Angst um republikanische Unterstützung der Ukraine

„Wäre geopolitische Katastrophe“: Ex-Nato-Chef hofft auf Niederlage für Donald Trump

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Der ehemalige US-Präsident Donald Trump ist schon jetzt im Wahlkampf-Modus für 2024.

Donald Trump hat seine Kandidatur für die US-Wahl 2024 bereits angekündigt. Ex-Nato-Chef Rasmussen sieht darin eine Gefahr für die Unterstützung der Ukraine.

Washington D.C. - Der Ex-Nato-Generalsekretär und ehemalige Ministerpräsident von Dänemark, Anders Fogh Rasmussen, hat sich in einem Interview mit der US-amerikanischen Tageszeitung Politico kritisch gegenüber der Kandidatur Donald Trumps als Präsidentschaftskandidat für die US-Wahlen 2024 geäußert. Er ist der Meinung, würde Ex-US-Präsident Trump tatsächlich von den Republikanern als deren Kandidat aufgestellt werden, könne die Unterstützung der Republikaner für die Ukraine stark beeinträchtigt werden - egal, ob er danach das Rennen gegen den demokratischen Kandidaten gewinnt.

Rasmussen spricht dem ehemaligen Präsidenten keine großen Chancen zu: Er glaube, er werde „ein Verlierer sein“, sagte er. Und weiter: „Sein Gepäck ist zu schwer, zu umstritten“. Aber trotzdem bleibt die Angst, was passieren würde, würde er die Nominierung doch gewinnen. Rasmussen ist als Berater der ukrainischen Regierung tätig und besuchte kürzlich Washington, um sich mit Kongressmitgliedern und Vertretern der Regierung Biden zu treffen. Er wirbt bei ihnen dafür, mehr und schwerere Waffen zu liefern und der Ukraine langfristige Sicherheitsgarantien zu geben.

Ukraine-Krieg: Trump fiel mit positiven Äußerungen gegenüber Putin auf

Allein durch seinen Sieg bei der Nominierung der Republikaner könnte Trump die Zweiparteienfront in den USA zugunsten der Ukraine zerschlagen, befürchtet Rasmussen. Zu Beginn des Ukraine-Kriegs fiel Trump des Öfteren mit kontroversen Aussagen auf, zum Beispiel als er sagte, der russische Präsident Wladimir Putin sei ein kluger Stratege. Erst kürzlich schlug er vor, dass die Ukraine in einem Abkommen mit dem Angreifer „russischsprachige Gebiete“ hätte abtreten sollen. Rasmussen sagt, Trumps offensichtliche Ukraine-Politik käme einer „Kapitulation“ gleich .„Ich nenne es eine geopolitische Katastrophe, wenn Trump nominiert würde, denn im Wahlkampf wäre sein Einfluss zerstörerisch“, führt er gegenüber Politico weiter aus.

Dass dies keine gute Grundlage für die fortlaufende Unterstützung der Ukraine wäre, würde der ehemalige Präsident tatsächlich wieder aufgestellt werden, liegt auf der Hand. Immerhin würde das seine Ideen näher an den Mainstream rücken und es schwieriger machen, die Unterstützung des Kongresses für den Krieg zu sichern. Vor allem, da laut Meinungsumfragen die Unterstützung für die Ukraine in den Vereinigten Staaten eh schon schwächer wird. Trumps Nominierung könnte dies noch beschleunigen, meint Rasmussen: „Allein die Tatsache, dass sein Denken ein bestimmtes Element, ein bestimmtes Segment der amerikanischen Öffentlichkeit anspricht, wird die amerikanische Politik in die falsche Richtung lenken.“

Republikaner-Kandidatur: Rasmussen sieht Hoffnung in Trumps Konkurrenz

Neben Trump haben unter anderem bereits Nikki Haley, ehemalige Botschafterin Trumps bei den Vereinten Nationen sowie Ron DeSantis, der Gouverneur Floridas, ihre Kandidatur bekanntgegeben. Mike Pence, der seine potenzielle Kandidatur noch nicht öffentlich gemacht hat, ist der größte Unterstützer der Ukraine unter den möglichen Gegenkandidaten. Der ehemalige Vizepräsident Donald Trumps hatte sich für eine umfassende Unterstützung der Ukraine ausgesprochen und „Apologeten“ Russlands in seiner eigenen Partei angeprangert.

Nikki Haley hat sich dafür ausgesprochen, der Ukraine alle benötigten Waffen zu geben und beschreibt den Krieg als einen Kampf für die Freiheit. Weder Pence noch Haley erreichen derzeit zweistellige Umfragewerte. „Ich hoffe wirklich, dass die Republikaner die Kurve kriegen“, sagt Rasmussen. „Ich hoffe, und zwar nicht nur aus europäischer, sondern aus globaler Sicht, dass die Republikaner einen Kandidaten nominieren, der der globalen Führungsrolle Amerikas sehr viel mehr verbunden ist als Trump und die Trumpisten.“

DeSantis: Ukraine-Krieg ist „territorialer Streit“

Ron DeSantis entspricht dem Bild eher nicht. Trumps wichtigster Konkurrent auf der rechten Seite hat sich in Bezug auf die Ukraine auf seine Seite geschlagen, indem er Bidens „Blankoscheck-Politik“ der großzügigen Hilfe anprangerte und sagte, das Schicksal der ukrainischen Grenzregionen sei kein wichtiges amerikanisches Anliegen. Er bezeichnete gerade eben erst den Krieg als „territorialen Streit“.

Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus

Donald Trump will wieder US-Präsident werden
Nun ist es raus: Donald Trump will 2024 erneut als US-Präsident antreten. Dann wird der Milliardär aus New York 78 Jahre alt sein. Trump hatte das Amt 2017 bis 2021 inne, verlor 2020 aber die Wahl und musste auf eine zweite Amtszeit verzichten. Die soll nun im dritten Anlauf gelingen. Trump wäre erst der zweite Präsident in der Geschichte der USA, dem ein solches Comeback gelingen würde. © Andrew Harnik/dpa
Nikki Haley tritt als US-Botschafterin bei der UN zurück und 2024 vielleicht noch einmal an
Nikki Haley war Trumps letzte verbliebene Rivalin. Doch am Ende zog auch sie sich aus dem parteiinternen Rennen um die US-Präsidentschaft zurück. Nach ihrer Serie von Niederlagen am Super Tuesday verkündete Haley ihren Ausstieg. Die ehemalige Gouverneurin des Bundesstaates South Carolinas wechselt ihre Haltung zu Donald Trump wie andere Leute die Kleidung. Als Botschafterin Trumps bei den Vereinten Nationen war sie enge Vertraute des Ex-Präsidenten, nach dem Sturm aufs Kapitol distanzierte sie sich. Dann sagte sie, sie werde nicht kandidieren, sollte Trump erneut antreten. Haley gilt als Establishment-Republikanerin, die für möglichst geringe Sozialausgaben, niedrige Steuern und eine aggressive Außenpolitik steht. © Evan Vuccid/dpa
Floridas Gouverneur Ron de Santis spricht nach dem Sieg bei den Midterms zu seiner Anhängerschaft
Als härtester Konkurrent für die Nominierung bei den Republikanern für die US-Wahl 2024 galt lange Ron DeSantis. Der Gouverneur Floridas feierte bei den Midterms einen klaren Sieg und wurde von der Wählerschaft im Amt bestätigt. Er galt als der Hoffnungsträger in der Partei. Das Rennen um die Präsidentschaftsnominierung hat er aber inzwischen aufgegeben. DeSantis hatte sich in der Vergangenheit als Trump-Fan inszeniert, geht mittlerweile aber auf Distanz zum Ex-Präsidenten. Hier zu sehen ist der Politiker mit seiner Frau Casey DeSantis und den drei gemeinsamen Kindern. © IMAGO/Luis Santana
Der erfahrene Politiker Asa Hutchinson tritt als Anti-Trump-Kandidat an
Er war bereits Staatsanwalt, Abgeordneter im Repräsentantenhaus, Behördenleiter der Anti-Drogenbehörde DEA und Gouverneur des Bundesstaates Arkansas. Jetzt wollte Asa Hutchinson 2024 republikanischer Präsidentschaftskandidat werden, doch nach der Vorwahl in Iowa zog er seine Kandidatur zurück. Hutchinson trat als Alternative zu Donald Trump an, denn seines Erachtens sollte dieser „nicht der nächste Anführer unseres Landes sein“. Hutchinson forderte Trump auf, seine Kandidatur aufgrund der Anklage gegen ihn in New York zurückzuziehen – eine Sicht, die die republikanische Wählerschaft nicht teilt. © SCOTT OLSON / AFP
Vivek Ramaswamy, Trump-Fan mit Anti-Woke-Agenda
Vivek Ramaswamy hatte Großes vor. Der 38-jährige, rechtslibertäre Tech-Unternehmer mit indischen Wurzeln wollte US-Präsident werden. Nach seinem enttäuschenden Abschneiden bei der Vorwahl in Iowa warf er aber das Handtuch und empfahl, Trump zu Wählen. Der Trump-Fan sieht die USA in einer „nationalen Identitätskrise“ und fordert eine „nationale Wiederbelebung“. Dazu will er z.B. das FBI und das Bildungsministerium abschaffen. Er wolle Trumps „America-First-Aganda auf die nächste Stufe bringen“.  © Anna Moneymaker / AFP
US-Wahl 2024: Ehemaliger Trump-Vertrauter Christie will ins Weiße Haus
Chris Christie hatte auch noch einmal Ambitionen auf das Weiße Haus angemeldet. Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey war einst ein enger Vertrauter von Donald Trump, hat sich aber mittlerweile von ihm losgesagt und kritisiert ihn sogar öffentlich. So bezeichnete er den früheren Präsidenten wegen dessen Haltung zum Ukraine-Krieg als „Feigling“ und „Marionette“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Christie wollte 2016 schon einmal Präsidentschaftskandidat seiner Partei werden, zog nach schlechten Ergebnissen bei den Vorwahlen aber zurück. Diesmal gab er bereits vor den Vorwahlen der Republikaner auf. © Charles Krupa/dpa
Zu den krassen Außenseitern zählt auch Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt.
Zu den krassen Außenseitern zählte von Beginn an Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt. Der Republikaner, der am 4. Dezember aus dem Rennen ausstieg, ist seit dem 15. Dezember 2016 Gouverneur von North Dakota. Vor seiner politischen Karriere war er Softwareunternehmer, Microsoft-Manager und Risikokapitalgeber. Im April unterzeichnete Burgum ein Gesetz, das Abtreibungen in der sechsten Schwangerschaftswoche verbietet. Zudem hat er zahlreiche Gesetze unterzeichnet, die die Rechte von trans Menschen einschränken. © SCOTT OLSON/afp
Senator Tim Scott aus dem Bundesstaat South Carolina begreift seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen als Verkörperung des amerikanischen Traumes. In einem im April veröffentlichten Video spricht er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und fordert mehr Optimismus. Scott betont darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nennt er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung.
Tim Scott (blaues Hemd) hat sich aus dem Rennen um die Kandidatur verabschiedet. Am 12. November zog der Senator aus South Carolina seine Kandidatur zurück. In einem im April veröffentlichten Video sprach er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und forderte mehr Optimismus. Scott betonte darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nannte er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung. Seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen begreift Scott als Verkörperung des amerikanischen Traumes.  © ALLISON JOYCE
Mike Pence könnte 2024 bei der US-Wahl für das Amt des Präsidenten kandidieren.
Ausgestiegen ist auch Trumps ehemaliger Vizepräsident. „Dies ist nicht meine Zeit“, sagte Mike Pence am 28. Oktober 2023. Pence war in Umfragen weit abgeschlagen und hatte Medienberichten zufolge Probleme bei der Beschaffung von Geldern für seine Kampagne. „Wir wussten immer, dass dies ein harter Kampf sein würde, aber ich bereue nichts“, erklärte Pence. Mit kritischen Kommentaren nach den Midterms hatte sich der ultrakonservative Pence für einen möglichen Machtkampf innerhalb der Republikanischen Partei in Stellung gebracht. © IMAGO/Aimee Dilger
Larry Elder ist 2024 der erste schwarze Präsidentschaftskandidat bei den Republikanern
Am 26. Oktober zog sich Larry Elder zurück. Schon bei seinem ersten Versuch als Politiker war er gescheitert: 2021 versuchte der rechte Radiomoderator und Rechtsanwalt erfolglos, Kaliforniens demokratischen Gouverneur Gavin Newsom abzulösen. Elder vertritt rechtsradikale Ansichten, wie ein Abtreibungsverbot, glaubt, dass an Grenzen „Mauern funktionieren“, Antirassismus sowie Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion hingegen nicht. © SCOTT OLSON / AFP
Perry Johnson ist im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur.
Am 20. Oktober zog sich auch Perry Johnson aus dem Wahlkampf zurück. Er war im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur. Aufgefallen war der Unternehmer zuvor nur im Jahr 2022, als er für das Amt des Gouverneurs in Michigan kandidieren wollte. Wegen unsauberer Machenschaften wurde er allerdings von den republikanischen Vorwahlen vorzeitig ausgeschlossen. Johnson positionierte sich im Wahlkampf gegen Abtreibungen. Zudem kritisierte er die Höhe der Hilfsgelder, die die USA der Ukraine zur Verfügung stellen. Zugleich stellte Johnson aber klar, dass er Wladimir Putin nicht vertraue. © SCOTT OLSON/afp
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung sind bisher Ryan Binkley, Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez.
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung waren auch Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez. Auch sie haben ihre Kandidatur bereits wieder zurückgezogen. Im Rennen sind dagegen noch Ryan Binkley, John Anthony Castro und E. W. Jackson. Chancen auf eine Nominierung dürften sie allerdings kaum haben. Großer Favorit bleibt allen Anklagen und Prozessen zum Trotz weiter der frühere Präsident Donald Trump. Die Republikaner haben auf jeden Fall die Qual der Wahl. © ALLISON JOYCE/afp

Diese „Blankoscheck“-Formulierung ist bei vielen Republikaner zu hören, die sich von dem Krieg distanzieren wollen, ohne gleich zu Trump zu werden. Auch Haley verwendete diese Rhetorik hin und wieder. Mit dem Schlagwort ist auch die Haltung des Sprechers des Repräsentantenhauses, Kevin McCarthy, in etwa wiedergegeben. Als er diesen Monat eine Einladung von Präsident Wolodymyr Selenskyj in die Ukraine ablehnte, sagte McCarthy, er brauche nicht zu reisen, um zu bestätigen, dass er „keinen Blankoscheck für irgendetwas ausstellen werde“.

Viele Ukraine-Unterstützer bei Republikanern

Eine Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup ergab im Februar, dass 81 Prozent der Demokraten wollen, dass die Ukraine ihr verlorenes Land zurückerobert, selbst auf die Gefahr hin, dass sich der Krieg in die Länge zieht, gegenüber 53 Prozent der Republikaner. Nur 10 Prozent der Demokraten waren der Meinung, dass die Vereinigten Staaten zu viel für die Ukraine tun, während fast die Hälfte der Republikaner der Meinung war, dass die amerikanische Unterstützung zu weit gegangen sei.

Dabei hat die republikanische Partei durchaus viele engagierte Ukraine-Unterstützer vorzuweisen - aber diese machen eben nicht so lautstark auf sich aufmerksam wie die Gegenseite. Der Führer der Minderheit im Senat beispielsweise, Mitch McConnell, versicherte den europäischen Staats- und Regierungschefs auf der Münchner Sicherheitskonferenz im vergangenen Monat, dass die Republikaner ein „robustes transatlantisches Bündnis“ schätzen - was auch immer andere kaum zu überhörende Stimmen auf der Tribüne sagen mögen. „Schauen Sie nicht auf Twitter - schauen Sie auf die Mächtigen“, sagte McConnell und zählte einflussreiche Ausschussvorsitzende im Repräsentantenhaus und im Senat auf, die sich mit der Ukraine verbündet haben.

Ukraine-Krieg: Rasmussen für schnelle Unterstützung, bevor Wähler sich querstellen

Rasmussen meint zu Politico, wenn amerikanische Wähler die Ukraine nicht ewig unterstützen wollen, müssten eben jetzt noch schnell Kampfflugzeuge, Raketen mit größerer Reichweite und andere Waffen an die Ukraine geschickt werden, deren Lieferung Biden abgelehnt hat. Wenn Trumps Gegner ihn in den Vorwahlen nicht schlagen können, hofft Rasmussen, dass vielleicht die Ukraine Russland zuerst besiegen kann. Er sagt voraus, dass Joe Biden am Ende Kampfflugzeuge schicken wird, und nennt es nur „eine Frage der Zeit“. Die Ukraine fordert seit einiger Zeit Kampfjets vom Westen. Über den amtierenden Präsidenten sagte Rasmussen: „Wir sind gesegnet, weil wir einen echten Internationalisten und Globalisten im Weißen Haus haben“.

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