Trump-Stabschefin bestätigt Epstein-Freundschaft: „Sie waren junge Single-Playboys“
VonNail Akkoyun
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In einem brisanten Interview spricht Trump-Beraterin Wiles offen über dessen Verbindung zu Jeffrey Epstein. Dabei macht sie ihm sogar pikante Vorwürfe.
Washington, D.C. – Seit geraumer Zeit bemüht sich Donald Trump, seine einstige Freundschaft mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zu vertuschen. Nun fällt ihm ausgerechnet seine eigene Stabschefin in den Rücken und bestätigt in einem brisanten Interview: Die beiden waren durchaus befreundet.
Dieses von einem Untersuchungsausschuss veröffentlichte Foto zeigt den heutigen US-Präsidenten Donald Trump gemeinsam mit dem Sexualstraftäter in jüngeren Jahren. Das exakte Datum der Aufnahme ist nicht bekannt.
„Sie waren, wissen Sie, sozusagen junge, alleinstehende – ich weiß, es ist ein veraltetes Wort, – aber sozusagen junge, Single-Playboys zusammen“, sagte Susie Wiles im Gespräch mit Vanity Fair. Außer Acht lässt Wiles dabei, dass Trump in den 1990er-Jahren bereits weit über 40, zweimal verheiratet und Vater mehrerer Kinder war.
Zoff um Epstein-Akten: Trump-Beraterin schießt gegen US-Justizministerin
Wiles bestätigte dem Magazin darüber hinaus, dass Donald Trump in den sogenannten Epstein-Akten auftaucht. „Er ist in den Akten. Und wir wissen, dass er in den Akten ist“, sagte sie, ehe sie hinterherschob: „Er ist nicht in den Akten, weil er etwas Schlimmes getan hat.“ Die Aussagen reihen sich in eine Reihe von Widersprüchen der Trump-Regierung ein, denen zufolge Epstein-Unterlagen mal existieren und mal nicht.
Im Juli hieß es aus dem US-Justizministerium, eine Liste von Namen und potenziellen Kunden Epsteins würde es nicht geben. Dabei erklärte Justizministerin Pam Bondi im Frühjahr, zuvor jahrelang Trump-Anwältin, dass die Liste auf ihrem Schreibtisch liege und man diese prüfen werde. Es ist nur ein kleiner Auszug aus dem monatelangen Hin und Her der Trump-Regierung. Wiles erklärte nun: Bondi habe im Streit um die Veröffentlichung der Epstein-Akten „komplett danebengehauen“.
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Laut Beraterin: Donald Trump flog mehrmals mit Epsteins „Lolita Express“
Wiles, die vor ihr Rolle als Stabschefin auch Trumps Kampagne zur US-Wahl 2024 leitete, bestätigte sogar, dass der US-Präsident mehrfach mit dem Flugzeug des verstorbenen Epsteins geflogen sei. Mit dem als „Lolita Express“ getauften Privatjet flog Jeffrey Epstein regelmäßig seine Privatinsel Little Saint James in der Karibik an, wo unzählige Minderjährige sexuell missbraucht worden sein sollen. 2019 nannten die Los Angeles Times und das New York Magazine Little Saint James die „Pädophilen-Insel“.
Der New Yorker Finanzier Epstein war über viele Jahre Teil der High Society und in einflussreichen Kreisen vernetzt. Der US-Multimillionär hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Er selbst bezeichnete Trump einst als seinen „besten Freund“. Der wiederum bestreitet jegliche Verbindung zu Epstein. Zuvor hatte Trump monatelang versucht, eine Veröffentlichung der Akten zu verhindern.
Umso erstaunlicher ist es, dass Trumps enge Vertraute nun derart offen über die Epstein-Affäre spricht – und ihrem Chef sogar Vorwürfe macht. Trump habe fälschlicherweise behauptet, der frühere US-Präsident Bill Clinton sei auf der Epstein-Insel gewesen. „Es gibt keine Beweise dafür“, sagte Susie Wiles. Ein Sprecher Clintons hatte bereits vor Jahren erklärt, Clinton sei „nie auf Little St. James Island, Epsteins Ranch in New Mexico, oder in seiner Residenz in Florida“ gewesen.
Überraschung im Weißen Haus: Trump nimmt Susie Wiles trotz Kritik in Schutz
Überhaupt hatte sich Wiles in dem Vanity-Fair-Interview nicht zurückgehalten. Trump habe „die Persönlichkeit eines Alkoholikers“, sagte sie unter anderem. Denn der US-Präsident handele nach der Maxime, „dass es nichts gibt, was er nicht kann. Nichts, Nullkomma nichts.“ Über seine als erratisch kritisierte Zollpolitik sagt sie, diese sei durch „lautes Nachdenken“ entstanden.
Die größte Überraschung: der sonst so rachsüchtige Donald Trump nahm die Aussagen zur Kenntnis und stärkte seiner Stabschefin sogar noch den Rücken. Er bestätigte gegenüber der New York Post, dass er eine „besitzergreifende Persönlichkeit“ habe und „anfällig für Sucht“ sei. Dabei betonte er jedoch, dass er überhaupt keinen Alkohol trinke. Wiles bezeichnete er nach Angaben der Zeitung als „fantastisch“.
Wiles selbst ruderte kurz nach Veröffentlichung des Interviews zurück und sprach von einem „Hetzstück“, auch wenn sie ihre Zitate nicht bestritt. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt schrieb derweil auf X, es gebe „keine großartigere und loyalere“ Präsidentenberaterin als Susie Wiles. (Quellen: Vanity Fair, The Independent, Fox News, dpa, AFP) (nak)