VonRobert Wagnerschließen
In einem Tweet erklärt Erdoğan die Türkei-Wahl zum Beweis für die Stabilität der türkischen Demokratie. Den Vorwurf, er strebe eine Diktatur an, weist er zurück.
Ankara - Die Türkei befinde sich auf dem Weg zur Diktatur. Das ist eine häufig zu hörende Befürchtung, die die Stichwahl in der Türkei um die Präsidentschaft zwischen Amtsinhaber Recep Tayyip Erdoğan und dessen Herausforderer Kemal Kılıçdaroğlu für internationale Beobachter so überaus interessant macht.
Entwickelt sich das Nato-Mitglied Türkei, das die zweitgrößte Armee in diesem Verteidigungsbündnis stellt und an einer strategisch wichtigen Stelle zwischen Europa und Asien gelegen ist, unter Erdoğan zu einer Autokratie nach russischem Vorbild? Oder verbleibt sie in der Gemeinschaft liberaler Staaten westlicher Prägung, die weltweit unter immer größerem Druck stehen, sich gegen Autokratien wie China zu behaupten. Diese Frage überschattet die anstehende Stichwahl.
Erdoğan hat den Vorwurf, in seinem Land ein autoritäres Regime etablieren zu wollen, nun via Twitter zurückgewiesen. Die Türkei sei eine zuverlässig stabile Demokratie. Das zeigten die aktuellen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, schreibt der amtierende türkische Präsident. „Der Wahlprozess, den unser Land gerade durchläuft, hat dazu beigetragen, unzählige Wahrheiten zu erkennen. Wir haben am 14. Mai nicht nur die Stärke der türkischen Demokratie an den Wahlurnen gesehen, sondern auch das Platzen der ‚Filterblasen‘“, twitterte Erdoğan.
Ülkemizin içinde bulunduğu seçim süreci sayısız hakikatin anlaşılmasına vesile oldu.
— Recep Tayyip Erdoğan (@RTErdogan) May 25, 2023
14 Mayıs’ta sandıkta Türk demokrasisinin gücünü görmekle kalmadık, aynı zamanda “algı balonlarının” sönmesine de şahitlik ettik.
Peki, neydi bunlar?…
Erdoğan: „Wir haben gezeigt, dass die Behauptungen über die Diktatur purer Unsinn sind“
Der Diktatur-Vorwurf gegen ihn sei eine „Verleumdung“ der Türkei insgesamt, die er offenbar als vom Ausland gesteuerte Kampagne darstellt. Er spricht von „Verleumdungskampagnen derjenigen, denen es nicht gelang, auch nur die Hälfte der Wähler in ihrem eigenen Land zur Wahl zu motivieren“ und greift die internationale Medienlandschaft an, ohne konkret zu werden.
„Es waren heimtückische psychologischen Operationen, die in der internationalen Presse über uns geführt wurden. Es waren die Lügen und Falschmeldungen, die die Opposition unverblümt wiederholte. Es war die Politik der Angst, die vom CHP-Vorsitzenden (Kemal Kılıçdaroğlu) und seinem Unternehmen angeheizt wurde“, führt Erdoğan in seinem Tweet aus.
Das Ergebnis der Wahl vom 14. Mai beziehungsweise der Volkswille, der sich darin manifestiert habe, würde all dies zunichtemachen. „Wir haben gezeigt, dass die Diktatur-Vorwürfe purer Unsinn sind.“ Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen entfielen auf Erdoğan insgesamt 49,51 Prozent der Stimmen, Oppositionsführer Kemal Kılıçdaroğlu kam auf 44,88 Prozent. Die Stichwahl findet am 28. Mai statt. Aktuelle Umfragen zur Türkei-Wahl sehen mittlerweile Amtsinhaber Erdoğan mit Abstand vorne.
Erdoğan spricht von der „Weitsicht unserer Nation“ und dem „Reifegrad unserer Demokratie“
Die Wahlen hätten gezeigt, dass der Wille der türkischen Nation nicht in Ketten gelegt werden könne, schreibt Erdoğan weiter. „Wir haben gezeigt, dass Wahlen nicht mit Lügen, Verleumdungen und der Politik der Angst gewonnen werden können. Wir haben gezeigt, dass es unmöglich ist, die Herzen der Menschen mit Hassreden zu erreichen. Wir haben gezeigt, dass es nicht möglich ist, mit Separatisten und FETÖ-Mitgliedern um des politischen Gewinns willen zusammenzuarbeiten.“
Mit FETÖ sind Anhänger der Gülen-Bewegung gemeint, die für den Putschversuch von 2016 verantwortlich gemacht wird. Mit „Separatisten“ meint Erdoğan vermutlich die Kurden beziehungsweise die prokurdische HDP, mit der sein Herausforderer Kılıçdaroğlu zusammenarbeitet, um ihn zu entmachten.
Die Wahlen hätten der ganzen Welt neben der „Weitsicht unserer Nation“ auch den „Reifegrad unserer Demokratie“ vor Augen geführt. Diese sei ein Ergebnis der letzten 21 Jahre, legt er nahe. Erdoğans AKP ist seit 2002 an der Macht.
Wahlkampf in der Türkei: Erdoğan vs. Kılıçdaroğlu - Das Duell um die Präsidentschaft




Wäre er ein Diktator, gäbe es gar keine Stichwahl, so Erdoğan
„Wir haben dies gemeinsam mit 85 Millionen Menschen erreicht, unabhängig davon, für welche politische Partei sie gestimmt haben. Hoffentlich werden wir nach dem 28. Mai all diese Errungenschaften unseres Landes gemeinsam noch viel weiter tragen“, schreibt er abschließend.
Auf einer Kundgebung in der Hauptstadt Ankara betonte Erdoğan am Mittwoch (24. Mai), dass es gar keine Stichwahl gäbe, wäre er tatsächlich ein Diktator. „Sehen Sie das mal so. Würde ein Diktator einen zweiten Wahlgang abhalten? Der Diktator erledigt seine Arbeit in der ersten Runde. Und außerdem gewinnt er mit 90 % (der Stimmen). Dafür gibt es viele Beispiele in der Welt. Wir sehnen uns danach, die Herzen unseres Volkes zu gewinnen, nicht die Diktatur.“ (Robert Wagner)
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