemark in den letzten Jahren.
Option 4: Geopolitischer Deal mit Europa
Ein mögliches Szenario verknüpft Grönlands Schicksal mit dem Ukraine-Krieg. Die USA könnten der Ukraine langfristige Sicherheitsgarantien anbieten, im Gegenzug würde Europa den USA freie Hand in Grönland lassen.
EU aktiviert Beistandsklausel im Fall eines gewaltsamen Konflikts um Grönland
Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas stellte klar: Im Fall eines gewaltsamen Konflikts um Grönland könnten Deutschland und andere EU-Staaten auf Antrag Dänemarks Beistand leisten müssen. Grönland falle unter die gegenseitige Solidaritätsklausel in Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags.
Als Druckmittel kündigte Trump Strafzölle gegen acht europäische Staaten an, darunter Deutschland, weil sie seine Annexionspläne nicht unterstützen. Ab Februar sollen Gegner einer US-Annexion einen Zoll von zehn Prozent zahlen, ab Juni von 25 Prozent .
Widerstand in den USA wächst
Im US-Kongress wächst parteiübergreifender Widerstand gegen Trumps Expansionspläne. Der demokratische Minderheitsführer Chuck Schumer kündigte an, die angedrohten Zölle stoppen zu wollen. (Quellen: dpa, Reuters, Tagesschau, NDR, Wall Street Journal) (sot)