„Siegesplan“-Vorstellung in New York: Trump trifft Selenskyj nun doch – Ein „Deal mit Putin“?
VonTadhg Nagel
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Der ukrainische Präsident trifft heute auf Donald Trump. Für die Ukraine steht viel auf dem Spiel. Wird sich der Republikaner erweichen lassen?
New York – Der ehemalige US-Präsident und republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump wird sich jetzt doch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen. Weniger als einen Tag nachdem Vizepräsidentin Kamala Harris, Trumps demokratische Gegnerin, den ukrainischen Staatschef getroffen und ihre uneingeschränkte Unterstützung zum Ausdruck gebracht hat. Für Selenskyj steht dabei viel auf dem Spiel.
Trump zufolge war es Selenskyj, der ihn um das Treffen bat, wie US-Zeitung The Seattle Times schreibt. „Ich freue mich darauf, ihn morgen zu sehen“, habe Trump am Donnerstag (26. September) auf einer Pressekonferenz geäußert. Der ehemalige Präsident habe zuversichtlich auf das Rendezvous geblickt, das am Freitag für etwa 9:45 Uhr Eastern Time (15.45 Uhr MESZ) im Trump Tower in New York angesetzt ist. Er glaube, dass er „recht schnell einen Deal zwischen Präsident Putin und Präsident Selenskyj aushandeln“ könne, sei der Republikaner überzeugt gewesen.
Trump und Selenskyj sind sich nicht ganz grün – Versteht der Republikaner den Ukraine-Krieg nicht?
Fast wäre das Treffen nicht zustande gekommen, obwohl das Büro von Selenskyj es bereits im Vorfeld seines Besuchs bei der UN-Generalversammlung angekündigt hatte. Doch Trump übt deutliche Kritik am Kurs der Ukraine im Kampf gegen die russischen Aggressoren. Das Land hätte einen Deal mit Putin abschließen sollen, so der Ex-Präsident und republikanische US-Präsidentschaftskandidat.
Selenskyj wiederum machte Trump schwere Vorwürfe. Dieser verstehe den Ukraine-Krieg nicht und vereinfache ihn zu sehr, so der ukrainische Präsident in einem Interview mit The New Yorker, das Anfang der Woche veröffentlicht wurde. Der ukrainische Staatschef sagte außerdem, Trumps Vizekandidat J.D. Vance sei „zu radikal“ und habe sich im Wesentlichen dafür ausgesprochen, dass die Ukraine „ein Opfer bringt“, indem sie „ihre Gebiete aufgibt“.
Die Menschen in der Ukraine sind vorsichtig – Ist für sie egal, ob Harris oder Trump die US-Wahl gewinnt?
Viele Nationen beobachten die US-Präsidentschaftswahlen mit Spannung, aber für kaum jemanden steht diesmal so viel auf dem Spiel wie für die Menschen in der Ukraine. Doch auch wenn sich Harris am Donnerstag an die Seite von Selenskyj stellte – und sagte, dass Trumps Drängen auf einen schnellen Deal mit der Ukraine zur Beendigung des Krieges ‚keine Friedensvorschläge‘, sondern ‚Vorschläge zur Kapitulation‘ seien – sind die Ukrainer teils zurückhaltend.
Einem Bericht des US-Magazins Time zufolge sehen es einige Beamten in Selenskyjs Gefolge als egal an, wer die US-Wahl im November gewinnen wird. Es werde ohnehin „schlimmer werden“, habe einer von ihnen geäußert. Ihrer Meinung nach würde ein Sieg von Kamala Harris wahrscheinlich die Politik der Biden-Regierung verlängern. Diese sähen der ukrainische Präsident und seine Berater aber als übermäßig vorsichtig und unentschlossen an, wenn es darum geht, sich gegen Russland zu behaupten.
Trump als Präsident hätte Risiken und Chancen für die Ukraine – Kann er einen Deal mit Putin aushandeln?
Dahingegen berge ein Sieg von Trump hingegen sowohl Risiken als auch Chancen für die Ukrainer, seien vier Personen, die mit der Kontaktaufnahme zu den Kandidaten vertraut sind, überzeugt. „Es gibt eine gewisse Hoffnung mit Trump“, habe einer von ihnen gegenüber dem Magazin geäußert. „Natürlich könnten wir uns irren. Wir wissen nicht, wie sehr er den Westen spalten wird. Er könnte ihn schwächen. Aber jemand muss diesen Krieg beenden, und Kamala Harris scheint nicht die Richtige für diese Rolle zu sein“, habe er hinzugefügt. Von Trump könne man zumindest hoffen, dass er drastische Schritte zur Beendigung des Konflikts unternehmen werde.
Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands
Auch seien die Ukrainer von Trumps stark feindseliger Rhetorik überrascht gewesen. Immerhin habe er noch im Juli mit Selenskyj telefoniert. Trump habe in einem herzlichen Telefongespräch versprochen, das Land zu unterstützen. Und aufgrund der knappen Umfragen könnten sie es sich nicht leisten, fest auf einen der Kandidaten zu setzen. Zahlreiche Treffen mit hochrangigen Republikanern und ehemaligen Beamten der Trump-Regierung seien daher abgehalten worden. Mike Pompeo, der ehemalige CIA-Direktor und Außenminister, habe ihnen dabei eine Taktik ans Herz gelegt, mit der man Trump gewinnen könne: Nicht an die Werte der USA zu appellieren, sondern an wirtschaftliche Interessen. Das werde er verstehen. (tpn)