Machtkampf in Südamerika: Trumps „Donroe-Doktrin“ zielt direkt auf China
VonKlaus Ehringfeld
schließen
Die neue US-Sicherheitsstrategie zielt auf die Vorherrschaft in Lateinamerika. Auch China wird zum Rivalen erklärt. Die Rückkehr einer bekannten Doktrin.
Washington, D. C. – Die Vereinigten Staaten setzen das einst als „Hinterhof“ verunglimpfte Lateinamerika wieder oben auf die Prioritätenliste der nationalen Interessen. Die wirtschaftliche und politische Kontrolle über das unter den vorhergehenden Präsidenten vernachlässigte Lateinamerika sei „grundlegend für den Schutz des Heimatlandes“, heißt es in der neuen nationalen Sicherheitsstrategie, die am Freitag in Washington vorgestellt wurde.
Sie verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele: die Gewährleistung der Grenzsicherheit, und – ohne es explizit zu erwähnen – die Eindämmung des wachsenden Einflusses Chinas. In mehreren Ländern, so etwa Brasilien, ist der asiatische Staat inzwischen wichtigster Handelspartner.
Drohung, Erpressung, Zölle: Alte Südamerika-Doktrin kehrt unter Trump wieder
Es ist die Wiederkehr der „Monroe-Doktrin“ und des „Amerika den Amerikanern“-Anspruchs, mit dem Washington im 19. Jahrhundert eine auch über Interventionen dominierte Ära prägte. Benannt ist sie nach dem damaligen US-Präsidenten James Monroe. Diese Politik kehrt jetzt gewissermaßen als „Donroe-Doktrin“ zurück, indem Staatschef Donald Trump mit Drohungen, Erpressungen, Zöllen und Freihandelsabkommen die Länder Zentral- und Südamerikas gefügig machen will.
„Die Vereinigten Staaten müssen in der westlichen Hemisphäre eine führende Rolle einnehmen, um unsere Sicherheit und unseren Wohlstand zu gewährleisten. Diese Voraussetzung ermöglicht es, uns in der Region jederzeit und überall selbstbewusst zu behaupten“, schreibt das Konzeptpapier fest. Ziel sei es, „die amerikanische Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre wiederherzustellen“.
Von Maduro bis Milei: Die lange Liste der Populisten Lateinamerikas
Die USA haben gleich zu Beginn von Trumps Amtszeit vor knapp einem Jahr das Zugriffsrecht auf den Panama-Kanal erhoben und behauptet, er werde von China verwaltet. Trump drohte Mexiko an, im Kampf gegen die Kartelle auch auf deren Territorium aktiv zu werden. Und auch Kolumbiens Staatschef Gustavo Petro steht im Fokus des Weißen Hauses, weil er angeblich nicht genügend gegen den Anbau von Koka tue.
Einmischung in Wahlen und militärischer Druck: Trump will mit den USA Präsenz in der Karibik zeigen
Auch auf andere Weise greift Trump drastisch in die Politik der lateinamerikanischen Staaten ein. In Argentinien knüpfte er ein 40-Milliarden-Hilfspaket an einen Erfolg der Partei von Staatschef Javier Milei bei den Kongresszwischenwahlen. Honduras drohte er gerade mit der Einstellung der US-Hilfe, sollte nicht der Favorit Washingtons bei der Präsidentenwahl gewinnen.
In diesem Rahmen muss man auch den massiven Aufmarsch der US-Marine und Luftwaffe vor den Küsten Venezuelas interpretieren. Die Streitmacht ist nicht nur dazu da, Druck auf Machthaber Nicolás Maduro auszuüben, sondern auch, um dauerhaft Präsenz in der Karibik zu zeigen. Die neue Strategie fordert dies, um die Überwachung irregulärer Einwanderung und des Drogenhandels zu intensivieren und den Zugang zu strategisch wichtigen Punkten zu sichern. Explizit nicht ausgeschlossen wird dabei der Einsatz tödlicher Gewalt.
USA erhöhen Druck gegen Chinas Einfluss in Südamerika – womöglich bald auch auf Kuba, Nicaragua
Das sind auch keine guten Nachrichten für Länder wie Kuba und Nicaragua, die neben Venezuela von ehemals linken, autokratischen Regierungen geführt werden und ein ganz besonderer Dorn im Auge der Washingtoner Regierung sind. Insbesondere US-Außenminister Marco Rubio, der kubanische Wurzeln hat, sagt offen, dass er in Havanna und Caracas einen Regimewechsel anstrebt.
Genauso stören sich die neuen Bullys in Washington am großen Einfluss Chinas in der Region. Peking hat in den vergangenen Jahren die von den USA gelassene Lücke genutzt und seine Zusammenarbeit mit lateinamerikanischen Ländern ausgebaut.
„Die Bedingungen unserer Bündnisse und jeglicher Art von Hilfeleistung müssen an die Reduzierung feindlichen ausländischen Einflusses geknüpft sein – von der Kontrolle über Häfen, Militäranlagen und wichtige Infrastruktur bis hin zum Erwerb strategischer Güter im weitesten Sinne,“ heißt es martialisch.