BRICS-Mitgliedschaft

Türkei bald in Russlands Bündnis? Kreml sieht „großes Interesse“ bei Erdogan

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Russland und auch China würden eine BRICS-Mitgliedschaft der Türkei begrüßen. Eine weitere Annäherung Ankaras an autoritäre Regime würde den Westen schwächen.

Moskau – Laut dem russischen Diplomaten, Dimitri Birichevsky, will die Türkei dem Bündnis der BRICS-Staaten beitreten. „Indonesien zeigt großes Interesse an einer Partnerschaft, obwohl es sich noch nicht angeschlossen hat. Und soweit wir wissen, beobachtet die Türkei die BRICS mit großem Interesse“, sagte der Leiter der Abteilung für wirtschaftliche Zusammenarbeit im russischen Außenministerium.

Die Erweiterung der BRICS Staaten sei eine Sensation, die „die gemeinsame Stimme der Gruppe viel lauter werden lässt. Eine BRICS-Mitgliedschaft bedeutet nicht, dass alle Mitglieder die gleichen Ansichten und Meinungen teilen müssen“, sagte der Diplomat. „Die Mitglieder sind völlig gleichberechtigt und müssen die Interessen und Haltungen der anderen berücksichtigen. Ich bin sicher, dass die erweiterte Version der BRICS diesen Ansatz beibehalten wird.“

Türkei als Vermittler?

Auch andere BRICS-Staaten äußern den Wunsch, Ankara aufzunehmen. „Die Türkei ist das einzige Land, das in der Lage zu sein scheint, eine Art Vermittlerrolle zu spielen, die sowohl von der Ukraine als auch von Russland als glaubwürdig angesehen wird.“ Das sagt Jim O‘Neill, Experte für internationale Beziehungen und ehemaliger Vorsitzender des Thinktanks „Chatham House“ gegenüber der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi.

Die Präsidenten von Russland, Wladimir Putin, und der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, bei ihrem Treffen in Sotschi.

O‘Neill, der von 1999 bis 2021 auch Vorsitzender der renommierten Londoner Denkfabrik Chatham House war, ordnete die Türkei zuvor in die Abkürzung MINT (Mexiko, Indonesien, Nigeria, Türkei) ein, die für Schwellenländer steht.

Ankara könnte näher an China und Russland rücken

Allerdings würde eine Mitgliedschaft der Türkei das Land den autoritären Regimen wie China und Russland näherbringen. Ohnehin hat die Türkei Probleme mit dem Westen. In der jüngeren Vergangenheit hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan immer wieder dem Nato-Partner Griechenland mit Raketenangriffen und militärischer Invasion gedroht.

Auch hatte die Türkei trotz Warnungen das russische Luftverteidigungssystem S-300 angeschafft und musste dafür einen hohen Preis bezahlen. Die Türkei flog aus dem F-35-Programm raus. Das moderne Kampfflugzeug bleibt für die Türkei damit nur eine Illusion. Seit Jahren versucht die Türkei deswegen, zumindest moderne F-16-Kampfjets von den USA zu kaufen.

Türkische Faschisten fordern Annäherung an Russland, China und Iran

Innerhalb der Türkei würde eine weitere Annäherung an Staaten wie Russland und China etwa die faschistisch Vatan Partisi und ihren Vorsitzenden Dogu Perincek freuen. Perincek gilt als Unterstützer der Regierung. Insbesondere hatte Perincek die Säuberungen im türkischen Militär nach dem Putschversuch von 2016 unterstützt. Erdogan ließ rund die Hälfte aller Generäle damals, die als pro-westlich gelten, entlassen und viele von ihnen verhaften. Perincek hetzt regelmäßig gegen den Westen und fordert eine enge Zusammenarbeit neben Russland und China vor allem mit dem Iran.

Bei dem 5. BRICS-Gipfel vom 22. bis 24. August in Südafrika wurde beschlossen, dass das Bündnis neue Mitglieder bekommt. Argentinien, Ägypten, Äthiopien, der Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate wurde eingeladen, Mitglieder der BRICS-Staaten zu werden. Ursprünglich bestanden die Mitglieder aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sergei Karpukhin

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