„Kerninteressen stehen auf dem Spiel“

Trump-Putin-Gipfel in Alaska: Bleibt für Europa nur der Platz auf der Ersatzbank?

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Trump und Putin könnten bei ihrem Alaska-Treffen über die Ukraine-Zukunft befinden. Europa bleibt bei den wichtigen Gesprächen einmal mehr außen vor.

Brüssel – Am Freitag trifft sich US-Präsident Donald Trump erstmals in seiner zweiten Amtszeit mit Russlands Präsident Wladimir Putin zu einem Gipfel im US-Bundesstaat Alaska. Das Treffen soll ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer Friedenslösung im Ukraine-Krieg werden. Doch bereits der Austragungsort kann als symbolische Entscheidung gewertet werden. Statt in der Türkei, wo die bisherigen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine stattgefunden haben, treffen Trump und Putin sich in Alaska – weit weg von Europa und der Ukraine. Diverser Diplomaten befürchten bereits, dass sich diese Symbolik auch auf den Inhalt der Gespräche übertragen könnte. Bleiben die europäischen und ukrainischen Interessen auf der Strecke?

Alaska-Gipfel von Trump und Putin: Vance stellt Treffen mit Selenskyj in Aussicht

„Sowohl die Russen als auch die Ukrainer werden am Ende des Tages wahrscheinlich unzufrieden damit sein“, sagte Trumps Vizepräsident JD Vance am Sonntag in einem Interview mit dem US-Sender Fox News über eine mögliche Verhandlungslösung im Ukraine-Krieg. Für diese solle es in Zukunft auch zu einem trilateralen Treffen zwischen Trump, Putin und Selenskyj kommen, stellte Vance in Aussicht. Eine Begegnung von Putin und Selenskyj sei aber seiner Ansicht nach nicht zielführend, bevor Putin und Trump miteinander gesprochen hätten.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Gebietstausch oder Waffenstillstand? Gravierende Auswirkungen durch Alaska-Gipfel befürchtet

Der ukrainische Staatschef, dessen Land sich seit über drei Jahren gegen die russische Invasion zur Wehr setzt, muss also aus mehreren tausend Kilometern Entfernung dabei zusehen, wie Putin und Trump die Vorbedingungen für eine Lösung im Ukraine-Krieg besprechen. Das Gleiche gilt für die europäischen Verbündeten. Wie eine mögliche Lösung aussehen könnte, skizzierte Trumps Sonderbeauftragter Steve Witkoff in der vergangenen Woche nach seinem Besuch in Moskau. Wie der Spiegel berichtet, soll es dabei jedoch nicht um den von Trump proklamierten „Gebietstausch“ zwischen Moskau und Kiew gehen, denn Russland wolle keine eroberten Gebiete aufgeben. Stattdessen soll die Frontlinie im Süden der Ukraine eingefroren werden und im Gegenzug Russland die volle Kontrolle über die Oblaste Donezk und Luhansk erhalten.

Ein Szenario, das nicht danach klingt, als wären – wie von Vance vermutet – beide Parteien mit ihm gleichermaßen unzufrieden. Die Ukraine müsste gerade in der Region Donezk unzählige Quadratkilometer aufgeben, die derzeit noch unter ihrer Kontrolle stehen. Im Gegenzug würde Kiew jedoch lediglich eine Waffenruhe erhalten, deren Durchsetzung und Kontrolle zumindest fragwürdig scheint. Darüber hinaus gibt es in der Gleichung aktuell keinen Platz für die europäischen Unterstützer der Ukraine.

Europa bei Alaska-Gipfel außen vor – Merz pocht auf Teilnahme von Selenskyj

Während Trump und Putin über die Zukunft der Machtverhältnisse auf dem Kontinent beraten, sitzt das restliche Europa am Katzentisch. Verzweifelt versuchten diverse europäische Staats- und Regierungschef in den vergangenen Tagen mit Blick auf die Verhandlungen einen Fuß in die Tür zu bekommen. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk fordert eine Beteiligung der Kiewer Regierung an jedweden Gesprächen über eine Beendigung des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Entscheidungen, die Gebietsabtretungen von Kiew fordern, werde der Westen nicht akzeptieren, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters Tusk weiter.

„Aktive Diplomatie, Unterstützung für die Ukraine und Druck auf die Russische Föderation zur Beendigung ihres illegalen Krieges“ müssten kombiniert werden, hieß es bereits am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung der Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Großbritannien, Finnland sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. „Wir können jedenfalls nicht akzeptieren, dass über die Köpfe der Europäer und die Köpfe der Ukrainer hinweg über Territorialfragen zwischen Russland und Amerika gesprochen oder gar entschieden wird“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Sonntag in einem Interview mit den „Tagesthemen“. Deswegen müsse Selenskyj an den Gesprächen beteiligt werden, forderte Merz weiter. Der Kanzler wolle mit Trump zu diesem Thema auch noch einmal telefonieren.

Alle Augen auf Alaska: Beim Gipfel von Donald Trump und Wladimir Putin steht auch für Europa viel auf dem Spiel.

USA will sich aus Ukraine-Krieg zurückziehen – Europa bald auf sich allein gestellt?

Die Trump-Regierung scheinen die Forderungen bislang jedoch eher kaltzulassen. Vance stellte bereits am Sonntag in Aussicht, dass die USA ihre Unterstützung für die Ukraine weiter zurückschrauben könnten. US-Präsident Donald Trump und er seien der Auffassung, „dass die USA mit der Finanzierung des Ukraine-Kriegsgeschäfts durch sind“, sagte Vance im Interview mit Fox News. Die Amerikaner seien es leid, weiter ihre Steuergelder für diesen konkreten Konflikt auszugeben, so Trumps Vize. Zwischen Zeilen der Ankündigung kann man auch eine Drohung an die Ukraine mit Blick auf in Kürze vorgestellte Verhandlungslösungen herauslesen: friss oder stirb.

Im Falle eines weiteren Rückzugs der USA würde die Verantwortung für die Ukraine noch mehr als ohnehin schon bei den europäischen Partnern liegen. Vance wiederholte die Haltung der Trump-Regierung, wonach die Europäer selbst für den Konflikt „direkt vor ihrer Haustür“ verantwortlich seien. Trotz der möglichen Konsequenzen bleibt Europa bei den Verhandlungen zwischen Russland und den USA aber auf der Ersatzbank.

Gipfel von Trump und Putin: Sorge vor „Desaster“ für die Ukraine – „Europas Kerninteressen stehen auf dem Spiel“

Am Montag treffen sich die EU-Außenminister auch deshalb zu einer Sondersitzung. „Europas Kerninteressen stehen auf dem Spiel“, teilte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas vor dem Treffen mit. Sie betonte, dass jede Vereinbarung zwischen den USA und Russland die Ukraine und die EU einschließen müsse, „denn es geht um die Sicherheit der Ukraine und ganz Europas“. Russlands Aggression dürfe nicht belohnt werden – die vorübergehend russisch besetzten Gebiete gehörten zur Ukraine.

„Putin bekommt seinen idealen Gipfel“, titelte die New York Times am Wochenende über das geplante Treffen unter vier Augen in Alaska. Denn während es für Trump vor allem um ein Ende des Ukraine-Kriegs geht, auch um seine Chancen auf den Friedensnobelpreis weiter zu erhöhen, steht für Putin mehr auf dem Spiel. „Es geht um sein Vermächtnis. Es geht darum, wo Russland nach diesem Krieg stehen wird. Es ist viel grundlegender. Das schafft eine andere Bereitschaft, Kosten zu tragen“, sagte Stefan Meister vom German Council on Foreign Relations im Gespräch mit der Times. Das klare Fazit des Experten: „Für die Ukraine ist es ein Desaster.“ Doch auch für das restliche Europa könnte der Alaska-Gipfel schwere Folgen haben. (fdu/dpa/afp)

Rubriklistenbild: © Montage: Alexander Shcherbak/Mark Schiefelbein/dpa

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