Pentagon heißt jetzt Kriegsministerium: Milliardenkosten wegen Trumps Namensänderung befürchtet
VonChristian Stör
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Trumps Pentagon-Umbenennung in Kriegsministerium könnte Milliarden kosten. Ein Beamter warnt vor enormen Problemen für Steuerzahler durch den Beschluss.
Update vom 6. September, 18.30 Uhr: Nach der Entscheidung von Donald Trump, das Pentagon in „Kriegsministerium“ umzubenennen, drohen den US-Steuerzahlern offenbar Milliardenkosten. Ein Verteidigungsministerium-Beamter warnte gegenüber Politico vor „Millionen kleiner Probleme“ und enormen finanziellen Belastungen durch die am Freitag unterzeichnete Präsidenten-Verordnung. „Das wird nicht nur Millionen von Dollar kosten, es wird auch absolut keinen Einfluss auf die chinesischen oder russischen Überlegungen haben“, zitiert das US-Portal den Beamten.
Auch wenn die Einzelheiten der von Trump am Freitag unterzeichneten Anordnung noch vage sind, könnten Beamte unter anderem alleine die Siegel des Verteidigungsministeriums an mehr als 700.000 Einrichtungen in 40 Ländern und allen 50 Bundesstaaten ändern müssen. Politico schätzt die Gesamtkosten der Namensänderung könnten im Milliardenbereich liegen.
Trump unterschrieb die entsprechende Anordnung im Oval Office und sprach Verteidigungsminister Pete Hegseth sofort als „Kriegsminister“ an. Hegseth begründete den Schritt mit der Wiederbelebung eines „Krieger-Ethos“ zur Abschreckung, während rechtliche Fragen zur sofortigen Verbindlichkeit der Pentagon-Umbenennung ungeklärt bleiben.
Derzeitige Bezeichnung „zu defensiv“: Trump benennt Pentagon wieder in Kriegsministerium
Update, 22.23 Uhr: Donald Trump hat ein Dekret unterzeichnet, der das US-Verteidigungsministerium in „Department of War“ (Ministerium für Krieg) umbenennt. Der US-Verteidigungsminister wird künftig Kriegsminister heißen. Trump hatte eine Umbenennung des Pentagons in Kriegsministerium in den vergangenen Wochen mehrfach ins Spiel gebracht. Er begründete den Vorstoß damit, dass die derzeitige Bezeichnung „zu defensiv“ sei. Daher wolle er den Begriff Kriegsministerium wieder einführen, der bereits von 1789 bis 1949 verwendet wurde.
Bei der Pressekonferenz zur Unterzeichnung des Dekrets sagte Trump: „Wir hätten jeden Krieg gewinnen müssen. Wir hätten jeden Krieg gewinnen können, aber wir haben uns dafür entschieden, politisch korrekt zu sein – woke. Wir wollten nie gewinnen.“ Welche Kriege Trump meinte, präzisierte der Präsident nicht.
Erstmeldung: Washington, DC – Donald Trump plant mal wieder etwas Neues. Diesmal geht es um das Verteidigungsministerium. Das soll nach dem Willen des US-Präsidenten künftig einen anderen Namen tragen: Statt „Department of Defense“ wird das Pentagon schon bald „Department of War“ heißen.
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Am Montag (25. August) erklärte Trump, dass die Behörden dem Pentagon „wahrscheinlich“ in etwa einer Woche wieder den aggressiveren Namen geben würden, den es bereits früher getragen hat. Noch unklar war, ob die Namensänderung vom Senat und Repräsentantenhaus genehmigt werden muss. Der Kongress werde schon mitmachen, wies Trump laut Mediaite aber von vornherein jegliche Bedenken zurück.
Trump plant Umbenennung des US-Verteidigungsministeriums in „Kriegsministerium“
Zugleich hob Trump die militärischen Erfolge der USA unter dem alten Namen besonders hervor: „Als wir den Ersten und Zweiten Weltkrieg gewonnen haben, hieß es Kriegsministerium. Und für mich ist es das auch wirklich“, sagte Trump bei einer Pressekonferenz mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Jae Myung. „Ich möchte nicht nur Verteidigung. Wir wollen auch Angriff.“
Jeder freue sich, dass „wir eine unglaubliche Erfolgsgeschichte hatten, als es noch Kriegsministerium hieß“, so Trump weiter. „Dann haben wir es in Verteidigungsministerium umbenannt.“ Unausgesprochen schwang dabei der Vorwurf mit, dass es danach mit dem Militär der USA bergab gegangen sei. Vielleicht dachte er dabei auch an den Vietnam-Krieg, den der frühere US-Verteidigungsminister Robert McNamara (von 1961 bis 1968 im Amt) in einem Buch als „Trauma einer Weltmacht“ beschrieb. Trump selbst drückte sich damals mit einem Fersensporn vor dem Einsatz.
Donald Trump: Verteidigungsminister wieder Kriegsminister nennen?
Die Idee einer Umbenennung ist nicht neu. So hatte Trump schon auf dem Nato-Gipfel im Juni laut darüber nachgedacht, den Verteidigungsminister in „Kriegsminister“ umzubenennen. „Vielleicht nennen wir es ein paar Wochen lang so, weil wir uns wie Krieger fühlen“, hatte Trump damals bei der Abschlusspressekonferenz in Den Haag gesagt. Früher habe das Amt schon einmal so geheißen. „Dann wurden wir politisch korrekt und nannten es Verteidigungsminister“, fügte der Republikaner hinzu. „Ich weiß nicht, vielleicht müssen wir darüber nachdenken, es zu ändern.“
Auch Verteidigungsminister Pete Hegseth, den Trump laut Politico bereits als „Kriegsminister“ bezeichnet hat, unterstützt offenbar die geplante Namensänderung. So hat er in der Vergangenheit versprochen, den „Kriegerethos“ des Ministeriums wiederherzustellen. Im März fragte er seine Follower auf seinem persönlichen X-Account, welchen Namen sie bevorzugen würden. Eine knappe Mehrheit entschied sich für „Kriegsministerium“.
Pentagon
Das Pentagon ist das Hauptquartier des US-Verteidigungsministeriums in Arlington, Virginia, nahe Washington, DC. Das 1943 fertiggestellte Gebäude hat seinen Namen von seiner charakteristischen fünfeckigen Form und gilt mit einer Nutzfläche von etwa 620.000 Quadratmetern als eines der größten Bürogebäude der Welt. Die Gesamtlänge aller Korridore beträgt knapp 28,2 Kilometer. Es beherbergt etwa 23.000 Angestellte aus allen Teilstreitkräften der USA sowie knapp 3000 nicht dem Militärdienst dienende Hilfskräfte. Heute wird der Begriff „Pentagon“ auch als Synonym für das US-Verteidigungsministerium benutzt.
1949 wurde das Kriegsministerium durch das Verteidigungsministerium ersetzt
Das Amt des heutigen US-Verteidigungsministers wurde 1947 im Zuge einer umfassenden Neuordnung der militärischen Führungsstruktur geschaffen. Zuvor hatte es seit 1789 das Amt des Kriegsministers gegeben, dem das Kriegsministerium unterstellt war. 1949 wurde dieses durch das Verteidigungsministerium ersetzt. Die Umbenennung war also Teil einer strukturellen Reform nach dem Zweiten Weltkrieg. (cs)