Trump zur Lage im Ukraine-Krieg: „Mir gefällt die Bombardierung nicht“
VonBabett Gumbrecht
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Die Waffenruhe-Verhandlungen kommen seit Wochen nicht voran. Nach einem massiven Luftschlag von Moskau appelliert Trump an Putin, die Gewalt zu stoppen.
Moskau/Washington D.C. – Fast drei Wochen ist es her, dass US-Präsident Donald Trump und Kreml-Chef Wladimir Putin über eine mögliche Waffenruhe im Ukraine-Krieg telefoniert haben. Seitdem herrscht Funkstille – die Bombardierungen in der Ukraine laufen derweil aber weiter. Diese kritisierte Trump nach dem jüngsten Massenangriff Russlands auf die Ukraine jetzt scharf: „Wir sprechen mit Russland. Wir möchten, dass sie aufhören“, sagte Trump Reportern an Bord der Air Force One am Sonntag (6. April).
„Ich bin gegen die Bombardierungen. Sie gehen immer weiter, und jede Woche werden Tausende junger Menschen getötet.“ Der Republikaner bekräftigte damit seinen Aufruf zu einem Waffenstillstand im Krieg zwischen Russland und der Ukraine und forderte Putin auf, die Gewalt zu beenden. Laut der ukrainischen Luftwaffe, haben die russischen Streitkräfte das Nachbarland zuletzt mit 23 Marschflugkörpern oder ballistischen Raketen sowie 109 Drohnen angegriffen, berichtet Kyiv Independent.
Verhandlungen über Ende vom Ukraine-Krieg: Selenskyj beklagt mangelnden Druck der USA auf Russland
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert angesichts der andauernden russischen Luftangriffe mehr Druck der Weltgemeinschaft auf Putin in den Verhandlungen um ein Ende des Ukraine-Kriesgs. „Diese Angriffe sind Putins Antwort auf alle internationalen diplomatischen Bemühungen“, schrieb Selenskyj im sozialen Netzwerk X (ehemals Twitter). „Jeder unserer Partner – die Vereinigten Staaten, Europa, die ganze Welt – hat gesehen, dass Russland den Krieg und das Töten fortsetzen will. Deshalb darf der Druck nicht gelockert werden.“
Selenskyj kritisierte auch Trump. Im Ringen um eine Waffenruhe in seinem Land fehle es auch an Druck der USA auf Russland: „Die Ukraine hat dem amerikanischen Vorschlag für eine vollständige Feuerpause ohne Vorbedingungen zugestimmt“, sagte Selenskyj am Sonntag (6. April) in seiner abendlichen Ansprache. „(Kreml-Chef Wladimir) Putin weigert sich. Wir warten, dass die USA darauf antworten - bislang gibt es keine Antwort.“
Nach Angaben Selenskyjs hat Russland sein Land in der vergangenen Woche aus der Luft mit mehr als 1.460 Gleitbomben, fast 670 Kampfdrohnen und mehr als 30 Raketen beschossen. Besonders folgenschwer war ein Raketentreffer auf die Industriestadt Krywyj Rih am Freitag (4. April). Dort wurden 18 Menschen getötet, darunter neun Kinder und Jugendliche. In der Hauptstadt Kiew wurde am Sonntag mindestens ein Mann getötet, drei Menschen wurden verletzt.
Auch Macron reagiert auf Bombardierungen im Ukraine-Krieg: Starke Taten, falls Russland „Frieden ablehnt“
Auch der französische Präsident Emmanuel Macron forderte mehr Druck auf Moskau. „Die Angriffe Russlands müssen enden“, schrieb Macron im Onlinedienst X. „Nötig ist eine Waffenruhe so bald wie möglich. Und starke Taten, wenn Russland weiterhin versucht, Zeit zu gewinnen und den Frieden ablehnt.“
Hintergrund: US-Präsident Trump versucht seit Wochen erfolglos, eine Waffenruhe in dem seit mehr als drei Jahren andauernden Ukraine-Krieg zu erreichen. US-Vertreter führten dazu in Saudi-Arabien getrennte Gespräche mit Russland und der Ukraine. Allerdings lehnt Putin eine Waffenruhe ohne Vorbedingungen ab. Außerdem haben sich die USA unter Trump an Russland angenähert.
Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern
Die USA haben in Gesprächen mit Russland und der Ukraine verschiedene Modelle von Feuerpausen vorgeschlagen, zu denen Moskau aber Vorbedingungen stellt. Russland hält sich nach eigenen Angaben nur an einen Stopp von Angriffen auf Energieanlagen. Allerdings haben seitdem die Attacken auf Wohnhäuser und andere zivile Objekte zugenommen.
Kreml-Unterhändler zu Waffenruhe-Gesprächen im Ukraine-Krieg: Neuer Kontakt zu USA bald möglich
Unterdessen kündigte Kreml-Unterhändler Kirill Dmitriev am 6. April an, dass es bereits nächste Woche zu neuen Kontakten zwischen Russland und den USA kommen könnte. Das sagte er dem Fernsehsender Erster Kanal in Moskau. Er nannte der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge aber weder Ort noch Format solcher Gespräche.
Der Vertraute von Kremlchef Putin hatte erst vergangene Woche in Washington mit Vertretern von Präsident Trumps Regierung gesprochen. Dabei ging es nach Dmitrijews Angaben um den Ukraine-Krieg, vor allem aber um das Wiederanknüpfen wirtschaftlicher Kontakte zu den USA. Viele US-Firmen wollten nach Russland zurückkehren, behauptete er.
Wegen Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine war das Verhältnis zu den USA zuletzt schwer belastet; es gab kaum Kontakte. Trump und sein Team hoffen, den Krieg zu beenden und sind Moskau deshalb in vielen Punkten entgegengekommen. Allerdings gab es zuletzt auch Vorwürfe des Präsidenten und seines Außenministers Marco Rubio, dass Putin auf Zeit zu spielen versuche (bg/dpa).